8oo Jahre Bielefeld – g’schlampert recherchiert? 2. Teil

BILD 1
 
BILD 2
Im 2. Teil geht es um den Namen unserer Stadt. Auf die in letzter Zeit erschienene Literatur habe ich bereits im ersten Teil hingewiesen. So hat auch der dort besagte Professor in seinem achtbändigen Werk unsere Stadt mit Bilanuelde bzw. Biliuelde bezeichnet. Er hat dabei übersehen, dass es sich bei dem U nur um ein V handeln kann.

Das muss ausführlicher erklärt werden. Gleichzeitig räume ich mit verschiedenen grassen Interpretationen auf, etwa die: Bielefeld, das ist dort, wo das Biele = Beil fällt. So haben es viele Ältere unserer Stadt noch in der Schule gelernt. Das ist natürlich großer Quatsch.

Der Name unserer Stadt leitet sich aus dem mittelhochdeutschen Wort bühel, auch buhel, pühel, puhel = Hügel, Berg, Erhebung und velt = Feld, Gelände, Land ab. Das Bilveld, Bilevelt oder Bilivelde ist also ein Hügelfeld.
Im Sprachgebrauch hat sich zuerst der Name Bilevelt, dann Bilivelde entwickelt. Die älteste bekannte Schreibweise Bilivelde ist in der Vita Meinwerci nachgewiesen. Im Laufe der Zeit änderte sich immer wieder die Schreibweise. Es gab ja auch keinen Duden. Tatsächlich ist die Stadt auf mehreren Hügeln errichtet worden.

Aus einer Urkunde des Klosters Corvey um die Jahre 856 bis 866, einer so genannten Traditionsnotiz, geht hervor, dass ein Mann namens Bernward eine Hufe - entspricht etwa 30 Morgen und umfasste im 12. und 13. Jh. in Sachsen etwa 7,5 ha - in bylanvelde bzw. bylevelde zusammen mit einem angrenzenden Waldstück und einer halben Hufe in thydwyteshusun, der Bauerschaft Ditzen im heutigen Stadtteil Oldentrup, dem Kloster übereignet hat. Diese Hufe dürfte ein Lehen des Klosters Corvey gewesen sein, das später die Abtei Herford erhalten hatte. Hierin wird der Name bylanvelde bzw. bylevelde (erste Zeile rechts) erstmals erwähnt. [siehe BILD 1: Erläuterung;
[Die Schriftart entspricht der gotischen Textur. In der Zeit vor der Stadtgründung benutzte man die karolingische Minuskel, die jedoch kein "V" kennt, sondern das "U" benutzt. Die Schriften des 12. und 13. Jh. sind so genannte Übergangsschriften. Die mittelalterliche lat. Schreibweise benutzt das "U" als "V" z.B. in voluntare = Wille.]]

Um die Mitte des 12. Jh. schreibt ein Mönch im Kloster Abdinghof in Paderborn die Vita des Bischofs Meinwerk von Paderborn nieder, der von 1009 bis 1036 regierte. Wahrscheinlich handelt es sich um eine Abschrift. Darin wird der Name der Stadt Bilivelde erwähnt: "Ein freier Mann, ein gewisser Tiedi" besaß als "... Erbgut 70 Äcker im Bilivelde ...". [siehe BILD 2: Erläuterung;
[Auch hier steht ein „U“ in Biliuelde (erste Zeile) für ein „V“. Dass nur ein „V“ gemeint sein kann, ergibt sich aus dem darunter stehenden Wort "uoluntare" = voluntare, das am Anfang mit einem „U“ geschrieben wurde. Die Urkunden weisen noch eine ganze Menge weiterer Worte nach, die anstelle eines "V" mit einem "U" geschrieben wurden. Es dauerte halt seine Zeit, bis sich mittelalterliche Schreiber an den neuen Buchstaben "V" in der neuen Schriftart, der gotischen Kursiv und der gotischen Textur gewöhnt hatten.]]

Tja, und das Schlimme an all der neuesten Literatur, die zum Thema Stadtgründung in den letzten zwei, drei Jahren publiziert wurden, ist, dass alle beim Professore abgeschrieben haben. Wenn die Autoren die Quellen überprüft hätten, wären ihnen solche Fauxpas erspart geblieben.
Erspart geblieben wäre auch den geneigten Lesern, dass man sie mit falschen Fakten versorgt. Denn merke: Falsches wird durch Falsches nicht richtig. Schade um die Drucksachen, denn jetzt wurden sie in die Welt gesetzt. Da kann man nur hoffen, dass niemand den Nonsens weiter gibt. Also Bielefelder Lehrer: aufgepasst!
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Erster Geschichtenerzähler aus Naumburg (Saale) | 30.05.2014 | 17:28  
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