Es darf gelacht werden, die unendliche Geschichte der Inkontinenzpauschale
Eine unendliche Geschichte aus dem Leben einer Pflegedienstleiterin (PDL) zum
Thema Inkontinenzabrechnung mit den Pflegekassen stationär.
Die Pauschale für Inkontinzeinlagen (Windeln) lag bis vor einigen Jahren bei 84 DM. Danach sank sie nach und nach. Mittlerweile liegt sie bei 33 Euro im Monat in Bayern und variert in anderen Bundesländern um 1-2 Euro nach oben oder unten. Wenn man bedenkt, daß die MwSt mehrmals erhöht wurde und jetzt bei 19 % liegt, so ist der Warenwert erneut gesunken und man bekommt deswegen schon weniger Ware. Enthalten in dieser Pauschale sollen nicht nur die Einlagen sein, sondern zusätzlich auch Verwaltung und Entsorgungskosten der verschmutzten Produkte.
Was brachte es insgeamt dem Bürger? Die Einlagen und Produkte kommen meist aus Osteuropa, weil hierzulande nicht für diesen Preis produziert werden kann; renommierte Firmen wie z.B. Hartmann produzieren in Polen.
Doch das Bundesgesundheitsministerium schoß den Vogel ab, indem es im Rahmen des Wettbewerbsstärkungsgesetzes den Kassen Ausschreibungen ermöglichte.
Gemeldet haben sich einige überregionale Anbieter und haben zu Dumpingpreisen abgeschlossen. Die hiesigen ortsansässigen Sanitätshäuser sind nahezu chancenlos, die Bedingungen der Ausschreibung zu erfüllen, weil die Kosten dafür schon zu hoch sind. Einige dieser überregionalen Anbieter hatten dann Verträge mit den einzelnen Kassen geschlossen. Doch sie hatten gar nicht die Kapazitäten, die Belieferung der Versicherten sicher zu stellen. Dieses Chaos herrschte über mehrere Monate und führte dazu, dass jetzt landesweit verhandelt wurde oder noch wird. Bayern hat diese Windelpauschale zu 33 Euro mit den Pflegekassen zum 1.11.08 abgeschlossen. So weit so gut. Man bekommt, nach Arztattest, jetzt im Pflegeheim für den Bewohner jeweils 33 Euro pro Monat.
Die Abrechnung alle 1 oder 2 Monate wird mit einer Rechnung an die Kasse gestellt, da ist man in einem Heim schon mal schnell bei 25 verschiedenen Rechnungen für 25 verschiedene Kassen. Es muß auch kontrolliert werden, ob das Geld eingeht und es gibt ca 1% Rückläufer, wo nachgebessert werden muß.
Als ob das nicht schon reichen würde, gibt es vereinzelte Kassen, vorzugsweise BKK´s ausserhalb Bayerns, die schicken Briefe, dass man ab sofort von dem oder dem Lieferanten aus München oder anderswoher beliefert würde. Es wird abgefragt, welcher Schweregrad vorliegt, d.h. welche Windelgröße benötigt werde und dann würden die Produkte verschickt werden.
Da jedoch bereits ein Vertrag besteht, denkt man, ist das hinfällig. Also ruft man bei der Kasse an und bekommt vom Sachbearbeiter die Auskunft, wenn sie einen Vertrag haben, dann gilt das nicht. Werfen sie das Schreiben weg, es gilt nur ambulant. Denkste, 1 Monat später wieder ein Brief, erneuter Anruf, der Sachbearbeiter schon genervt, sagt: „ ich habe das im PC schon eingetragen. Was soll das, die sind doch unfähig in unserer Verwaltung.“ Nach dem dritten Brief seit November 08 verzweifelt man allmählich. Wenn das so weiter geht bekomme ich jetzt monatlich solche Schreiben von mehreren Kassen versteht sich.
Gestern habe ich gelesen, das Bundesgesundheitsministerium hatte nicht voraussehen können, daß es so kompliziert werden würde und überlegt, ob nicht eine Nachbesserung in den Ausführungsbestimmungen sinnvoll wäre.
Ja wie finde ich denn das? Sollten unsere Spezialisten und Berater im Berliner Regierungsviertel nicht vorher erkennen können, was sie da wieder anzetteln?
In der Fachpresse ist das Thema wohlbekannt. Doch leider erfährt die breite Bevölkerung nichts, es sei denn, sie ist persönlich betroffen und dann ist das auch ein Tabuthema, da redet man auch nicht gerne drüber. Aus diesem Grund berichte ich Ihnen über diese absurden Umstände. Ändern werde ich wohl nichts daran, aber es darf gelacht werden, immerhin ist ja Fasching.
Das ist wirklich ärgerlich. Du hast recht, das Thema geht eigentlich die meisten nichts an. Gott sei Dank. Wir haben in unserem Hause eine Mieterin, sie braucht jedes Jahr größere Restmülltonnen wegen der Windeln. Sie ist über 90 Jahre, versteht auch nicht mehr, dass dadurch die Nebenkosten steigen. Aber wo gibt es denn das, dass man auch noch den Lieferanten vorgeschrieben bekommt? Wer kriegt dafür Provision, muss man sich doch fragen.
Nicht ärgern, auf einen schönen Sonntag freuen. Gruß
Christel
Seit Monaten kenne ich ähnliche Probleme in der Verwandtschaft - nun weiß ich wenigstens mal von den Hintergründen.
Schlimm ist auch, wenn sich Kasse und Lieferant gegenseitig den schwarzen Peter zuspielen - da hat man als Kunde wenig Chancen.
Christel, warum sollte sich die alte Dame wegen des Mülls Gedanken machen? Das wird doch bei Windeln für Kinder auch nicht thematisiert.
Es ist so, daß Lieferanten wohlwissend oder wohlvermutend, es nicht zu können, an Ausschreibungen zu Niedrigstpreisen, beteiligt haben. Besonderes große ehemals renomierte Ersatzkassen, haben sich nur vom niedrigen Preis leiten lassen. Sie haben nicht hingeschaut, kann die Firma das was sie anbietet auch. Deshalb das monatelange Hickhack auf Kosten der Menschen und der wohnortnahen Versorgung. Ambulant ist so vielfach noch immer nicht möglich.
Mittlerweile beginnt ein Nachdenken und eine Korrektur, aber das war eigentlich nicht notwendig, hätte Ulla Schmidt mit Ihrem Ministerium und den Beratern, den Versicherungsfunktionären nicht die Zähne lang gemacht.
Hallo, Andreas. Nein, die Dame braucht sich eigentlich nicht zu sorgen, wohin mit den Windeln. Nur die Mülltonnen kosten eben Geld und je mehr da rein kommt, umso größer müssen sie sein und umso teurer ist die Müllabfuhr. Das versteht ein älterer Mensch nicht so recht, dass dadurch auch die Nebenkosten der Wohnung steigen.
Oh in dieser Sache geht es weiter. Nachdem ich mit einer Ersatzkasse zum 5x Mal erneut telefoniert und gefaxt hatte, ist das für diese 2 Bewohner endlich geklärt.
Doch nun geht das Spiel weiter. Ab sofort verlangt die AOK Rezepte anstatt Atteste. Das ist ja OK aber doch nicht rückwirkend, denn die bearbeiten gerade die Rechnungen von November 2008. So lange mußte das Heim die Summen vorstrecken.
Leider ist so etwas nicht zum Lachen. Würde jeder Sachbearbeiter, Politiker oder sonst ein Verantwortlicher selbst mal seine Entscheidung verifizieren, würde sicher manches besser sein. Aber jammern nutzt gar nichts. Anprangern, veröffentlichen, beschweren wo immer es geht. Manchmal hilft es.
Hallo Friedhelm
Da hast Du recht. Heute bekam ich endlich ein schreiben, daß ein Teil der Ersatzkassen und BKK unseren Vertrag vom NBov 08 zur Kenntnis nehmen, damit sollten endlich die Briefe und nachfragen ein Ende haben.
In der Fachzeitschrift Heim und Pflege Ausgabe 6/7 09 steht ebenfalls ein Artikel. Der " Inko-Wahnsin"
Ursache war die Regierung mirt dem unseligen Gesetz, das sie auf Anraten der Experten und Beraterfirmen gemacht hatten.
Übrigens mit den Hilfsmitteln wie Rollstühlen usw. läuft es ebenso chaotisch.






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