SPD-Kreischef Stefan Komoß aus Marzahn-Hellersdorf wegen Wowereit-Forderung in der Kritik

Stefan Komoß, der geschwächte SPD-Kreischef von Marzahn-Hellersdorf, steht wieder in der Kritik der Parteibasis. Diesmal geht es um seine in die Springerpresse lancierte Forderung gegen den Regierenden Bürgermeister Wowereit, dieser solle noch 2014 erklären, ob er erneut kandidiert.
Berlin (apd-bb) - Der SPD-Chef von Marzahn-Hellersdorf, Stefan Komoß, gerät nun auch im eigenen Kreisverband unter Druck. Grund ist seine öffentliche Forderung gegen Berlins Regierenden Bürgermeister. "Wir erwarten, dass Klaus Wowereit sich noch 2014 positioniert und sich erklärt, ob er noch einmal kandidiert", wurde der Bezirksbürgermeister zu Beginn dieser Woche in der Bild-Zeitung und der B.Z. zitiert. Postwendend distanzierten sich die SPD-Kreischefs von Lichtenberg, Pankow und Reinickendorf öffentlich und zeigten sich verärgert, dass Komoß die Springerpresse mit parteiinternen Vorgängen befasst habe, anstatt zunächst die Diskussion in den zuständigen Parteigremien der Berliner SPD zu suchen.

Kritik weitet sich aus


Auch in Marzahn-Hellersdorf werden Stimmen der Komoß-Kritiker laut. Zahlreiche SPD-Mitglieder fühlen sich übergangen. Der Kreischef habe die örtlichen Parteigliederungen bei seiner Forderung gegen Wowereit völlig außen vor gelassen, so die Kritik unter anderem aus der einflussreichen Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen. Komoß habe die Urlaubszeit gezielt ausgenutzt, um im rudimentär besetzten Kreisvorstand den Beschluß gegen Wowereit zu erwirken, schäumen Funktionäre aus einigen Abteilungen. Schon macht das Wort vom Königsmörder die Runde. Denn seit längerem wird kolportiert, dass Komoß Senator werden möchte, Wowereit ihn aber für wenig ministrabel hält. Deshalb setze der ehrgeizige Kreischef alles daran, den Regierenden aus dem Amt zu drängen, sagen Insider aus dem Ostteil der Stadt. Komoß soll angeblich mit dem SPD-Landesvorsitzenden Jan Stöß, der Wowereit beerben will, einen Deal gemacht haben.

Vertrauen der Parteibasis wankt


Ob ein solcher Plan aufgehen könnte, ist fraglich. Denn beim letzten SPD-Wahlparteitag in Marzahn-Hellersdorf im März dieses Jahres wurde Komoß mit nur noch 33 von 50 Stimmen zum Kreischef wiedergewählt, obwohl es nichtmal einen Gegenkandidaten gab. Manche Parteimitglieder halten den 50-Jährigen inzwischen für abgehoben, anderen behagt seine westdeutsche Herkunft verbunden mit ungezügeltem Machthunger nicht. Und dann gibt es auch die Gruppe derer, die Komoß Günstlingswirtschaft im Marzahn-Hellersdorfer Männerklüngel vorwerfen. Es bleibt also spannend im östlichsten Berliner Stadtbezirk, wo in vier Wochen der nächste SPD-Kreisparteitag stattfindet. Spätestens dann wird sich auch zeigen, ob Komoß die Kritik seiner GenossInnen aussitzen will oder ob er noch genug Kraft hat, um in die Offensive zu gehen und sein für viele fragwürdiges Agieren zu erklären.
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