Musikverein Bobingen: Videospielmusik ganz analog, Franz Bader feiert 60. Geburtstag

Während der Proben zum „Game Music“-Konzert feierte Franz Bader, der Leiter des Sinfonischen Blasorchesters Bobingen, seinen 60. Geburtstag – inmitten seiner Musiker (nicht vollzählig).
Bobingen: Singoldhalle | Aus digital wurde real: Gemeinsam mit dem Chor der Uni Augsburg brachte das Sinfonische Blasorchester Bobingen Videospielmusik auf die Bühne. Dirigent Franz Bader feierte während der Probenphase seinen 60. Geburtstag.

„Die spannendste neue Musik ist Klassik aus der Konsole“, sagt Franz Bader, der Leiter des Sinfonischen Blasorchesters Bobingen. Und der Erfolg gibt ihm Recht: Ein überwiegend junges Publikum sowie einige ältere Jahrgänge sorgten Anfang Oktober für ein ausverkauftes Haus in der Bobinger Singoldhalle. Das Klangerlebnis war ebenso ungewöhnlich wie beeindruckend: Für „Game Music in concert – von Angry Birds bis Final Fantasy“ arrangierte Bader Highlights aus der Welt der Videospiele für sein Ensemble und gewann den Chor der Universität Augsburg (Einstudierung Dr. Andreas Becker) als wirkungsvollen Partner. Die Musik, die die Konzertbesucher zuvor nur aus der digitalen Welt kannten, war ganz real erlebbar.

Höhepunkt für Dirigent und Orchester

Mit den brummigen Soundchip-Tönen aus der Anfangszeit der Konsolen haben die Soundtracks freilich nichts mehr zu tun. Die Videospielmusik ist heute ein eigenes musikalisches Genre, das – wie die Filmmusik – das Publikum in Scharen in den Konzertsaal lockt. Und das hat Franz Bader erkannt. „Das Konzert stellt einen Höhepunkt in Franz Baders bisherigem Wirken im Musikverein Bobingen dar“, lobt Vorstand Florian Haas die Arbeit des musikalischen Leiters, der während der Probenphase seinen 60. Geburtstag feierte. Die Konzentration auf sinfonische Blasmusik sei nach wie vor ein Alleinstellungsmerkmal, welches dem Orchester die Aufführung solch facettenreicher Musik wie die der Computerspiele erst erlaube.

In den mehr als zehn Jahren, in denen Bader das Sinfonische Blasorchester führt, gab es zahlreiche Konzerte, die den Musikverein über die Grenzen Bobingens hinaus bekannt gemacht haben. Dazu zählt auch das „Game Music“-Konzert, das die Protagonisten im Juli im Auditorium des Zentrums für Kunst und Musik der Uni Augsburg uraufführten und nun – aufgrund der großen Nachfrage – in der Singoldhalle wiederholten.

Von klassisch bis modern: ein Querschnitt durch die Spielelandschaft

Das umjubelte Konzert bildete verschiedene Entwicklungsstufen der Videospiele ab: Neben den Sounds von Spieleklassikern wie Tetris, Angry Birds oder Pokemon boten die Musiker Kompositionen moderner Spiele wie Halo, Final Fantasy oder Call of Duty dar. Die Wucht von Baders groß dimensioniertem Klangapparat, dem neben Holz- und Blechbläsern auch Schlagwerk und Kontrabässe angehörten, spürten die Zuhörer insbesondere bei dem mächtigen Werk „Summoner's Call“ des Spielehits League of Legends. Gregorianisch düster wurde es bei „Invincible“ aus World of Warcraft, wo die Mezzosopranistin Franziska Bader als Solistin brillierte. Ihr Können zeigte sie auch bei der russischen Volksweise „Korobeiniki“, dem Publikum besser bekannt als Tetris-Melodie. Zurück in die Zeiten des Kalten Krieges ging es mit dem „Soviet March“ aus Command & Conquer. Komisch-parodistisch wurde es bei der „Star Wars“-Edition von Angry Birds.

Zeitungsartikel als Triebfeder

Für Bader selbst stellte „Game Music“ übrigens absolutes Neuland dar – bis vor zwei Jahren. Da las er in einer Konzertkritik von einer Geigerin, die nach Brahms und Beethoven ein Games-Thema als Zugabe spielte und dafür vom Publikum gefeiert wurde. Nun begannen ihn die Kompositionen, die den Plot der Videospiele akustisch untermalen, zu interessieren. In der Folge arrangierte er ausgewählte Werke für sein Ensemble. Und das Repertoire ist noch lange nicht erschöpft – weitere Konzerte sollen folgen.
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Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.königsbrunner | Erschienen am 05.12.2015
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