Judo – Entwicklungshilfe in Äthiopien; Zweiter „Judo – Aufenthalt“ von Hannes Daxbacher in Addis Abeba

 

Die Judo – Goodwill - Tour in Äthiopien, die Hannes Daxbacher im Juni 2010 unternahm, wurde von sämtlichen Beteiligten wie Sportlern, Funktionären und Politikern als ein überaus erfolgreiches Engagement angesehen. Diverse Dank- und Anerkennungsschreiben u.a. vom äthiopischen Botschafter und vom bayerischen Innenminister zeigten neben dem hohen sportlichen Wert vor allem die politische Dimension und Wertschätzung dieser „praktischen Entwicklungshilfe“ des Königsbrunner Polizeihauptkommissars.

Dr. Tsegaye DEGINEH, Präsident der EJJA (Ethiopian Ju-Jitsu Association) und Hannes Daxbacher, der zum Chief Instructor Judo ernannt wurde, nahmen dieses große sportliche und politische Interesse als Bestätigung und Auftrag, um zukünftig für die äthiopischen Menschen Judo anbieten zu können. Deshalb riefen die beiden „Ehrenamtlichen“ das Projekt „Judo für Äthiopien“ ins Leben.

Sofortige Unterstützung erhielt der Cheftrainer der Judoka des Polizeisportvereines Königsbrunn dabei von seinem Vereinspräsidenten Norbert Schwalber. Dieser arbeitet politisch eng mit dem Bundestagsabgeordneten Dr. Christian Ruck zusammen und beide Politiker erklärten sich spontan bereit, das Judo- Projekt für das Entwicklungsland Äthiopien nach Kräften zu unterstützen.

Die Kontaktaufnahme über den Vizepräsidenten der Europäischen Judo-Union (EJU) Otto Kneitinger zum Präsidenten der IJF (International Judo Federation) Marius Vizer war eine weitere positive Entwicklung. Der Welt-Judo-Präsident zeigte sich äußerst erfreut über die Aktivitäten des Königsbrunner Diplomtrainers zur Gründung einer Judo-Struktur bzw. eines Judoverbandes in Äthiopien und versprach ihm jegliche Unterstützung.

Unter diesen guten Vorzeichen stand die erneute Goodwill-Reise von Hannes Daxbacher im Dezember 2010 nach Addis Abeba. Ein voller Terminplan mit Judopraxis und vor allem mit vielen Besprechungen wartete auf den langjährigen Lehr- und Prüfungsreferenten des Deutschen Judo Bundes (DJB). So waren neben dem Übungsleiter- und Gürtelprüfungslehrgang für die künftigen äthiopischen Judo-Multiplikatoren vor allem strategische Meetings für die bevorstehende Verbandsgründung auf den Tagesordnungen.

Zwischen 25 und 30 interessierte und im Kampfsport vorgebildete Äthiopier mit Graduierungen vom Blaugurt bis zum 4. Dan-Grad in verschiedenen Disziplinen wie Ju-Jitsu, Taekwon-Do, Karate, Kung Fu u.a. nahmen hoch engagiert an dem Judolehrgang teil. Selbst in den wenigen kurzen Pausen übten die „Neu-Judoka“ unermüdlich weiter, waren an den gezeigten Judotechniken hoch interessiert sowie bei den angebotenen Bereichen der Judo-Regeln, Fallschule, Wurftechniken und in der Bodenarbeit voll konzentriert. Besonders erfreut war der Träger des 6. Dan Judo über die Teilnahme des Äthiopiers Haile, der fünf Jahre in Kuba lebte und dort Judo bis zum 1. Dan lernte. Haile dürfte der wohl erste äthiopische Judo-Dan-Träger sein.

Sie alle waren Teil eines weiteren judohistorischen Meilensteines in Äthiopien und durften sowohl am ersten Methodikseminar wie auch an der überhaupt ersten Judo-Gürtelprüfung in Äthiopien teilnehmen. Sogar ein Mädchen war in der männerdominierenden Gruppe, brachte sich hervorragend ein und freute sich wie ihre männlichen Judo-Kameraden über die Graduierungsurkunde mit dem Emblem von Judo-Begründer Jigoro Kano und dem Zeichen des Welt-Judo-Verbandes IJF. Hannes Daxbacher, Prüfer und Chief Instructor Judo der EJJA, überreichte jedem Prüfling zusätzlich aus Deutschland mitgebrachte Präsente und verteilte noch verschiedene Judoanzüge.

Eine besondere Ehre wurde dem Präsidenten der EJJA zu teil. Dr. Tsegaye DEGINEH, selbst mit dem 4. Dan im Ju-Jitsu graduiert, gefragter Referent in der Bundeshauptstadt Berlin und in Brandenburg, wurde von Hannes Daxbacher zum 1. Dan-Grad Judo überprüft. Dem überraschten aber glücklichen Präsidenten wurde unter großem Applaus aller Anwesenden von Großmeister Hannes Daxbacher mit der ersten Judo – Dan - Urkunde Äthiopiens noch eine japanische Judo - Krawatte überreicht.

Dr. DEGINEH und Hannes Daxbacher folgten verschiedenen Einladungen. Unter anderem wurden sie in der deutschen Botschaft in Addis Abeba vom stellvertretenden Botschafter, Herrn Biontino empfangen. Sie zeigten sich sehr interessiert am Projekt „Judo für Äthiopien“ und versprachen „vor Ort“ die notwendigen Hilfestellungen zu geben.

Ein langes und intensives Gespräch beim Sportminister Äthiopiens, Herrn Abdissa Yadeta, führte zu einer hervorragenden Unterstützung durch die äthiopische Regierung. Der Sportminister kümmert sich nun persönlich um die gewünschte Erweiterung der EJJA um das Judo. Die anfänglichen Vorbehalte zur Verbandsgründung waren nur zu verständlich, da in der jüngsten Vergangenheit bereits einige kleine und private Kampfsportverbände versuchten, die staatliche Anerkennung zu erhalten, aber weder Struktur noch Qualität vorweisen konnten.

Ein weiterer Unterstützer konnte mit dem Dekan der Sportfakultät, Dr. Wolde Bezabeh, gewonnen werden, der nun gerne Judo an der Universität anbieten möchte. Auch Daniel Darge Deleta, der Sportverantwortliche der Hauptstadt Addis Abeba, beteiligt sich engagiert bei der Verbandsgründung.

Für die Zukunft sind weitere Seminare vor allem zur Ausbildung von Judolehrern geplant.

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