Stadtallendorfer Devrim Gülecoglu läuft in Berlin die 100-Meilen (161,76 Km)

  Berlin: Friedricht-Ludwig-Jahn- Stadion |

Mit Joe Kelly unterwegs durch Berlin


Hier sein spannender Bericht:

Start und Ziel war der Friedrich-Ludwig-Jahn Sportpark. Es gab den Einzellauf, die 2er-Staffel, die 4er-Staffel und die 10er-Staffel Der Lauf ging die ehemalige Mauer von Berlin entlang!

Kilometer 65 - Verpflegungspunkt 11, Königsweg. Das leichte Brennen in den Schuhen seit km 15 (es wurde immer schlimmer) zwang mich nun doch zu einer Sitzpause. Ich musste mir die zeit nehmen um mir das Elend meiner Füße anzuschauen.
Eigentlich wollte ich auch aufhören. Aber dann dachte ich mir, was soll es, km 90 ist ein Wechselpunkt, du bekommt deine frischen Wäsche zum wechseln und das was man so abgegeben hat (genannt auch Dropback). Und dort sind auch die Sanis vor Ort. Als ich es irgendwie geschafft hatte dort anzukommen, habe ich Joey Kelly ziehen lassen und mich sofort zu den Sanitätern, gen. Sanis, begeben.
Fazit: Fünf Blasen zum Aufstehen.Da ich aber vorher bei der Rast Blasenpflaster drauf gemacht hatte, gingen zwei Blase, die unter den Fußballen sich befanden, nicht ab.

Also konnten Sie diese nicht entleeren! Egal, ich wurde behandelt und die Sanis verstanden nicht, warum noch weiter laufen wollte. Es waren ja noch 70 km zu bewältigen.

Meine Antwort: Na und! Bin doch bis hierher gekommen, warum soll ich es nicht weiter probieren? Unverständnis in den jungen Gesichtern der Sanis!

Gestärkt machte ich mich wieder auf den Weg. Jeder Stop oder Wechselmodus vom Gehen ins Laufen oder umgekehrt war die Hölle. Ich merkte bei jedem Schritt, wie meine Blasen wuchsen. Die hatten sich echt das richtige Rennen ausgesucht.
Ich fing an in den Schuhen zu „schwimmen“, ein fürchterliches Brennen.

Die Nacht brach ein und endlich waren angenehmere Temperaturen. Ich brauchte i ca 5-8 Minuten im „Eierschrittmodus“ bis ich meine Gedanken frei
hatte - undi ch lief. Ich fing an wieder und wieder zu überholen - und das war ein tolles Gefühl. Nein, es kommt kein Happy-End geben. Obwohl ich mir sicher war es doch noch zu schaffen, denn ich hatte ein gutes „Zeitpolster“.

Bei Km 98 bin ich einem Pärchen begegnet. Er Läufer, Sie Begleiterin auf dem Rad. Was geschah? Als ich zu ihnen aufgeschlossen hatte, bekam der schlaksige Mann Krämpfe. Ich blieb stehen und bot ihm meine Hilfe an. Seine Frau konnte ihm nicht helfen. Also entschied ich mich bis zum nächsten Verpflegungspunkt bei ihnen zu bleiben.
Die nächsten 7 km waren für mich die Hölle. Dieser Start- und Stoppschritt war wahrscheinlich der entscheidende Moment meines Rennens, der mir das „Genick“ brach.

Aber ich wollte das Paar nicht im stockfinsteren Wald alleine lassen. Es dauerte noch 2 Stunden und 11 Minuten bis wir es endlich schafften und ich sie in gute Hände abgeben konnte.

Jetzt kommt der Hammer: Nach einer kurzen Pause, entschied der Mann sich, weiter zu laufen. Ich schaute die beiden verwundert an, verabschiedete mich und wünschte dem Paar noch viel Glück. Doch dieses Glück hielt nur 5 Kilometer an. Der Mann beendete vorzeitig seinen Lauf.

Mein Zeitpuffer war hin. Ich hatte unvorstellbare Schmerzen in den Füßen und es waren immer noch 60 km bis ins Ziel. Jetzt deprimierte mich diese Zahl. Obwohl ich muskulär absolut fit war, konnte ich mir die Schmerzen nicht mehr wegzaubern. Doch es musste weiter gehen. Ging es dann auch bis km130. Dort war wieder ein Wechselpunkt.

Es ist 1 Uhr nachts. Ich gönne mir eine kleine Pause und setzte mich hin.
Feierabend......? Schlagartig ging nichts mehr und Tränen überkamen mich. Das konnte es doch jetzt nicht gewesen sein? All die Strapazen- wofür? Jetzt sitze ich hier wie ein Haufen Elend und bekomme die Beine nicht mehr gestreckt. Zwei Minuten später fange ich an am ganzen Körper zu zittern. Und mir wahr klar, egal wieviel Zeit du noch hast, die letzten 30 km sind unerreichbar. Jetzt war ich schon 21 Stunden unterwegs. Langsam normalisierte sich Körper und ich konnte wieder klaren Gedanken fassen.
„Devrim, du musst am Montag wieder arbeiten, lass es gut sein, bevor du überhaupt nicht mehr gehen kannst...... Ist halt dumm gelaufen für dich...... " waren meine Gedanken und der Lauf war für mich beendet!

Ich stand auf und bewegte mich in Richtung Zivilisation. Nach 1 1/2 Stunden war ich wieder auf einer befahrbaren Straße und bewegte mich in Richtung Stadt. Erst das vierte Taxi hielt an und ich lies mich in mein Hotel zurück fahren.

Um 4:30 Uhr morgens fiel ich dann enttäuscht, in mein Bett.
Sorry, sollte wohl so sein.

Ich weiß auch, dass ich hier bei vielen auf Unverständnis stoße, aber so bin ich nun mal.

Euer
Devrim
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