"Gnadentod" - das etwas andere Stück

Theater-Schmiede Bobingen überzeugt mit künstlerisch wertvoller Darbietung

"Nicht vergnüglich, aber wertvoll" betitelte die Schwabmünchner Allgemeine ihren Premierenbericht zur Aufführung "Gnadentod" der Theater-Schmiede. Denn was das Bobinger Amateurtheater an drei Abenden in der Singoldhalle servierte, entpuppte sich als keine leicht verdauliche Kost. So war die Besucherresonanz nicht so wie bei anderen Stücken, da sich selbst das treueste Publikum mit dieser schweren Thematik über die Gräuel der NS-Zeit nicht befassen wollte. Doch diejenigen, die diese historische Tragödie in 18 Szenen miterlebten, nahmen mit Sicherheit eine Erkenntnis mit nach Hause: So ein menschenverachtendes Handeln darf es nie mehr geben.


Es war die Zeit 1933-1940, als die Nationalsozialisten unter Adolf Hitler die Macht ergriffen und die normale deutsche Familie Bitter völlig aus dem Gleichgewicht brachten. Eugen Bitter (gespielt von Peter Sedlacek) versteht nicht mehr, was so alles um ihn herum geschieht. Er, der für seine Tapferkeit im Ersten Weltkrieg ausgezeichnet wurde, muss miterleben, wie Sarah (Anita Mayer), die jüdische Freundin seiner Tochter Lena (Theresa Adolf) plötzlich verschwindet und sein jüdischer Nachbar David Goldbaum (Kurt Kronberger) von brutalen SS-Männern abgeholt wird. Sein Sohn Max (Michael Ditz), ein begeistertes Mitglied der Hitlerjugend, erklärt ihm zudem bei der Hochzeitsfeier seiner Tochter Lena mit Heinrich (Ralph Miethig), dass er sich als Kriegsfreiwilliger für die Front gemeldet hat.
Da Eugen Bitter eine im Krieg erlittene Kopfverletzung immer mehr zu schaffen machte, beschließen er und seine besorgte Frau Eugenie (Ingrid Schmid), diese massive gesundheitliche Beeinträchtigung im Krankenhaus operativ beheben zu lassen. Statt einer ärztlichen Behandlung wird sein Gesundheitszustand jedoch von den Nazi-Ärzten wegen Verdacht auf paranoide Psychose als unlebenswert eingestuft. Dies hat zur Folge, dass Eugen Bitter letztendlich im Konzentrationslager der "Gnadentod" gewährt wird.

Der riesige Aufwand, den die Theater-Schmiede mit beeindruckenden, ständig wechselnden Bühnenbildern betrieben hat und die schauspielerischen Leistungen aller rund 60 Beteiligten hätte mit Sicherheit ein größeres Publikum verdient. Aber die heutige Gesellschaft zieht scheinbar Inhalte mit Lacheffekt vor. "Spaß wird das Stück mit Sicherheit nicht machen" charakterisierte Autorin Ingrid Storz ihre Inszenierung als Premierengast treffend.
Theater-Schmiede-Leiterin Ingrid Schmid wagte sich zum 25-jährigen Bestehen ihrer Organisation an eine bisher noch nie dagewesene Thematik. "Mit dem Stück Gnadentod wollten wir an die vielen Opfer des Nazi-Regimes erinnern und zum Nachdenken anregen" lautete das Ansinnen von Ingrid Schmid. Und dies ist ihr mit der künstlerisch hochwertigen Aufführung auf jeden Fall voll gelungen.





Nähere Infos und die Bildergalerie zum Stück finden Sie unter:
www.theater-schmiede.de
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