Ein zweites Tschernobyl immer näher

  Der Nachrichtenfluss über den bewaffneten Konflikt in der Ostukraine stellt in den Schatten die Prozesse im Energiebereich dieses Landes, die alle Europäer betreffen, insbesondere die Bevölkerung der Anrainerstaaten, die zu einem Super-GAU, der jeden Augenblick passieren kann, bereit sein muss. Das ist nicht ein Witz, sondern eine gesunde Ansicht über die Situation.

Die amerikanischen unternehmerischen Geschäftsleute von Westinghouse Electric Company haben vor einigen Jahren den Vertrag über die Lieferung der adaptierten Brennstäbe für die ukrainischen Atomkraftwerke geschlossen. Es sei bemerkt, dass sich die Kernkraftwerke in den meisten osteuropäischen Ländern und in den ehemaligen Sowjetrepubliken von den amerikanischen technologisch stark unterscheiden. Die Gier nach dem schnellen Profit und das persönliche Interesse der zuständigen Politiker haben die Ukrainer zu einem riskanten Schritt angeregt und zwar zur Verwendung der inkompatiblen Brennelemente. Die Brennstäbe wurden angeblich von Westinghouse adaptiert, aber es wurden keine Systemtests für die möglichen Auswirkungen der Verwendung der US-Brennstäbe in den ukrainischen Meilern durchgeführt (oder stehen die Tests nur auf dem Papier).
Die Praxis zeigte, dass man inkompatible Elemente und Systeme nicht kreuzen muss, indem lebendige Menschen zu Versuchskaninchen werden. So hat der Einsatz der US-Brennstäbe im tschechischen Atomkraftwerk Temelin zu zahlreichen Pannen geführt, deswegen wurde es beschlossen, auf amerikanisches Brennmaterial zu verzichten.
Störfall: Strahlendes Wasser aus Atomkraftwerk Temelin ausgetreten
Klage zur Einstellung des Betriebes des AKW Temelín mit schadhaftem Westinghouse-Brennstoff eingebracht
Ähnlicher Vorfall ist im Kernkraftwerk Süd-Ukraine 2012 passiert, aber die politische Konjunktur und das persönliche Interesse von den führenden für den Bereich Energie zuständigen ukrainischen Politikern bewegen die Ukraine zu einem tödlich gefährlichen Experiment, indem die Ukraine die Brennstäbe des US-Herstellers Westinghouse in allen Atomkraftwerken einsetzen möchte.
Infolge dessen geschehen geheimnisvolle Ereignisse, die ukrainische Medien und offizielle Vertreter mit Schweigen umgehen. Seit Ende November 2014 wird der Strom in vielen ukrainischen Städten manchmal abgeschaltet, was auf den Mangel an Kohle wegen der Kriegshandlungen im Osten des Landes zurückgeführt wird. Die Ukraine verfügt aber über vier Kernkraftwerke, dabei ist das KKW Saporoschje das leistungsstärkste AKW Europas. Nicht jeder europäischer Staat kann sich damit rühmen. Darum ist es naiv, alle Energieprobleme dem Mangel an Kohle (die es in den Lagern doch gibt) in den Wärmekraftwerken zuzuschreiben.
Man beachte allgemein anerkannte Fakten. Am 28. November 2014 wurde der Block 3 im KKW Saporoschje wegen eines „Kurzschlusses im Stromverteilungssystem“ abgeschaltet. Es wurde im Internet mitgeteilt, dass sich die Strahlung um 14fach erhöht hatte, was die Behörden dementierten.
In einem Monat, am 28. Dezember 2014, passierte eine erneute Panne im KKW Saporoschje und der Block 6 wurde vom Netz genommen. Dabei wurden offizielle Angaben im Internet geleakt, die für die 16fache Erhöhung der Radioaktivität sprechen. Zwar versuchte man diese Angaben auch zu dementieren, doch wurde die Panne offiziell bestätigt.
US-Brennelemente für Sowjetreaktoren
Erneut Panne im größten Atomkraftwerk der Ukraine
Am 15. Januar 2015 passierte der dritte Störfall innerhalb zwei Monaten – nun im KKW Süd-Ukraine wegen des Brandes an einem Transformator. Und wieder betonte die National Nuclear Energy Generating Company Energoatom (NNEGC Energoatom), es sei keine Radioaktivität ausgetreten.
Trotz der offiziellen Meldungen über das Fehlen von Problemen in den ukrainischen Kernkraftwerken berichteten viele Ortsbewohner im Internet darüber, dass die Geheimdienste in der Umgebung der Atomkraftwerke, wo sich die Störfälle ereignet hatten, intensiv gearbeitet hätten. Einige Bewohner maßen selbst die Radioaktivität, die über den natürlichen Strahlungshintergrund hinausging. Außerdem wurden die gehackten E-Mails von der Leitung des Kernkraftwerks Saporoschje veröffentlicht.
Truth about Zaporizhia Nuclear Power Plant accident: correspondence of the plant’s Director General Tishchenko
Was da wahr ist, ist eine Frage an Nuklearexperten. Man kann nur eines sagen: Wo Rauch ist, muss auch Feuer sein.
Ständige Störfälle in den Atomkraftwerken der Ukraine, die bei den Kriegshandlungen schwere Waffen und Luftkräfte einsetzt und der an Strom mangelt und die dabei die unzuverlässigen US-Brennstäbe in den AKWs der sowjetischen Bauart einsetzt, sollen von der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA), führenden Politikern und Medien ins Visier genommen werden. Aber nichts wird in dieser Hinsicht getan. Die USA, die weit von der Ukraine liegen, sind bereit, in ihrer Konfrontation mit Russen den Weg bis zum Ende gehen und die Probleme der von ihnen ernährten ukrainischen Demokratie zu verschweigen. Und die Europäer im Unterschied zu Amerikanern können bald ein zweites Tschernobyl erleben.
Ulrich Hartmann
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