Es darf gelacht werden, die unendliche Geschichte der Inkontinenzpauschale

von Ingeborg Vollmar aus Bissingen | am 21.02.2009 | 2937 mal gelesen | 8 Kommentare | 0 Bildkommentare | 1 Bild
Fasching

Eine unendliche Geschichte aus dem Leben einer Pflegedienstleiterin (PDL) zum
Thema Inkontinenzabrechnung mit den Pflegekassen stationär.

Die Pauschale für Inkontinzeinlagen (Windeln) lag bis vor einigen Jahren bei 84 DM. Danach sank sie nach und nach. Mittlerweile liegt sie bei 33 Euro im Monat in Bayern und variert in anderen Bundesländern um 1-2 Euro nach oben oder unten. Wenn man bedenkt, daß die MwSt mehrmals erhöht wurde und jetzt bei 19 % liegt, so ist der Warenwert erneut gesunken und man bekommt deswegen schon weniger Ware. Enthalten in dieser Pauschale sollen nicht nur die Einlagen sein, sondern zusätzlich auch Verwaltung und Entsorgungskosten der verschmutzten Produkte.
Was brachte es insgeamt dem Bürger? Die Einlagen und Produkte kommen meist aus Osteuropa, weil hierzulande nicht für diesen Preis produziert werden kann; renommierte Firmen wie z.B. Hartmann produzieren in Polen.
Doch das Bundesgesundheitsministerium schoß den Vogel ab, indem es im Rahmen des Wettbewerbsstärkungsgesetzes den Kassen Ausschreibungen ermöglichte.
Gemeldet haben sich einige überregionale Anbieter und haben zu Dumpingpreisen abgeschlossen. Die hiesigen ortsansässigen Sanitätshäuser sind nahezu chancenlos, die Bedingungen der Ausschreibung zu erfüllen, weil die Kosten dafür schon zu hoch sind. Einige dieser überregionalen Anbieter hatten dann Verträge mit den einzelnen Kassen geschlossen. Doch sie hatten gar nicht die Kapazitäten, die Belieferung der Versicherten sicher zu stellen. Dieses Chaos herrschte über mehrere Monate und führte dazu, dass jetzt landesweit verhandelt wurde oder noch wird. Bayern hat diese Windelpauschale zu 33 Euro mit den Pflegekassen zum 1.11.08 abgeschlossen. So weit so gut. Man bekommt, nach Arztattest, jetzt im Pflegeheim für den Bewohner jeweils 33 Euro pro Monat.
Die Abrechnung alle 1 oder 2 Monate wird mit einer Rechnung an die Kasse gestellt, da ist man in einem Heim schon mal schnell bei 25 verschiedenen Rechnungen für 25 verschiedene Kassen. Es muß auch kontrolliert werden, ob das Geld eingeht und es gibt ca 1% Rückläufer, wo nachgebessert werden muß.
Als ob das nicht schon reichen würde, gibt es vereinzelte Kassen, vorzugsweise BKK´s ausserhalb Bayerns, die schicken Briefe, dass man ab sofort von dem oder dem Lieferanten aus München oder anderswoher beliefert würde. Es wird abgefragt, welcher Schweregrad vorliegt, d.h. welche Windelgröße benötigt werde und dann würden die Produkte verschickt werden.
Da jedoch bereits ein Vertrag besteht, denkt man, ist das hinfällig. Also ruft man bei der Kasse an und bekommt vom Sachbearbeiter die Auskunft, wenn sie einen Vertrag haben, dann gilt das nicht. Werfen sie das Schreiben weg, es gilt nur ambulant. Denkste, 1 Monat später wieder ein Brief, erneuter Anruf, der Sachbearbeiter schon genervt, sagt: „ ich habe das im PC schon eingetragen. Was soll das, die sind doch unfähig in unserer Verwaltung.“ Nach dem dritten Brief seit November 08 verzweifelt man allmählich. Wenn das so weiter geht bekomme ich jetzt monatlich solche Schreiben von mehreren Kassen versteht sich.
Gestern habe ich gelesen, das Bundesgesundheitsministerium hatte nicht voraussehen können, daß es so kompliziert werden würde und überlegt, ob nicht eine Nachbesserung in den Ausführungsbestimmungen sinnvoll wäre.
Ja wie finde ich denn das? Sollten unsere Spezialisten und Berater im Berliner Regierungsviertel nicht vorher erkennen können, was sie da wieder anzetteln?
In der Fachpresse ist das Thema wohlbekannt. Doch leider erfährt die breite Bevölkerung nichts, es sei denn, sie ist persönlich betroffen und dann ist das auch ein Tabuthema, da redet man auch nicht gerne drüber. Aus diesem Grund berichte ich Ihnen über diese absurden Umstände. Ändern werde ich wohl nichts daran, aber es darf gelacht werden, immerhin ist ja Fasching.

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8 Kommentare zum Beitrag
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Christel Löhle aus Wedemark am 21.02.2009 um 14:21 Uhr  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen am 21.02.2009 um 18:57 Uhr  
1.105
Ingeborg Vollmar aus Bissingen am 22.02.2009 um 09:43 Uhr  
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Christel Löhle aus Wedemark am 22.02.2009 um 18:51 Uhr  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen am 22.02.2009 um 19:09 Uhr  
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Ingeborg Vollmar aus Bissingen am 31.03.2009 um 19:04 Uhr  
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Friedhelm Schulz aus Langenhagen am 16.07.2009 um 10:45 Uhr  
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Ingeborg Vollmar aus Bissingen am 17.07.2009 um 16:50 Uhr  
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