Oberschlesien- Hier, wo wir uns begegnen / Regiekommentar

Mein neuester Dokumentarfilm „Oberschlesien - Hier, wo wir uns begegnen“ befasst sich mit der Thematik der Kriegsfolgen und den Folgen der Politik des kommunistischen Regimes bei den Menschen, die heute in den ehemals deutschen Gebieten in Polen leben. Zum ersten Mal seit dem Krieg beschäftigt sich damit ein Film mit diesem schwierigen Thema – und scheitert bislang bei den deutschen Kulturfunktionären und Gremien an der „Deutschen Angst“.
Am Beispiel von Oberschlesien wird ein empfindliches Problem gezeigt: die Zerstörung der Vielfalt der regionalen Kulturen als Konsequenz der Migrationen und Vertreibungen nach dem Krieg in Polen. Bei den Dreharbeiten in Oberschlesien habe ich die Erfahrung gemacht, dass unsere Geschichte nicht weiter aus Gründen der Political Correctness versteckt werden kann.
In der Konsequenz macht der Film deutlich, dass das weitere Schweigen über die Folgen der Umsiedlungen und die Migration der Kulturen in Europa durchbrochen werden muss.
Die Aufgabe des Films ist es, einen Dialog zwischen den jungen Menschen in den ehemals deutschen Gebieten, den verbliebenen Deutschen und den polnischen Vertriebenen aus dem Osten anzuregen.
Meine Befürchtung, dass brisante Themen, wie etwa die Polonisierung dieser Gebiete nach dem Krieg, auf große Emotionen und Ablehnung in Polen stoßen würde, hat sich nicht erfüllt. Ganz im Gegenteil: Nach nur zwei öffentlichen Vorführungen mit anschließenden Diskussionen wird der Film in der Presse sehr positiv besprochen und in der „Gazeta Wyborcza“ wurde ihm sogar eine ganze Seite gewidmet. Im Jahr 2014 soll er dort sogar in den Kinos und Schulen gezeigt werden. Im Gegensatz dazu wird das Thema in Deutschland jedoch weiter peinlich vermieden und der Film weitgehend ignoriert. Eine einzige öffentliche Vorführung des Films im Ruhrgebiet blieb mit der Bitte um Verständnis ohne Werbung.
Gleichzeitig habe ich den Film herausragenden Persönlichkeiten in Deutschland und Polen gezeigt: Parlamentariern, Historikern und Wissenschaftlern – und alle waren ausnahmslos beeindruckt und bestätigten, dass der Film herausragend und wichtig ist. Dieses Urteil wurde im April 2013 noch durch die Verleihung des European Media Grand Award bekräftigt.
Der Leiter des Willy-Brandt-Instituts in Breslau bemerkte nach einer Filmvorführung, dass nun ja vielleicht die Zeit gekommen wäre, endlich die Erzählweise über diese Gebiete zu verändern. Vielleicht könnte eine Lösung der Konflikte ja darin bestehen, das Schicksal dieser Gebiete nicht durch das Prisma der Rivalität zwischen den beiden Nationen oder Staaten zu sehen, sondern sie als einen vielseitigen und spannenden Kulturraum zu betrachten, in dem sich viele Schicksale und verschiedene Geschichten kreuzen?
Michael Majerski, Januar 2014
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