"Media Markt vs. Internet" - die Lüge mit dem Tiefstpreis-Versprechen!
Da hat der Verbraucherschutz wieder was zu tun: Die neue Kampagne "Media Markt vs. Internet" ist mehr oder weniger ein Witz. Die Elektromarkt-Kette wirbt damit, dass Flachbildschirme bei Media Markt zu einem unschlagbaren Preis angeboten werden. Wer auf der Preissuchmaschine idealo.de ein günstigeres Angebot für ein Flachbild-TV-Gerät aus dem 92 Stück starken Sortiment des "Ich bin doch nicht blöd"-Ladens bei einem anderen Händler findet, bekommt den Fernseher laut Werbeversprechen zum gefunden Tiefstpreis. Ein abgekartetes Spiel der Lüge, wie sich jetzt herausstellte.
Philips-Fernseher bei Media Markt fast 3x so teuer wie in Online-Shop
Was war passiert? Informatiker Tobias Anton hat Medienberichten von seriösen Medien wie dem Handelsblatt oder telepolis.de zufolge ein super Angebot für den Philips 58PFL9955H entdeckt. Für 1.299 Euro gab es den Fernseher bei my-solution.de zu kaufen. Tobias Anton machte einen Screenshot von diesem idealo-Suchergebnis, ging zum Media Markt am Alexanderplatz in Berlin und wollte den Philips-Flachbildschirm für 1.299 Euro mitnehmen. Doch die Angestellten durfen das Gerät zunächst nicht für diesen Preis rausrücken. Nach einem Anruf bei der Filialleitung hieß es, man müsse zuerst das Konkurrenz-Angebot prüfen. Die Verantwortlichen bei Media Markt hielten einen Preis von 1.299 Euro für ein Gerät, dass bei ihnen 3.469 Euro (fast das Dreifache) kostet, für "unseriös".
Media Markt hält Versprechen nicht
In einem zweiten Gespräch mit der Filialleitung später am selben Tag kam dann die ernüchternde Niederlage für Tobias Anton: Seinen Tiefstpreis konnte er sich trotz mitgebrachtem Ausdruck abschminken. Denn das Angebot von my-solution.de war aus dem Index von idealo.de verschwunden. Der Online-Shop bestätigt aber, besagten Philips-Fernseher zu besagtem Preis in begrenzter Stückzahl im Angebot gehabt zu haben - als Reaktion auf die Kampagne des Media Marktes! Entsprechend schnell waren die Philips-Geräte ausverkauft und eben auch aus idealo.de verschwunden.
Miese Tricks im Elektromarkt: Hinhalte-Taktik und Kleingedrucktes
An dieser Stelle greift das Kleingedruckte der Kampagne "Media Markt vs. Internet". "Maßgeblich für den Preis ist der Zeitpunkt des Kaufvertragsabschlusses in Ihrem Media Markt" heißt es in der Werbung nämlich. Tobias Anton hatte den Fernseher zwar rechtzeitig kaufen wollen, doch zum Vertragsabschluss war es durch die Hinhalte-Taktik von Media Markt nicht gekommen. Entsprechend sauer ist Tobias Anton. Denn er hätte den Bildschirm theoretisch auch direkt bei der Konkurrenz kaufen können, wollte aber Media Markt ein Schnippchen schlagen. Immerhin bewirbt der Elektromarkt seine Aktion mit dem Werbeversprechen "Keiner schlägt den Media Markt Preis! Seite ausdrucken und in den nächsten Media Markt gehen. Dort den niedrigsten Preis bezahlen."
Preissuchmaschine und Media Markt arbeiten zusammen
Der fade Beigeschmack: Tobias Anton mag ein Kunde sein, der dem nicht gehaltenen Versprechen von Media Markt persönlich auf den Leim gegangen ist und sich zurecht betrogen fühlt. Doch letztlich werden alle in die Irre geführt, die nach einem günstigeren Angebot suchen. Denn Media Markt und idealo.de sind Partner. Zwar hat die Geschäftsführung von Media Markt wohl nicht veranlasst, dass das günstigere Angebot aus der Preissuchmaschine verschwindet. Das war aufgrund der Kürze der Aktion und großen Nachfrage der Aktion von my-solution.de auch nicht nötig. Aber wer weiß schon, wie es um den Einfluss von Media Markt bei idealo.de oder zumindest um den Informationsfluss zwischen beiden Partnern bestellt ist? Wenn man die Kampagne schon auf eine ausgewählte und kooperierende Suchmaschine begrenzt, sollte man seine darauf basierenden Werbeversprechen auch einhalten.
Abgezockte Werbespiele bei Media Markt führen zu Image-Verlust
So oder so werden Media Markt Kunden mit solchen Werbe-Aktionen verarscht. Denn der Philips 58PFL9955H ist ein Fernseher, der nach Informationen von Media Markt angeblich gar nicht online vertrieben werden dürfe, sondern bestimmen Einzelhändlern vorbehalten sei. Der Hase läuft offenbar folgendermaßen: Ins Angebot kommen Geräte, von denen Media Markt weiß, dass sie fast ein Monopol darauf haben oder zumindest tatsächlich keinen Konkurrenten, der günstiger ist. Die Sache mit dem "Internet-Bestpreis" ist also ein abgekartetes Spiel. Eine perfide Nummer, bei der Media Markt unabhängig vom entstandenen Image-Verlust beinahe auch finanziell reingefallen mehr. Dabei stelle man sich vor, der Elektromarkt-Gigant hätte einmal in den sauren Apfel gebissen und mehr als 2.000 Euro Nachlass im Einzelfall gewährt. Tobias Anton wäre zufrieden gewesen und Media Markt hätte jetzt kein Image-Problem. Unseriös ist in der ganzen TV-Geschichte nicht der Preis von my-solution.de, sondern das Verhalten von Media Markt.
Der Online-Shop my-solution.de hat bei den 1.299 Euro Fernsehbildschirmen übrigens draufgezahlt, ohne mit der Wimper zu zucken. Was es gebracht hat? Bekanntheit und die Gewissheit, Branchenriese Media Markt geschlagen zu haben!

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