Richard Wagners Ring des Nibelungen

oder: Wagner für Dummies


Man muss gar nicht nach Bayreuth fahren, um Wagners Ring des Nibelungen zu sehen. Die Tickets dort sind eh nur den Großkopferten und Göttern mit ausreichend Bimbes vorbehalten. Günstiger zu bezahlbaren Preisen - und bei Vorlage eines bestimmten Ausweises - gibt es sogar bis zu 50% Ermäßigung, kann Wagner auch in unserer Region gesehen und gehört werden. Das Stadttheater Minden bringt ab 09.09.2015 bis 22.09.2015 Das Rheingold und Die Nibelungen. Im nächsten Jahr kommt dann Die Walküre ins Programm. Und so geht es dann weiter mit Siegfried und Götterdämmerung.

Um was geht es in Wagners Tetralogie eigentlich? Mein Versuch, dies hier in einfacher Sprache zu verdeutlichen, beschränkt sich auf die Wiedergabe des Inhalts der vier Bühnenstücke; die wissenschaftlich hochgeistige Sprache, in den vielen Kommentaren zu Wagner, lasse ich links liegen.

Doch zunächst widme ich mich mit ein paar Erläuterungen dem Rheingold. Mit dem Ring des Nibelungen setzt Wagner (i.F. W.) das Nibelungenlied in ein Bühnenbild um; das Rheingold, womit es beginnt, mit gerademal 4 Szenen.
Das erste Bühnenstück nennt er „Vorabend“, die anderen Teile: Die Walküre, Siegfried und Götterdämmerung nennt er „Tage“.
Hauptquelle für das Rheingold war die Edda, Alberich und die Rheintöchter entnahm er dem Nibelungenlied, Fasolt (ein Riese) aus dem mittelhochdeutschen Epos Eckenlied. Viele Details stammen aus Jakob Grimms „Deutsche Mythologie“, aber auch aus seiner Phantasie, wie z.B. dass die Rheintöchter das Rheingold behüten. Das Rheingold und Der Ring sind also kein alter Mythos, sondern ein neuer aus der Hand W.

Im Grunde gehören Das Rheingold und Die Walküre zusammen, denn beide Teile sind die Vorgeschichte für die folgenden Teile. W. stellt darin die Entstehung all jener Probleme dar, um deren Lösung es in den anderen Teilen seiner Tetralogie geht. Diese Probleme und aufgeworfenen Fragen sind von solcher Grundsätzlichkeit und Brisanz, dass drei weitere Dramen notwendig werden, all die Antworten darauf zu formulieren.

Wer sich W. anschauen will, dem seien zuvor die kleinen gelben Heftchen von Reclam empfohlen.

Das Rheingold beginnt mit dem Nibelungen Alberich, der den Rheintöchtern Woglinde, Wellgunde und Flosshilde das Gold mit einer List abluchst, das diese zu behüten haben. Dadurch gewinnt er sehr viel Macht über die Menschen, die Nibelungen und die Welt; zeitgleich bringt er deren Ordnung und das Weltgefüge ins Wanken. Alberich kann die Weltherrschaft an sich reißen, was ihm aber nur unter der Bedingung der Liebesentsagung gelingt.
Alberichs Goldraub bringt Wotan auf den Plan, der in A. seine Herrschaft gefährdet sieht. Wotan zwingt A. zur Herausgabe des Rheingoldes und auch des Goldes, das A. mit seiner Schreckensherrschaft den Nibelungen abgepresst hat, indem er sie zwang, alles Gold aus dem Felsgestein zu fördern. Ein riesiger Hort entstand so durch A. Gier nach Gold und Macht.
Bevor er Wotan den Schatz ausliefern wird, schmiedet er einen Ring, in den er einen Fluch einwebt: Jeder Besitzer des Rings wird deshalb umkommen – der Ring des Nibelungen!

Dann treten die zwei Riesen Fasolt und sein Bruder Fafnir auf. Sie haben für Wotan eine riesige Burg – Walhalla – gebaut und verlangen jetzt ihren Lohn. Skrupellos und zynisch versucht Wotan die Riesen um ihren Lohn zu betrügen. Fricka, Wotans Gemahlin, kommt hinzu und ist erschrocken angesichts des riesigen Bauwerkes und über Wotans Vorhaben, Betrug zu üben.
Freia, Frickas Schwester, beide Göttinnen, eilt voller Angst herbei, weil die Riesen sie als Pfand holen wollen. Weil Wotan den Riesen den versprochenen Lohn nicht zahlt, nehmen sie Freia mit. Sie wissen um den Goldschatz und fordern ihn für die Freilassung Freias.
Wotan jedoch will das Gold an sich reißen und seine Schwägerin opfern. Da treten die Götter Froh, Donner und Loge auf und verhandeln zunächst, dann beknien sie Wotan A. das Gold abzunehmen und es an die Riesen auszuliefern. Der aber zögert.

In der Zwischenzeit hat Mime, der Nibelung, einen Tarnhelm unter A. Zwang geschmiedet, womit A. Wotan seine Macht und Ebenbürtigkeit zeigt. Da sinnt Loge auf eine List, sich des Tarnhelms zu bemächtigen. Wotan, der versteht, und Loge provozieren A., er solle sich in einen Lindwurm verwandeln. A. tut wie geheißen und erntet großes Lob. Loge provoziert ihn, er solle sich in etwas Kleines verwandeln. A. fällt drauf rein und verwandelt sich in eine Kröte. Sofort setzt Wotan seinen Fuß auf die Kröte und Loge entreißt A. den Tarnhelm. Als A. wieder seine wirkliche Gestalt annimmt, wird er gefesselt und von Loge und Wotan abgeführt. A. muss jetzt den ganzen Hort herausgeben einschließlich des Rings und verliert auch noch seine Macht über die Nibelungen. Dann wird A. freigelassen und verflucht den Ring:
„Tod dem – der ihn trägt! Kein Froher soll seiner sich freun; Keinem Glücklichen lache sein lichter Glanz; wer ihn besitzt, den sehre Sorge, und wer ihn nicht hat, nage der Neid! Jeder giere nach seinem Gut, doch keiner genieße mit Nutzen sein! […] sterb‘ er lechzend dahin, des Ringes Herr, als des Ringes Knecht: bis in meiner Hand den geraubten ich wieder halte! – So - segnet in höchster Not, der Nibelung seinen Hort! – Behalt ihn nun, hüte ihn wohl: meinem Fluch fliehest du nicht!“

Im Nebel auf des Berges Höh‘ tauchen Fasolt und Fafner auf mit Freia im Schlepp. Fricka, Donner und Froh erscheinen aus dem Hintergrund. Für Freias Freigabe verlangen die Riesen den ganzen Hort. Als schließlich Wotan auf Drängen der Götter nachgibt, verlangen sie auch den Ring. Den will aber Wotan behalten. Erst als die weise Göttin Erda erscheint und Wotan vor dem Ende seiner Herrschaft warnt, gibt er den Ring hin. Freia ist frei.
Fafner steckt sogleich alles Gold in einen riesigen Sack. Fasolt verlangt seinen Anteil. Fafner weigert sich und will abziehen. Da stürzt sich Fasolt auf seinen Bruder und entreißt ihm den Ring. Fafner erschlägt Fasolt mit einem riesigen Pfahl und nimmt den Ring wieder an sich.
Wotan und Loge wenden sich verächtlich ab. Fafner macht sich mit dem Hort auf und davon. Die Götter streben Walhalla zu. Aus der Tiefe erschallt das Wehklagen der Rheintöchter, die das Gold wieder haben wollen. Wotan und Loge lachen die Rheintöchter aus und kehren nach Walhalla. Die Rheintöchter singen ihr Klagelied: „Rheingold! Reines Gold! O leuchtete noch in der Tiefe dein laut’rer Tand! Traulich und treu ist’s nur in der Tiefe: falsch und feig ist, was dort oben sich freut!“ Der Vorhang fällt.

In Kürze folgt hier die Walküre.

Es ist doch höchst interessant, Götter, die allmächtig sind, die alle Weisheit in sich vereinen und alles geschaut haben, so zu erleben, als seien sie wie Menschen. Oder entspringen die Götter etwa dem menschlichen Geist?
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