Normalerweise trägt Sigmund Gottlieb eine Frisur, die in ihren Grundzügen an das Denkmal des unbekannten Betongießers erinnert. In der „Münchner Runde“ keiften, bellten und knarzten SZ-Journalist Heribert Prantl und „Weltwoche“-Chefredakteur Roger Köppel aber so lange, bis sich die Fö(h)nwelle des BR-Moderators sukzessive in Richtung Alpenhauptkamm neigte. Doch das Gesprächsklima wurde nicht wärmer. Im Gegenteil: Kantigstes Schwyzerdütsch prasselte auf Heribert Prantl nieder. „Unglaublich, skandalös, entsetzlich“, entfuhr es dem knorrigen Eidgenossen im Minutentakt. Niemals dürfe ein Rechtsstaat wie Deutschland illegal an geklaute Steuerdaten ran, blaffte Köppel, als stünde Weltkrieg III unmittelbar bevor. Vorbei war’s mit der vornehmen Neutralität. Prantl lederte umgehend dagegen. Schweizer Banken schützten Steuerflüchtlinge, dozierte der gelernte Jurist mit der typisch deutschen Ursula-Engelen-Kefer-Betroffenheitsmiene. Zwischen allen Stühlen saß Harald Schneider. Der Polizei-Gewerkschaftsfunktionär (vom Moderator unnachgiebig mit „Konrad Freiberg“ angesprochen) vermittelte den Eindruck eines Physik-Leistungskurslers, der sein gestohlenes Pausenbrot zurückhaben wollte. Er brauche mehr Beamte, dann könne er die Abwanderung fluchtbereiten Kapitals legal verhindern, gab sich Schneider siegessicher. Über allem thronte Moderatoren-Ikone Sigmund Gottlieb. Wenn es den Verband deutscher Berufsempörer gäbe, wäre Gottlieb sein natürlicher Vorsitzender. Keiner spricht über den Volkszorn und Erregungskurven so authentisch wie er. Wobei wir beim zweiten Mega-Thema der Woche sind: die Erregung und deren Kurve nach unten. „Wenn Frauen öfter wollen und Männer nicht mehr können“, barmte die Illustrierte „stern“ und legte den erigierten journalistischen Zeigefinger in die Wunde praller Männlichkeit. Lendenlahme Männer jenseits der 35 könnten keinen „Zauber-Sex“ mehr liefern und enthemmte Frauen jenseits des Gebärzwanges forderten immer unverhohlener ein „aufregenderes Sexualleben“. Meine Erkenntnis der Woche: Auf zwei Themen ist immer Verlass. Gliedschwäche und Geldwäsche. Oder wie Sportskamerad Prantl vermutlich süffisant formulieren würde: Banane und Bananenrepublik!
wen Gott liebt den läßt er leiden. Dies gilt auch für Sigmund "Gottlieb". Nur weiß er es nicht....Ich mußte die Glosse einige Male lesen, um alle Rundumschläge zu kapieren. Sehr gut, aber auch aunspruchsvoll.
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− Vom: 23. April
Torsten Henke schreibt, Oskar Lafontaine habe „sich herabgelassen, seiner Partei reinen Wein einzuschenken“, und habe „West-Linke(n), die auf Rückenwind durch die Kandidatur des Populisten (...) gesetzt hatten,“ „einen Korb gegeben“. Lafontaine habe „keine Lust mehr auf das Berliner...