Musikverein Bobingen setzt mit “Klassisches Russland” Akzente in Bayerischer Blasmusik

Franz Bader :“Attenzione!“ (Foto: Andreas Daschner)

Mit Modest Mussorgski auf dem Weg zu einer Ausstellung.
Vor dem ersten Takt des Galakonzertes am 30. April in der gut besuchten Bobinger Singoldhalle ertönte die imaginäre Stimme des Modest Mussorgski. Wiedermal vom Alkohol gezeichnet, macht er sich auf, um die Bilderausstellung seines Freundes Viktor Hartmann anzuschauen. Diese „Bilder einer Ausstellung“ wurde eine seiner bekanntesten Kompositionen.
Franz Bader, der musikalische Leiter des Musikvereins, hat Maurice Ravels Orchesterinstrumentierung dieses ursprünglichen Klavierwerkes für Blasorchester neu überarbeitet. Das Sinfonische Blasorchester konnte hier den ganzen Charme dieses fantastischen und temperamentvollen Werkes der russischen nationalen Romantik entfachen. Die Musik ist außerdem vom russischen Volkslied und kirchenmusikalischen Elementen inspiriert, doch geht sie weit über melodische, rhythmische und harmonische Konventionen hinaus, wirkt expressionistisch.
Das Ergebnis kann sich hören lassen. Das sagten sich auch die zahlreichen Zuhörer, diesmal auch erfreulich viele aus Augsburg, die den Weg „in die Provinz“ fanden. Und sie wurden nicht enttäuscht! Der Weg in die Singoldhalle wurde mit einem in dieser Art noch nie in Bobingen aufgeführten Konzert belohnt. In Tschaikowskis „Ouvertüre 1812“ wurde man mit Kanonendonner und Glockengeläut in die Siegesstimmung über Napoleons Niederlage durch die Zarenarmee versetzt. Wie schon in „Bilder einer Ausstellung“ war auch hier das stark geforderte Schlagwerk unter Markus Windgasse- Löffler hervorragend disponiert.
Durch den Schweden Lindberg hat die Posaune endgültig den Aufstieg zum Soloinstrument in der klassischen Musik geschafft. An diesem Abend bestätigte Markus Walter als Solist im „Posaunenkonzert“ von Rimski-Korsakoff diese verdiente Bedeutung und ließ das Publikum aufhorchen. Was hier erklang, ist in seiner Art ganz anders, da man dem Zuginstrument Posaune eine solche Virtuosität kaum zutraut.
Wer behauptet, dass klassische Musik zu ernst und schwer sei, wurde mit Dmitri Schostakowitschs leicht und beschwingten „Marsch und Walzer aus der Jazz Suite Nr. 2“ überrascht. Als i-Tüpfelchen darauf erwies sich die Zugabe mit Aram Khatchaturians „Säbeltanz“, bei dem unter höchstem Tempo größtes Können demonstriert wurde.
An diesem Abend wurde von Franz Bader mit dem Sinfonischen Blasorchester geradezu ein Klangteppich ausgerollt. Auf diesem konnte man die Synthese von außerordentlich Unterschiedlichem mit allen Facetten eines Blasorchesters geradezu genießen.
Dem aufmerksamen Publikum war danach klar, dass hier mit Engagement und Probenfleiß ein großartiger Musikabend gestaltet wurde und spendete reichlich Beifall.

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myheimat-Stadtmagazin königsbrunner | Erschienen am 27.05.2009
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