Richard Wagners Ring des Nibelungen - Fortsetzung

Die Walküre


Nach der kurzen Einführung in Das Rheingold, gebe ich hier noch einen Hinweis auf die Größe des Orchesters, wie W. es für die Walküre ursprünglich vorgesehen hatte. An Streichinstrumenten waren 16 Violinen I, 16 Violinen II, 12 Bratschen, 12 Violonelli und 8 Kontrabasse vorgesehen. Saiteninstrumente: 6 Harfen. Holzblasinstrumente: 3 große Flöten, 2 kleine Flöten, 3 Oboen, 1 engl. Horn, 3 Klarinetten, 1 Bass-Klarinette und 3 Fagotte. Blechinstrumente 8 Hörner, 3 Trompeten, 1 Bass-Trompete, 3 Posaunen, 1 Bass-Posaune, 2 Tenor-Tuben, 2 Bass-Tuben und 1 Kontrabass-Tuba. Schlaginstrumente: 2 Pauken, 1 kleine Trommel, Becken, Tamtam, Triangel und Glockenspiel. Zusammen 114 Musikinstrumente. Da kann man schon mal Gänsehaut bekommen …
W. verwendet in der Sprache alt- und mittelhochdeutsche Begriffe. Drei seien hier erklärt, weil sie sehr häufig vorkommen: Wal = Kampf bzw. Kampfplatz; kiesen = wählen und Neiding = böser Mensch. Neidlich hingegen bedeutet kostbar, begehrenswert.

W. hat Die Walküre in drei Aufzüge unterteilt: Der erste Aufzug beginnt im Inneren von Hundings Haus. Der zweite Aufzug spielt im Felsgebirge; der dritte auf dem Gipfel des „Brünnhildensteins“.

Erster Tag aus: Der Ring des Nibelungen

Völlig erschöpft erreicht Siegmund das Haus. Er findet es leer vor und lässt sich am Herd, in dem eine kleine Glut noch Wärme spendet, nieder. Von oben herunter kommt Sieglinde, die ein Geräusch gehört hatte und wundert sich über den Fremden an ihrem Herdfeuer. Als sie seine Not erkennt, labt sie ihn mit Met und bietet ihm Herberge an.
Siegmund erholt sich und erfährt, wem dieses Haus gehört: Sieglinde und Hunding. Dann erzählt er ihr sein Erlebnis, während Sieglinde seine Wunden versorgt. Eine Meute hetzte ihn durch den mächtigen Wald; im Kampf zerbrachen ihm Schild und Schwert.
Hunding erscheint und erfährt von Sieglinde von der Not des Gastes. Hunding bietet ebenfalls das Gastrecht an. Im Gespräch wird Hunding misstrauisch und erkennt im Blick seiner Gattin die entbrannte Zuneigung zu Siegmund. Er lässt sich jedoch nichts anmerken. Während des Abendmahls erzählt Siegmund, dass er früh seine Familie verloren habe, Haus und Hof niedergebrannt vorfand, als er von der Jagd heimkehrte. Die Mutter erschlagen, die Schwester verbrannt, die andere verschwunden … Mit seinem Vater floh er in die Tiefe des Waldes. Neidinge, böse Menschen also, verfolgten sie. Sie wurden getrennt, den Vater verloren …

Sieglinde blickt ihm voller Anteilnahme in die Augen und fordert ihn auf zu berichten, wie er seine Waffen verlor. Siegmund weigerte sich, eine Maid zu freien aus der Sippe, bei der er lebte. Es kam zum Kampf in der Sippe, in der Siegmund den Sieg errang. Doch die Sippe klagte ihn des Mordes an und begann erneut den Kampf. In diesem Kampf beschützte Siegmund noch die unsel’ge Braut, doch die wütende Menge erschlug auch sie; er kämpfte, bis er waffenlos war, dann in wilder Hatz floh, bis er dieses Haus fand.
Hunding spricht, mit bösem Blick seiner Frau widmend, dass er diese Sippe kennt, die ihn rief, um Sippenblut zu sühnen. Und nun erkennt er in Siegmund den Gejagten an seinem Herd. Das Gastrecht schützt Siegmund bis zum Morgen. Doch dann muss er sich Hunding zum Kampf stellen.
Hunding schickt seine Frau aus dem Saal und begibt sich zur Nachtruhe, seine Waffen mitnehmend. Sieglindes Blick lenkt Siegmunds Auge auf den Eschenstamm in der Mitte des Saales. Dort steckt im Holz bis auf’s Heft das göttliche Schwert Notung.

In der Nacht schleicht sich Sieglinde zu Siegmund – Hunding hatte sie ein Schlafmittel in den Nachttrunk gemischt. Sie erzählt ihm, dass auch sie zur Ehe gezwungen wurde. Während ihrer Hochzeitsfeier erschien ein Greis in der Runde der Männer und flößte ihnen Furcht ein. Sein Blick galt nur Sieglinde, die keine Angst vor dem Fremden hatte. Der stieß sein Schwert mit Leichtigkeit in den Eschenstamm und sprach: „dem sollte der Stahl geziemen, der aus dem Stamm ihn zög‘.“ Doch keinem der Männer gelang dies.
Da erkannte Sieglinde den Fremden und wusste für wen das Schwert bestimmt war – Wotan.
„War Wälse dein Vater und bist du ein Wälsung, stieß er für dich sein Schwert in den Stamm.“ Siegmund in Liebe entbrannt, zieht das Schwert aus dem Stamm. Sieglinde ist entzückt und wirft sich in seine Arme. Sie legen sich auf das Nachtlager und zeugen ein Kind, das sie Siegfried nennen. Dann fliehen sie in die tiefen Wälder. Sieglinde stellte sich jedoch zuvor vor ihn hin und sprach: „Bist du Siegmund, den ich hier sehe – Sieglinde bin ich, die dich ersehnt. Die eigene Schwester gewannst du zu eins mit dem Schwert.“
Siegmund lachte erfreut und rief: „Braut und Schwester bist du dem Bruder – so blühe denn, Wälsungenblut!“ Sie umarmen sich und verschwinden im Wald.

Im zweiten Aufzug erscheinen auf einem hohen Felsgebirge Wotan und Brünnhilde kriegerisch gewaffnet. Sie streiten sich mit Worten. Wotan verlangt von seiner göttlichen Tochter, dem Wälsungen den göttlichen Sieg zu bringen. Er selber wolle Hunding keine Unterstützung gewähren. Als Brünnhilde wegreitet, dreht sie sich noch einmal um und warnt ihren Vater: „Fricka naht, deine Frau.“ Fricka rast mit ihrem Widderbespannten Wagen auf den Platz und beginnt mit ihm einen heftigen Zank. Hunding hatte für den Kampf mit Siegmund ihre Hilfe erfleht; Wotan aber, der Siegmund liebt, beabsichtigt den Kampf zu Siegmunds Gunsten zu beeinflussen. Fricka klagt Siegmund und Sieglinde des Ehebruchs und der Blutschande an. Wotan ist amüsiert darüber und verlangt von seiner Frau, dass sie der liebenden Bund auch noch segne. Die erzürnte Fricka in zornigem Streit, wirft ihm seinen Zynismus und seine Skrupellosigkeit vor. Wotan verteidigt sich damit, dass seine Frau doch gesehen habe, wie Siegmund und Sieglinde zueinander kamen, ohne voneinander zu wissen.
Fricka aber lässt sich nicht täuschen, weiß sie doch zu gut, dass ihr Gatte das Schicksal der beiden so gelenkt hat. Sie fordert von Wotan, dass er Siegmund im Kampf nicht unterstützt und dass er die Zauberkraft des göttlichen Schwertes aufhebe und Siegmund sich selbst überlasse und seine Tochter Brünnhilde zurückrufe, die er zu Siegmunds Schutz ausgesandt hatte.

Fricka geht auf Brünnhilde zu, als diese gerade auf dem Platz wieder erscheint und herrscht sie an: „Heervater harret dein: lass ihn dir künden, wie das Los er gekiest (gewählt)!“ Dann tritt Fricka wütend ab.

Wotan trübe, traurig und zerrissen berichtet von seiner Götter Not. Darüber, dass er mit Lust Untreue und Zwietracht als Zeitvertreib trieb, wie Alberich tat und den Ring verfluchte, wie die Riesen fielen, wie er Fricka freite und außer ihr noch acht Töchter zeugte – die Walküren –, wie Erda ihm das Götter Ende prophezeite, was er mit Hilfe der Walküren werden wollte, doch Alberichs Fluch Walhall bedroht, wenn je er dem Ring wieder mächtig werde, drohe durch des Nibelungen Heer, das Ende aller Götter.

Brünnhilde hört ihm mit angsterfülltem Herzen zu, wie er versuchte, den Ring wieder an sich zu bringen, um das drohende Unheil doch noch abzuwenden. Doch Fafner, der den Hort hütet, kann er nicht wortbrüchig werden, ansonsten wäre er in aller Augen nur noch Knecht seiner Versprechen. „Das sind die Bande, die mich binden …“.
Nur ein freier Held könnte noch helfen, was Wotan selbst nicht gelingt, dem er sich auch nicht zeigen und raten darf. Brünnhilde: „Doch der Wälsung, Siegmund, wirkt er nicht selbst?“
Siegmund, mit dem Wotan gegen der Götter Rat, die Götter reizte und Rache erzeugte, schützt nur das Schwert, das er ihm schuf. Frickas Willen muss er sich nun beugen, denn sie hatte seinen Trug durchschaut.

Wotan gibt auf, angesichts der aussichtslosen Lage. Er gibt seiner lieben Tochter auf, sich Frickas Willen zu beugen. Sie solle den zu Fall bringen, den er liebte – Siegmund, für Hundings Sieg. Doch Brünnhilde, die Siegmund ebenfalls liebt, weigert sich, Wotans Willen zu erfüllen. Der verstößt seine Tochter im Zorn aus den Reihen der Götter.

Es folgt die dritte und vierte Szene im 2. Aufzug

Nach wilder Flucht erreichen Siegmund und Sieglinde das Bergplateau und lassen sich erschöpft nieder. Im Hintergrund wartet Brünnhilde mit ihrem Ross in einer Höhle. Die Liebenden liegen in Leidenschaft umschlungen auf ihrem Rastplatz. Dann bekommt Sieglinde Gewissensbisse und schämt sich ihrer Liebe zum Bruder, der sie willig geschwängert hat. Siegmund tröstet sie, weil sie nicht wissen konnten, dass sie Geschwister sind. „Mein Schwert Notung wird die Schande an Hunding rächen.“
Da ertönt in der Ferne Hundings Horn, Hundegebell erreicht ihre Ohren. Dann fällt die Meute über sie her, sein Schwert zerbricht, er sinkt in Sieglindes Schoß. Brünnhilde erscheint dem Todgeweihten. Sie begleitet ihn nach Walhall, Sieglinde muss noch auf der Erde verbleiben. Er küsst sie lange auf die Stirn und stirbt. Brünnhilde verspricht ihm Sieglinde zu beschützen. Doch Siegmund will ohne seine Braut nicht sein. Er will sie töten.
Brünnhilde bekommt Mitleid und erweckt ihn wieder zum Leben:
„Halt ein, Wälsung! Höre mein Wort! Sieglinde lebe – und Siegmund lebe mit ihr! Beschlossen ist’s; das Schlachtlos wende ich: dir, Siegmund schaff ich Segen und Sieg!“ Brünnhilde verschwindet auf ihrem Ross.

In der fünften Szene kommt es zwischen Siegmund und Hunding zum Kampf.
Brünnhilde über Siegmund schwebend, deckt ihn mit dem Schild. Als Siegmund den tödlichen Hieb auf Hunding setzt, erscheint mit Donnergetöße Wotan und zerbricht das Zauberschwert Notung mit seinem Speer. Brünnhilde weicht erschrocken vor Wotan zurück. Dem unbewaffneten Siegmund stößt Hunding seinen Speer in die Brust. Siegmund stirbt. Brünnhilde rettet Sieglinde und entflieht mit ihr. Wotan ruft Hunding aus seiner Wolke zu:
„Gehe hin zu Fricka, Knecht, melde ihr, dass Wotans Speer gerächt, was Spott ihm schuf. – Geh! – Geh!“
Durch Wotans verächtlichen Handwink fällt auch Hunding tot zu Boden. Dann eilt Wotan fluchend seiner Tochter hinterher.

3. Aufzug, 1. Szene

Auf einem Gipfel des Felgebirges versammeln sich in Waffen gerüstet die Walküren Gerhilde, Ortlinde, Waltraute und Schwertleite. Nach und nach kommen hinzu Helmwiege, Siegrune, Grimgerde und Rossweiße. Sie warten auf ihre Schwester Brünnhilde. Als Brünnhilde mit Sieglinde ankommt, bittet sie ihre Schwestern sofort um Hilfe, weil ihr Heervater nachsetzt.
Sie berichtet in aller Eile, dass sie gegen Wotans Willen Siegmund und Sieglinde beschützt hat, Siegmund aber durch Wotans Speer fiel. Die Walküren zeien sie des Ungehorsams. Brünnhilde fleht ihre Schwestern an, Sieglinde zu retten und ihr ein Ross zu geben. Doch Sieglinde will lieber sterben. Brünnhilde befiehlt ihr zu leben und die Frucht in ihrem Leib auszutragen. Die anderen Walküren verweigern ihr Hilfe und fordern sie zur Flucht in den tiefen Wald nach Osten auf. Dort liege auch der Nibelungen Hort. Schwertleite ruft Sieglinde noch nach, dass Fafner in Gestalt eines Lindwurms dort die Höhle bewacht, in der auch Alberichs Ring liege. Brünnhilde übergibt ihr rasch die Bruchstücke von Siegmunds Schwert, dann segnet sie Sieglindes Frucht im Leib, nennt diese Siegfried und gibt ihr ihren Schutz mit auf den Weg. Sieglinde flieht in die Wälder, in die sich Wotan nicht hineintraut.
Wotan donnert auf den Platz und befiehlt Brünnhilde zu sich. Die acht Walküren flüchten sich auf den Gipfel, von wo aus sie das Geschehen betrachten. Wotan schreitet wütend auf seine Tochter zu.

Die 2. Szene zeigt die Strafaktion Wotans seiner Tochter gegenüber.
Mutig tritt Brünnhilde ihrem Vater entgegen. Der hält ihr vor, dass sie seine Gebote missachtet habe, die so schwer sind, dass sie keine Göttin mehr sein darf.
„Aber eines Tages wirst du von diesem Berg erlöst werden, von einem Manne, der dich bezwingt, aus wehrlosem Schlaf, in den ich dich zwinge und mit einem Feuerringe umgebe. Aus Walhall bist du verbannt.“
Die acht Walküren erbitten Gnade für ihre Schwester. Doch Wotans Zorn bedroht auch sie, die fortan Brünnhilde nicht mehr sehen und ihr nicht mehr helfen dürfen.
„Wer von euch wagte, bei ihr zu weilen, wer mir zum Trotz zu der Traurigen hielt‘, die Törin teilte ihr Los …“
Dann jagte Wotan die Walküren von dem Platz.

3. Szene

Brünnhilde liegt hingestreckt zu Wotans Füßen. Sie sprechen ruhig über ihr Vergehen. Sie versucht Wotan an seine Liebe zu Siegmund zu erinnern, deren Liebe wegen sie ungehorsam geworden war, weil sie den Zwiespalt im Herzen ihres Vaters erkannt hatte.
Wotan wird nachdenklich und bestätigt ihr verständig, dass sie tat, was er so gerne hätte tun müssen, die Not ihn zwiefach jedoch zwang.
„Du folgtest selig der Liebe Macht: folg nun dem, den du lieben musst! … Nie suche bei mir Schutz für die Frau, noch für ihres Schoßes Frucht!“
Brünnhilde bittet flehend den Vater sie nicht der grässlichen Schmach einer Ausgestoßenen preiszugeben. Wotan, tief ergriffen und überwältigt, erhebt seine Tochter von ihren Knien und blickt ihr gerührt in die Augen:
„Leb wohl, du kühnes herrliches Kind! Du meines Herzens heiligster Stolz! Leb wohl! Leb wohl! Leb wohl! […] Muss ich dich meiden und darf nicht … dich mehr grüßen; muss ich verlieren dich, die ich liebte, …, ein bräutliches Feuer soll dir nun brennen, wie einer Braut nie gebrannt! Denn einer nur freie die Braut, der freier als ich, der Gott!“
Brünnhilde sinkt gerührt an seine Brust. Er hält sie lange umfangen. Er küsst ihr lange die Augen, bis sie auf das weiche Moos in einen tiefen Schlaf fällt. Er bedeckt sie mit ihrem Schild. Mit schmerzlichem Blick kehrt er sich ab, nochmals umschauend. Er befiehlt Loge hierher, der eine Feuerwand um Brünnhilde errichtet. Wotan streckt seinen Speer wie zum Banne aus und blickt noch einmal auf seine verstoßene Tochter und spricht:
„Wer meines Speeres Spitze fürchtet, durchschreite das Feuer nie!“
Wotan geht ab – der Vorhang fällt.
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