Gesundheit! – Warum uns die moderne Welt krank macht
Berlin: Humboldt-Universität zu Berlin | Von der Stiftung gefördertes Symposium zum Thema Evolution und Krankheit vom 12. bis 15. Oktober 2009 in der School of Mind and Brain in Berlin
Für einen Evolutionsmediziner ist klar: Der Körper des Menschen passt nicht zu einem Leben in der modernen Gesellschaft. Die Biologie von Homo sapiens scheint vielmehr wie geschaffen zu sein für ein Dasein als Jäger und Sammler in der Hitze der Savanne. Unsere ausgeprägte Vorliebe – zumindest die vieler Menschen – für fettige und süße Nahrung beispielsweise war für unsere Vorfahren überlebenswichtig: Jede sich bietende Gelegenheit für eine energiereiche Mahlzeit musste genutzt werden, so dass der Verzehr von Kalorienbomben weitaus wichtiger war als eine gesunde Ernährung und gute „Futterverwerter“ zu den Gewinnern der Evolution zählten. Außerdem ist die Biologie des Menschen auf körperliche Höchstleistung ausgelegt: Auf langen Märschen mussten unsere Ahnen zum Teil im Dauerlauf Beutetiere verfolgen und buchstäblich zu Tode hetzen – so wie es manche Buschleute noch heute tun.
Was sich über Jahrtausende bewährt hat, führt in der modernen Welt zu gesundheitlichen Problemen, den Zivilisationskrankheiten. Bewegungsmangel und Arbeit im Sitzen, energiereiche Nahrung im Überfluss und ein unübersichtliches Sozialleben in viel zu großen Gruppen tragen zu Fettleibigkeit, Diabetes, Bluthochdruck, Gefäß- und Knochenerkrankungen sowie psychischen Störungen wie Depressionen bei – Erkenntnisse, die auch die Wissenschaft herausfordern; genauer: die Evolutionsmediziner. Sie erforschen das stammesgeschichtliche Erbe unseres Körpers und suchen nach Strategien, den Menschen und seine archaische Ausstattung mit den Anforderungen der modernen Welt in Einklang zu bringen.
Im 300. Jahr ihres Bestehens ist die Charité – Universitätsmedizin Berlin vom 15. bis 18. Oktober 2009 Ausrichter des ersten „World Health Summit“, einer internationalen Konferenz zum Thema „Evolution of Medicine“ unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzlerin Angela Merkel und vom französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy. Im Vorfeld findet vom 12. bis 15. Oktober in der School of Mind and Brain der Humboldt-Universität zu Berlin das Symposium „Evolution and Diseases of Modern Environments“ statt, das von der VolkswagenStiftung mit 146.000 Euro gefördert wird. Informationen zum Symposium finden Sie im Programm des „World Health Summit“ unter www.worldhealthsummit.org/files/whsSummitProgram.pdf. Interessierte Journalistinnen und Journalisten erhalten zudem Auskünfte bei der Tagungskoordinatorin Ana Gomez-Carrillo de Castro telefonisch (030 – 450 517 006) oder per Email (ana.gomez@charite.de).
Die Initiatoren Professor Dr. Randolph Nesse vom Department of Psychology der University of Michigan, USA, und Professor Dr. Günter Stock, Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, haben 80 führende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Nachwuchsforscher aus dem In- und Ausland in die Hauptstadt eingeladen, die sich in fünf Workshops verschiedenen Aspekten zum Thema Zivilisationskrankheiten annehmen. Im Zuge dieser Workshops sollen die Teilnehmer unter anderem die Beweise für den stammesgeschichtlichen Ursprung von Zivilisationserkrankungen bewerten und neue Forschungsstrategien für die Entwicklung präventiver Maßnahmen erarbeiten. Ziel ist es, die Ergebnisse beim „World Health Summit“ vorzustellen, der im Anschluss unter Leitung von Professor Axel Kahn, Präsident der Université Paris Descartes, Frankreich, und Professor Detlev Ganten, Vorsitzender des Stiftungsrats der Stiftung Charité, in Berlin stattfindet.
Tagungsort
Humboldt-Universität zu Berlin
Berlin School of Mind and Brain
Luisenstraße 56
10117 Berlin
Weitere Informationen im Internet unter:
www.worldhealthsummit.org

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