WIR WÄHRUNGSGESCHÄDIGTEN

von Hans-Rudolf König aus Marburg | am 09.03.2010 | 794 mal gelesen | 13 Kommentare | 0 Bildkommentare | 1 Bild
Oben der Original-Block, darunter die einzelnen Marken auf PK

Berlín: Postamt | Teneriffa. Als ich noch ein Kind war, erzählten mir die Erwachsenen sehr oft , dass sie in ihrem Leben zweimal alles Geld verloren hatten. Was dies tatsächlich im Leben eines Menschen bedeutet, konnte ich damals nur erahnen, denn für uns Kinder spielte das sowieso sehr knappe Geld kaum eine Rolle in unserem Alltag. Unser Einkommen beschränkte sich auf kleine Beträge, die hauptsächlich aus dem Austragen von Zeitungen und dem Sammeln von Altwaren (Metalle, Papier, Stoff) resultierten.

Tatsächlich hatte jedoch die Inflation zwischen Juli 1922 und November 1923 die ehemals so starke Deutsche Reichsmark total entwertet, sodass ein US Dollar, der 1914 immerhin 4,20 RM kostete, nun 4.200.000.000.000,00 RM Wert war. Das bedeutete für meine Großeltern und Eltern den Totalverlust ihrer mühsam am Munde abgesparten Rücklagen. Schuld an diesem Wertverlust waren die Folgen des Versailler Vertrages und die darin geforderten Reparationszahlungen Deutschlands an die Alliierten.

1948 wurde dann in den drei “Westzonen” Deutschlands und Westberlins die Deutsche Mark in einer Währungsreform eingeführt. Dies bedeutete für den kleinen Mann, dass seine Reichsmarkersparnisse im Verhältnis 10 zu 0,65 eingetauscht wurden. Dieses Mal also kein Totalverlust wie 1923, sondern “nur” ein gutes Zwanzigstel des sauer verdienten Geldes. Die Postbehörde in Berlin gab aus diesem Anlaß einen Briefmarkenblock heraus. Beim Kauf dieser Marken wurde ein Zuschlag von fünf Pfennig zugunsten der Währungsgeschädigten fällig. Doch da alle Bürger währungsgeschädigt waren, wurde der Block nur wenig verkauft. Wer konnte schon ganze fünf Pfennig spenden, wenn er selbst ärgste Not litt. Wo das zusätzlich kassierte Zuschlagsgeld wirklich landete, konnte ich bis heute nicht ausfindig machen. Der Briefmarkenblock jedoch gehört inzwischen zu den wertvollsten Stücken des Sammelgebietes Deutschland.

Dann am 1. Januar 2002, erwischte uns alle eine weitere Entwertung unseres Vermögens durch die Einführung des Euro in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union. Der Euro ist somit die fünfte Währung in der deutschen Währungsgeschichte seit der Reichsgründung 1871. Für knapp zwei Deutsche Mark gab man uns nur einen EURO. Halbiert wurden also unsere Einkommen sowie unsere gesamten Ersparnisse einschließlich der geleisteten Rentenbeiträge. Entgegen aller Beteuerungen der Politiker wurden die Preise nicht halbiert, sodass man getrost von einer erneuten Inflation sprechen kann. Jetzt haben wir am eigenen Leibe erfahren, was unsere Eltern meinten, als sie vom “großen Betrüger Staat” sprachen.

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13 Kommentare zum Beitrag
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Johannes Linn aus Marburg am 09.03.2010 um 15:53 Uhr  
14.090
Jürgen Bruns aus Lehrte am 09.03.2010 um 16:20 Uhr  
2.199
Bernhard Eber aus Günzburg am 09.03.2010 um 16:37 Uhr  
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Horst Becker aus Wohratal am 09.03.2010 um 17:38 Uhr  
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Hans-Christoph Nahrgang aus Kirchhain am 09.03.2010 um 19:39 Uhr  
5.658
Hans-Christoph Nahrgang aus Kirchhain am 09.03.2010 um 19:40 Uhr  
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Hans-Rudolf König aus Marburg am 09.03.2010 um 21:33 Uhr  
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Hans-Rudolf König aus Marburg am 12.03.2010 um 11:14 Uhr  
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Willi Preis aus Seeg am 13.03.2010 um 16:41 Uhr  
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