SPD-Chef Jan Stöß buhlt in Berlin um Mitgliederstimmen

Jan Stöß buhlte am Abend wieder um Mitgliederstimmen in der SPD Berlin. Er hält sich für geeignet, Klaus Wowereit als Regierenden Bürgermeister zu beerben.
Berlin (dpd-lbb) - Am Abend fand im Lichtenberger Stadtteil Karlshorst das dritte sogenannte Mitgliederforum der SPD statt. Dort präsentierten sich diejenigen, denen der Landesvorstand der Partei erlaubt hatte, für das Amt des Regierenden Bürgermeisters zu kandidieren. Mehrere Bewerber waren abgewiesen worden, weil sie angeblich über keine ausreichende Unterstützung verfügten. Schon deshalb hatten Mitglieder das Forum boykottiert.

Gemessen an der Mitgliederzahl blieb das Heer der klatschenden Zuhörer im örtlichen Kulturhaus übersichtlich. Anwesend waren offenbar vor allem diejenigen, die etwas werden wollen. Stefan Komoß aus Marzahn hat sich als Königsmörder von Klaus Wowereit einen Namen gemacht und hofft auf einen Senatorenposten, wenn SPD-Landeschef Stöß Regierender Bürgermeister wird. Angeblich soll es zwischen beiden sogar schon Absprachen geben. Zahlreiche Mitglieder sind darüber sauer und werfen Komoß gockelhaftes Gehabe vor. Auch ein früherer Kreisgeschäftsführer aus Hellersdorf scheint die Bodenhaftung verloren zu haben, sieht er sich doch offenbar schon als Referent des Senators in spe.

Doch vielleicht haben einige Genossen aus dem Osten Berlins die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Denn neben Stöß dürfen auch der eloquente Stadtentwicklungssenator Müller und Fraktionschef Saleh als Bürgermeisterkandidaten antreten. Sie werden im Gegensatz zu Stöß als wenig intrigant bezeichnet und gelten dafür als Fachleute mit Verwaltungserfahrung im Politikbetrieb.

Vielleicht lag es daran, dass der Landeschef auch heute Abend inhaltliche Defizite offenbarte. Was er von sich gab, lässt sich mit einem Wort zusammenfassen: Verteilungssozialismus. Das Wort vom Stößschen Populismus macht die Runde, weil dessen Wahlversprechen niemand halten könne, heißt es sogar aus der SPD selbst. Kritisiert wird vor allem, dass der Landeschef kein Wirtschaftskonzept vorgestellt habe. Dabei sollten die Sozialdemokraten als Volkspartei deutlich machen, dass Geld auf nachhaltige Weise erwirtschaftet werden müsse, bevor es ausgegeben werden könne.

Besonderen Unmut der Basis verursachte wieder die Gestaltung des Mitgliederforums. Auch diesmal war es zeitlich nur wenigen möglich, die Kandidaten direkt mit Fragen zu konfrontieren. Das sei offenbar wieder von den Granden so gelenkt, sagen kritische Stimmen aus der SPD Lichtenberg. Die von den Sozialdemokraten öffentlich vielgepriesenen Schlagworte Demokratie und Beteiligung scheinen wohl eine Interpretationssache zu sein.
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