Hohe Bereitschaft die Singold lebendig werden zu lassen - Flusskonferenz zur Zukunft der Singold im Bobinger Raum
In einer Flusskonferenz zur Singold im Bobinger Raum verständigten sich rund 55 Akteure aus Politik, Verwaltung, Fischereivereinen, Heimat/Tourismus/Kultur, Umweltschutz/ Landschaftspflege, Wirtschaft/Mühlenbesitzer/Wasserwirtschaft und von Jugendlichen aus Bobinger Vereinen über die aktuelle Situation und entwarfen Lösungsideen für eine lebendige Singold.
Auf Einladung von Bürgermeister Bernd Müller kamen über die Vertreter aus allen Singold-Nutzergruppen hinaus auch viele Bürger, denen die Weiterentwicklung des heimatlichen Flusses ein Anliegen ist.
Das Ziel, die Singold als gemeinsame Angelegenheit zu sehen und Ideen zu formulieren, wie die Flussqualität in Bobingen durch gemeinsames Handeln verbessert werden kann, ging mit der Präsentation und Diskussion der von den Teilnehmern erarbeiteten Bestandsaufnahme und zahlreicher realisierbarer Lösungsvorschläge auf.
Für Bürgermeister Müller setzte sich mit der Bobinger Flusskonferenz als Abschluss und Höhepunkt des gemeinsam mit der Ökologischen Akademie e.V. Linden durchgeführten, vom Bayerischen Umweltministerium im Rahmen der Kampagne „wasserleben.bayern“ geförderten Projekts „Leben mit der Singold“ eine lange Praxis erfolgreicher Beteiligungsprozesse mit der Bürgerschaft fort. Sein Dank galt aus diesem Grunde auch den zahlreichen Vereinsmitgliedern, Lehrern, Erziehern, Eltern und Kindern, die als Mitgestalter, Referenten oder durch ihre Teilnahme zum Erfolg des Wasserprojektes beigetragen haben. „Mit den 18 Veranstaltungen, Events und Fortbildungen und kontinuierlicher Berichterstattung ist es gelungen, so Bürgermeister Müller, die lange unbeachtet gebliebene Singold zu einem wichtigen Thema in Bobingen zu machen“.
Thomas Beck (Wasserwirtschaftsamt Donauwörth) und Dr. Oliver Born, der Fischereifachberater des Bezirks Schwaben, legten mit ihren Einstiegsreferaten Grundlagen für die Diskussion in den Arbeitsgruppen. Für die Singold, ein Gewässer 2. Ordnung, wird, so Beck, ab Januar der Freistaat Bayern vertreten durch das Wasserwirtschaftsamt Donauwörth für den Gewässerunterhalt zuständig sein. Dem Gewässerentwicklungsplan Singold liegen drei Ziele zugrunde: die gewässerstrukturelle Verbesserung, eine verstärkte Beschattung und die Herstellung der Durchgängigkeit. Thomas Beck erklärte sich bereit, beim Formulieren von Anträgen zur Renaturierung der Singold behilflich zu sein. Dr. Born erläuterte anhand von Beispielen, mit welchen zum Teil sehr einfachen Maßnahmen sich die Flussqualität verbessern läßt. Von 16 früher in der Singold lebenden Fischarten sind heute gerade noch mal 4 Arten übriggeblieben, die zudem außerhalb gezüchtet und in die Singold eingesetzt werden. Durch die im Laufe von Jahrzehnten erfolgten Eingriffe vor allem in den Unterlauf der Singold ist die Flussökologie stark geschädigt. Möchte man die Lebendigkeit des Gewässers wieder herstellen, ist aus Dr. Borns Sicht ein Bündel an aufeinander abgestimmten Maßnahmen erforderlich. Am Beispiel der Schmutter wurde deutlich, wie durch die Zulassung der Eigendynamik, Aufweitungen und Flächenerwerb die Qualität des Flusses entscheidend verbessert wurde. Für die Singold empfiehlt der Fisch- und Flussexperte Wanderhilfen in naturnaher Bauweise (Umgehungsbäche, Raugerinne), die Herstellung der Durchgängigkeit, die Erhöhung der Flussdynamik, die Anlage von Kieslaichplätzen, den Anbau von Ufergehölzen und die Einbringung von Totholz.
So informiert gingen die Teilnehmer in sechs moderierten Arbeitsgruppen an die Bestandsaufnahme. Unterstützt wurden sie von einem sechsköpfigen Moderationsteam mit Elisabeth Morhard, Reinhard Lenski (beide Kulturamt der Stadt Bobingen), Jennifer Strehler (Bobingen), Sabine Schwarzmann (Umweltstation Augsburg), Andreas Lex und Thomas Ködelpeter (beide Ökologische Akademie e.V.). Jede Nutzergruppe fasste ihren Blick auf die frühere und heutige Singold in plakativen Überschriften zusammen. Aus Sicht der beteiligten Politiker (u.a. mit Bürgermeister Nerlinger, Wehringen) und Verwaltungsmitarbeiter hieß das: „Es gab ein Leben mit der Singold“ und „Das Leben findet (heute) entlang und neben der Singold statt“. Zu einer ähnlichen Einschätzung kamen die Gruppen Fischerei und Umweltschutz/Landschaftspflege: „Zum Teil intakter Fluss“ (Fischerei) und „Naturnah und Bewusstsein“ (Umweltschutz/Landschaftspflege). Die aktuelle Situation charakterisierten sie als: „Kranker Fluss“ (Fischerei) bzw. „Einengung“ (Umweltschutz/Landschaftspflege). Die Nutzergruppe Wirtschaft, Mühlen, Kraftwerke konstatierte „Umweltdenken“ und „Interessenskonflikte/unumkehrbare Verbauungen“. Von der Gruppe der Jugendlichen kam mit „Interessenskonflikte“ eine ähnliche Zuspitzung. Sie verstanden unter „Interessenskonflikten“ jedoch etwas anderes als die Vertreter wirtschaftlicher Interessen, nämlich: gerader Lauf, verschlammt, wenig Wasser, wenig/keine Laichplätze, befestigte und verbaute Ufer, Parklandschaft und als positives Bild die Biber.
In einer zweiten Runde der Flusskonferenz trafen sich die zuvor getrennt tagenden Interessensgruppen in gemischten Gruppen mit allen anderen Nutzern und verständigten sich in fünf moderierten „Ideenschmieden“ über gemeinsam geteilte Perspektiven für die Singold im Bobinger Raum.
Der Wunsch nach Verbesserung der Flussqualität zog sich als roter Fadendurch alle Arbeitsgruppen. Dazu gehören Ideen wie die Durchgängigkeit, die Ausweitung der Uferbereiche und ein mäandrierender Flusslauf, die Artenvielfalt und vielfältige Gewässerstruktur, eine Renaturierung und der Bau von Fischtreppen.
Am zweitwichtigsten fanden die Teilnehmer das Themenspektrum: „Leben lernen/ Lebensort, Lebensqualität und Lernort –Singold“ mit den Aspekten: Wassererlebnispfade, Erlebniswelt für Kinder, kulturelle Aktivitäten und Umweltlernen für ein Flussbewusstsein. Eine Gruppe formulierte ihren Wunsch so: „Berücksichtigung aller gesellschaftlichen Interessen unter Beachtung der Ökologie“.
Für den letzten Schritt der Flusskonferenz, die Diskussion und Vereinbarung von gemeinsamen Handlungsstrategien, war der vierstündige Rahmen dann doch etwas knapp bemessen. So blieb es bei umfassenden Vorschlägen und einigen schon sehr konkreten Bereitschaftserklärungen. Von Ottmar Vellinger (BN) kam die Zusage, dass der BN Bobingen für die ökologische Verbesserung der Singold Euro 1.500.- spenden wird, wenn weitere Spender zusätzliche € 3.000.- einbringen. Dr. Gerum, der Gewässerbeauftragte der Fa. Trevira GmbH, regte an, eine Liste konkreter Maßnahmen zur Renaturierung auszuarbeiten und mit den dafür erforderlichen Kosten zu versehen. Er könne sich vorstellen, dass die Trevira GmbH bei der Lösung mitziehen würde. Lothar Nickel, Vizepräsident des Fischereiverbands Schwaben e.V. empfahl den anwesenden Lehrern und Lehrerinnen vom Fischereiverband ausgebildete Fischer als Referenten zum Thema „Flüsse und Gewässer“ einzuladen.
Eine Gelegenheit, die in der Flusskonferenz entwickelten Ideen und Maßnahmen zu bündeln und zu einem abgestimmten, gemeinsamen Vorgehen zu gelangen, bietet der Reflexionsworkshop zum Projekt „Leben mit der Singold“ am Mittwoch den 12. November 08 von 19.00 bis 21.30 Uhr im Treffpunkt (Soziale Stadt), Bobingen.



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