"The Cornwall Sound": Neuer Vinyl-Release von The Lilac Time "Prussian Blue", neue CD "No Sad Songs" und Interview mit Sänger Stephen Duffy

The Lilac Time, 12" Prussian Blue (Foto: (C) Tapete Records)
 
The Lilac Time "No Sad Songs" (Foto: (C) Tapete Records)
 
The Lilac Time, Claire Duffy, Stephen Duffy, Nick Duffy (Foto: (C) Nick Duffy, The Lilac Time)
Robbie Williams, Duran Duran und der Monster-Hit „Kiss me“ - das sind einige Begriffe, die Musikgeschichte geschrieben haben und alle kommen in Stephen Duffys Biographie vor, der heute mit seiner Band The Lilac Time die neue 12“-Vinyl „Prussian Blue“ beim deutschen Indie-Label Tapete Records veröffentlicht hat (limitiert auf 500 Stück enthält dieser spezielle Release neben der neuen Single-Version des Titels zusätzlich drei weitere Live-Songs). Stephen Duffy war Gründungsmitglied von Duran Duran, er produzierte Nummer 1 Hits für Robbie Williams („Radio“, „Tripping“) und das Nummer 1 Album „Intensive Care“. Seinen Chart-Hit „Kiss me“ (#4 in England) coverte Williams ebenfalls. Seit Mitte der Achtziger Jahre produzierte Stephen Duffy gefühlvollen britischen Gitarren-Pop mit seiner Band The Lilac Time.

Bereits beim ersten Song des neuen Albums „No Sad Songs“ von The Lilac Time bemerkt man, dass er melodiös wie auf Robbie Williams' Leib geschneidert wirkt. Noch dazu singt Stephen Duffy aktuell ähnlich wie Robbie Williams (und wie Jarvis Cocker von Pulp, was als Kompliment zu verstehen ist). Der Opener „The First Song Of Spring“ rührt einem durch sehr viel Gefühl im Refrain „Have I Told You That I Love You“ zu Tränen, und man glaubt es ihm, dass er viel von Liebe versteht. Für ein romantisches Album gibt es wahrlich keinen besseren Einstieg.

Bereits beim dritten Song „The Wedding Song“ manifestiert sich das Gefühl, diese entspannte Gitarren-Pop-Musik mit Country-Elementen ist der „Cornwall Sound“. Stephen Duffy lebt mit seiner Frau Claire Duffy in Cornwall, die neben seinem Bruder Nick Duffy auch Bandmitglied ist, und sie verstehen es bestens, diese traumhafte Gegend in überwältigende, feinfühlige Musik umzusetzen, die Stephen Duffy selbst als „Flower Music“ bezeichnet („I was a flower child. Now I am a flower man.“). Vier Jahre dauerte die Produktion von „No Sad Songs“; es wurden 20 Songs aufgenommen, von denen auf dem neuen nonchalanten Album zehn enthalten sind, das bei der deutschen Kritik bereits als „CD der Woche“ gefeiert wurde.

Interview mit Stephen Duffy von The Lilac Time

Nach deinen großen Solo-Erfolgen mit „Kiss Me“ und „Icing The Thin Cage“ hattest du mit deiner Band eine ziemlich große musikalische Veränderung von Hi-NRG-Pop-Musik zu Easy-Listening mit Country-Einflüssen, dem „Cornwall Sound“. Wie kam es dazu?

Stephen Duffy:
„Ich sah den Bob-Dylan-Film „Don't look back“, die Nick-Drake-Compilation „Heaven In A Wild Flower“ und der Atari-Computer kamen heraus. Und nachdem ich all meine Songs im Dance-Bereich veröffentlichte, war ich der Meinung, jeder kann so etwas produzieren. Ich nehme an, nach „Kiss me“ dachte ich, ich kann jetzt machen, was immer ich will. Ich lernte meine Gitarre besser zu spielen und wurde ein Akustik-Sänger. Aus dem Dance-Bereich wollte ich komplett weg.“

Als du mit Duran Duran anfingst, Musik zu machen, wolltest du auf jeden Fall Pop-Musik produzieren?

Stephen Duffy:
„Wir hatten eine Drum-Maschine und einen kleinen Synthesizer. Wir probten im Spielzeug-Laden von Nick Rhodes' Vater, deshalb mussten wir den Lärm dämmen. Es war eine ziemlich bizarre Band. Sie wurden später zu Pop.“

War Duran Duran vorher eine Punk-Band?

Stephen Duffy:
„Es war diese Post-Punk-Zeit, als PIL und The Normal herauskamen. Der aggressive Punk ging und er wurde mehr experimentell, es wurden Synthesizer verwendet aber es war vor der Zeit, als Human League bekannt wurden.“

Als Duran Duran dann berühmt wurden, konntest du dir zu diesem Zeitpunkt wieder vorstellen, Mitglied in der Band zu sein?

Stephen Duffy:
„Nein. Ich hatte mich entschieden, nicht mehr dabei zu sein. Der neue Sänger Simon Le Bon war so eine unverkennbare Stimme, die offenbar nicht mit meiner Stimme vergleichbar war. Wäre ich in der Band geblieben, wäre sie nicht so erfolgreich geworden. Duran Duran wollten ein Band wie Japan werden und ich konnte mich selbst nicht darin sehen. Dann sah ich alle meine Freunde bei „Top of the Pops“ und dachte, „hätte ich es doch nur getan“.“

Dann war es für dich natürlich klar, dass du auch bei „Top of the Pops“ landen wirst/musst?

Stephen Duffy:
„“Top of the Pops“ war seit den Sechziger Jahren so ein wichtiger Teil in der britischen Musik-Szene, wenn du dabei warst, dann hattest du es als Musiker geschafft. Und ich war dabei in den Achtzigern, den Neunzigern und den Zweitausendern, in drei Dekaden. Nicht oft, aber ich war dabei.“

Wann fingst du an, Gedichte zu schreiben?

Stephen Duffy:
„Von Anfang an, es war mir wichtiger als Punk. Ich mochte Allen Ginsberg, Jack Kerouac und in der Schule Dylan Thomas.“

Dein neues Album heißt „No Sad Songs“. Für mich ist es der „Cornwall Sound“, wie beschreibst du es in deinen eigenen Worten?

Stephen Duffy:
„Es ist viel mehr entspannt. Selbst wenn wir dachten, wir spielen schnell, spielten wir eigentlich langsam. Es ist so weit weg von London. Mit dem Zug braucht man fünf Stunden um dort zu sein. Es ist nicht so einfach, schnell hin und zurück zu fahren. Es ist ein sehr distanzierter Ort. Die Musik klingt sehr zwanglos, was sehr gut ist, weil ich alles locker sehe. Ich könnte nicht mehr Hi-NRG-Disco produzieren. Das wäre gefährlich!“

Gefährlich? Wieso das? Wegen Drogen beispielsweise?

Stephen Duffy:
„Ich hätte Angst um mein Haus. Ich bin froh, dass ich der Drogenabhängigkeit entkommen bin! Als ich mit Rob (Robbie Williams) zusammenarbeitete, nahmen wir Popsongs wie in den Achtzigern („Radio“) auf. Das Musikbusiness hat sich mittlerweile so stark verändert, es ist so ein kleineres Business geworden. Als „Kiss me“ das erste mal veröffentlicht wurde, kauften es in der ersten Woche 15.000 Leute in New York und das waren hauptsächlich DJs!“

Die Musikindustrie hat sich stark verändert, magst du mp3s?

Stephen Duffy:
„Ich kaufe Vinyl, eigentlich kaufe ich alle Formate. Gerade der frühe mp3-Sound war schrecklich, bei CDs war der Sound anfangs auch furchtbar. Ich mag es, Fotos von Künstlern zu sehen und etwas zu lesen. Die Natur der mp3 ist etwas befremdlich. Man weiß nicht, wer singt, ob der Künstler einen Hut trägt, oder welche Farbe seine Hose hat. Man weiß nicht, wer es produziert hat, wo es produziert wurde, all das war immer sehr wichtig gewesen. Das Vinyl-Revival ist erstaunlich!“

Du wurdest beim deutschen Label Tapete-Records in Hamburg unter Vertrag genommen. Wie kam es eigentlich dazu?

Stephen Duffy:
„Als ich mich entschied, ein neues Album aufzunehmen, gab mir ein „Spiegel“-Reporter den Tipp mit Tapete-Records. Dann hatte es vier Jahre gedauert, bis es aufgenommen wurde und ich war zufrieden, dass sie immer noch an mir interessiert waren.“

Was bedeutet der Bandname The Lilac Time (Die fliederfarbene Zeit) sinngemäß, woraus entstammt die Idee für den Namen der Band?

Stephen Duffy:
„Das entstammt einem Nick-Drake-Song: „The Riverman“.“

The Lilac Time spielen am 01.08.2015 live beim Port Eliot Festival in Cornwall.

Musikvideo: The Lilac Time "She Writes A Symphony"
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