70 Jahre Ausschwitz – Erinnerungskultur?

Am 20.08.1942 wurde meine Großmutter, Rosa Wasser, geb. am 10.09.1905 in Liesing/Wien nach Theresienstadt unter der Transportnummer -IV/8-254- deportiert, wo sie am 03.06.1943 im KZ Theresienstadt ermordet wurde. Ihre Schwester Franziska Wasser, geb. am 14.08.1892 in Liesing, wurde am 17.07.1942 nach Auschwitz deportiert. Auch sie wurde ermordet. Wir waren eine große Familie.
In einer E-Mail aus Wien an mich heißt es: „… Ihnen werden wohl die Haare zu Berge stehen, wenn Sie sehen, wie effizient die Vernichtungsmaschine auch Ihre Familie betroffen hat. Tut mir sehr leid, ist mir aber wohl vertraut: Von den ca. 200.000 Wiener Juden ist die Vernichtung von um die 65.000 mittlerweile dokumentiert.“ Das gleiche Schicksal traf Minna Wasser, die Schwester meines Urgroßvaters Samuel Josef Israel Wasser, die Noa Machauf heiratete, eine Seitenlinie der Wasser. Zwei haben überlebt.
Vorab. Wir haben keinen Pfennig oder Cent für die Ermordeten aus unserer Familie genommen. Mord lässt sich nach meiner Auffassung nicht mit Geld entschädigen. Wir haben nie die Kinder oder jene, die als Kinder noch den Nationalsozialismus erlebt haben, für das verantwortlich gemacht, was evtl. ihre Väter oder Mütter unseren Verwandten/unserem Volk angetan haben. Gleichfalls wie diese, sind wir in diese Geschichte hineingeboren worden, wir sind keine Opfer.
Ich hätte es noch verstehen können, wenn die damaligen Überlebenden aus den KZ‘s ihre Peiniger umgebracht hätten. Ebenso gnadenlos, wie es den Ihrigen widerfuhr. Auch die Aufforderung „Rächt uns! Lasst unseren Tod nicht umsonst gewesen sein!“ auf unzähligen Zetteln, vergraben von Ermordeten im Warschauer Ghetto, hätten unglückseliges Handeln der Rache an den Tätern, gerechtfertigt.
Die Nachkommen der Täter sind selbst keine Täter. Wir teilen daher nicht die Auffassung, dass nur die heutigen Deutschen in der Verantwortung stünden. Wir alle, also auch wir Juden, stehen in der Verantwortung. Dies ist offensichtlich bei der „gepflegten und gehegten“ Erinnerungskultur untergegangen. Wenn über uns berichtet wird, wie z.B. der jüdischen Kultusgemeinde Bielefeld, sie ist nur eine von vielen, geht es immer um Streitigkeiten, vor allem um das Geld und Macht. Es ist kein Vorurteil.

Staatsverträge schustern den Landesverbänden und dem Zentralrat der Juden in Deutschland Millionen EUR zu. Ich habe noch nie erlebt, dass die jüdische Kultusgemeinde Bielefeld wohltätig vor Ort war, etwa eine warme Küche für Obdachlose und Flüchtlinge eingerichtet hätte. Als ich damals als Vertreter der jüdischen Kultusgemeinde Bielefeld zu der Arbeitsgemeinschaft der Wohlfahrtsverbände in Bielefeld (AGW) geschickt wurde, instruierte mich Irith Michelsohn „Schau das Du für uns Geld locker machst!“ Ich bin dem nicht gefolgt, weil ich mich geschämt habe.
So wie ich auch der Erinnerungskultur in Deutschland nicht folgen werde. Wer sich auf Kosten der Ermordeten bereichert, ist heuchlerisch. Nichts anderes geschieht im Hier und Heute. Wer jegliche Kritik hieraufhin mit dem Hinweis auf „Antisemitismus“ ersticken möchte, ist heuchlerisch. Müssen wir in unzähligen Medien darauf hinweisen, was unserem Volk widerfahren ist, damit der Geldfluss nicht versiegt?

Das Geld, um das geschachert wird, die Fleischtöpfe Ägyptens, werden wir es teilen, mit den Flüchtlingen, genauso auch wie die Aufmerksamkeit, die ihnen zuteilwird?

Nochmal, wir Alle stehen in der Verantwortung.
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