Kriegsausbruch oder Kriegsbeginn?

Ausgelöst durch das Attentat auf den Thronfolger Österreich-Ungarns, Erzherzog Franz Ferdinand, und seine Gemahlin Sophie Chotek, Herzogin von Hohenberg anlässlich ihres Besuchs in Sarajevo, begann am 28. Juli 1914 durch die Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien der Erste Weltkrieg.

Derzeit wird allerorten daran erinnert, insbesondere die TV-, Radio- und Printmedien überschlagen sich mit den Meldungen „über den Kriegsausbruch“ vor 100 Jahren. Dabei fällt auf, dass alle Journalisten vom Ausbruch des Krieges sprechen. Alle, weil ich noch keinen gehört habe, der nicht diesen Begriff benutzt.

Wer aber darüber nachdenkt – sofern das überhaupt jemand tut –, der muss sich doch sehr über den Sprachgebrauch unserer gebildeten Journalisten wundern, die „Kriegsausbruch“ sagen und betonen. Wie kann denn ein Krieg einfach so ausbrechen? Ist das etwas ganz Selbständiges?
Oder sitzen da Menschen, die Entscheidungen treffen, dass Krieg sein soll?

Das ist so! Kriege werden von bestimmten Personen angeordnet, durch eine förmliche Erklärung an andere Staaten.
Das war so in Österreich. Das war aber auch so in Deutschland und in allen anderen Staaten, die am Ersten Weltkrieg beteiligt waren.
(Es gibt auch Ausnahmen, wo Kriege ohne Kriegserklärung beginnen bzw. begonnen haben.)

Warum, fragt sich der noch nicht von den Medien beeinflusste Mensch, sprechen dann alle Journalisten vom Kriegsausbruch? Warum sagen sie nicht „… hat der Erste Weltkrieg begonnen.“

Die Antwort liegt bereits auf der Hand: bei Kriegsausbruch hinterfragt kaum einer, WER den Krieg begonnen hat. Sagt man aber Kriegsbeginn, wie es richtig ist, stellt sich automatisch die Frage nach dem WER …, wer den Krieg begonnen hat.

Unsere bundesdeutsche Journaille scheint sich in diesem Punkt abgesprochen zu haben oder sie kann nur gefiltert berichten, so hat es den Eindruck. Das ist verdächtig. Das ist ganz schlechter Journalismus und investigativ schon dreimal nicht.
Da wird im Verbund der Versuch unternommen, auf diese Idee muss man leider kommen, dass nicht ans Tageslicht kommen soll, dass es Deutschland war, das diesen Krieg zum Weltkrieg gemacht hat. Bereits am 01. August 1914 erklärte Deutschland den Krieg an Russland; am 02. August an Luxemburg, am 03. August an Frankreich, am 04. August an Belgien. In der Folgezeit erklärten die jeweiligen Bündnispartner Deutschland den Krieg.

Dass Deutschland so schnell vorgeprescht ist, hat politische Hintergründe, die lange zurückliegen. Serbien war Österreich und Deutschland schon lange ein Dorn im Auge. Die Deutschen hatten aber auch Frankreich wegen des Krieges von 1870 bis 1871 auf dem Kieker. Bereits 1905 arbeitete die deutsche Generalität einen Plan aus, der als der „Schlieffen-Plan“ bekannt wurde. Die deutsche Armee sollte sich gegen Russland zunächst nur defensiv verhalten, um im Westen dagegen überfallartig vordringen zu können, und zwar in einem "Sichelschnitt" durch die Beneluxländer und westlich an Paris vorbei. Dadurch, so glaubte Generalfeldmarschall Alfred Graf von Schlieffen, könne man die französische Armee einkesseln und vernichten. (Nur so viel zum Hintergrund).

Will man davon ablenken, dass Deutschland für den Krieg verantwortlich war, indem man Kriegsausbruch sagt? Dabei geht es nicht nur um den Ersten Weltkrieg. Die gleiche bundesdeutsche Journaille spricht auch beim derzeitigen Krieg in Israel von „Kriegsausbruch“, ebenso in Syrien und anderswo.
Das scheint so lange nach dem Zweiten Weltkrieg System zu machen. Vielleicht weil die Kriegsgeneration inzwischen weggestorben ist und die junge Generation seit beinahe 70 Jahren den Krieg – zum Glück muss man sagen – nicht kennt. Kann man dieser Presse noch trauen? Wo sind die Journalisten, die sich ihren eigenen Kopf von politischen Einflussträgern nicht verdrehen lassen?

Kein Krieg bricht einfach so aus, er wird begonnen (!) – er wird von Entscheidungsträgern erklärt.

Quelle Schlieffen-Plan: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Schlieffen_...
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