Interview mit Timo Jacobs zur Premiere von „Mann im Spagat“

Timo Jacobs („Klappe Cowboy“) war mit sage und schreibe drei Filmen beim achtungberlin Filmfestival 2016 vertreten: „Back To Nothing“, „Oregon Pine“ - sein zweiter selbst produzierter Spielfilm „Der Mann im Spagat“ eröffnete sogar das beliebte Berliner Filmfestival.

Timo, du bist mitten im Festival-Stress trotz böser Erkältung. Du bist also nicht der Typ, der Termine aus gesundheitlichen Gründen absagt?

Timo Jacobs:
„Nein. Ich bin noch in einem Alter, wo man die Anzeichen des Körpers überhören kann.“

Wie kamst du auf den Titel deines neuen Cowboy-Filmes „Mann im Spagat“?

Timo Jacobs:
„Cowboy war zerrissen zwischen den ganzen Problemen, die er lösen will. Dann hatte ich diese Vision, dass dieser Mann meditierend im Spagat auf dem Brandenburger Tor sitzt und versucht, seine Mitte zu finden, um die Probleme anpacken zu können. So kam der Titel zustande: „Mann im Spagat“.“

In deinem Film ist dein Vater Tänzer, ist das der Beruf deines echten Vaters?

Timo Jacobs:
„Nein, mein Vater ist kein Tänzer, das ist ausnahmsweise mal Fantasie. Es war ein Wunschtraum von mir, dass Elvis einmal mein Vater ist, und das hab ich mir jetzt mit dem Film ermöglicht.“

Wieso war das ein Wunschtraum, dass Elvis dein Vater wäre?

Timo Jacobs:
„Weil ich ein Rock'n Roller bin.“ (Kichert).

Wie war die Filmparty im Roadrunners?

Timo Jacobs:
„Ich war sehr erschöpft von dem Endspurt, meinen Film fertigzustellen, dass ich nach drei Bieren schon so müde war, dass ich nach Hause musste. Das war mir alles zu wuselig gestern. Es kamen auch nicht so richtig Film-Gespräche auf, weil alle so auf Heißsporn, -aufgepeitscht waren.“

Dein erster selbst produzierter Film „Klappe Cowboy“ hatte beim achtungberlin Filmfestival eine lobende Erwähnung bekommen. Dein zweiter „Der Mann im Spagat“ ist nun der Eröffnungsfilm. Wie war denn deine Reaktion nach dieser Nachricht? Auch so lässig und cool?“

Timo Jacobs:
„Nee, da bin ich durch meine Wohnung getanzt und habe Purzelbäume gemacht.“

Hattest du bereits damit gerechnet oder damit spekuliert, dass „Mann im Spagat“ das Kaliber zum Eröffnungsfilm hat?

Timo Jacobs:
„Es wurde bereits immer mal nachgefragt, wie es denn nun aussieht mit meinem Film, bzw. wann er fertig gestellt ist. Aber dass er nun Eröffnungsfilm wurde, das war eine Überraschung!“

Was bedeutet dir das achtungberlin Filmfestival?

Timo Jacobs:
„Ich finde es ein sehr erfrischendes Festival! Auch ein Spagat, was die Auswahl betrifft. Im Gegensatz zur Berlinale, wo die Filme sich eher ähneln, ist das achtungberlin schon fetzig. Die Jungs, die es organisieren, sind sehr sympathisch und umtriebig, das tut dem Festival gut."

Für „Mann im Spagat“ gibt es bereits einige Verleiher-Anfragen, also kommt der Film regulär in die Kinos, oder?

Timo Jacobs:
„Der kommt in die Kinos! Es gibt bereits einige Verleiher-Anfragen. Hinsichtlich dessen werde ich in nächster Zeit einige Gespräche führen, da der Film insgesamt so
ein gutes Stimmungsgewitter erzeugte und die Leute von einem geilen Vibe berichteten, wird sicher einiges mit dem Film passieren. Um es Mit Knut Elstermanns Worten zu sagen, ist der Film was ganz besonderes, um so ernster er wird um so komischer ist er! Ich werde mich reinhängen und schauen dass der Film einen guten Platz in den Kinos findet.“

Auf dem diesjährigen achtungberlin Filmfestival liefen ja gleich drei Filme, in denen du mitwirkst.

Timo Jacobs:
„Ich hab gerade eine „Blüte-Phase“, das ist irgendwie ein Highlight, vielleicht war auch deswegen nach der Premiere bei mir ein Hauch von Melancholie. Die Stimmung war so bombastisch! Da kamen gleich Gedanken, wie ich das wohl wieder toppen könnte. Man möchte sich ja weiterentwickeln und der Welt weiterhin einen Beitrag geben können, ein Beitrag der etwas bewegt.“

Was wäre denn das maximale an Filmen, die du selbst auf einem Festival „stemmen“ könntest?

Timo Jacobs:
„Ich glaube, da sind keine Grenzen gesetzt, solange ich meinen Beitrag als wahrhaftig verstehe, aber darum geht es natürlich nicht, ist doch klar, es geht nur darum: weiterzumachen.“ (Augenzwinkern)

In „Back To Nothing“ geht es um Kannibalismus und du spielst jemand, der seine Ehefrau (Meret Becker) ausweidet und mit Menschenfleisch handelt, was du sehr überzeugend machst. Wie bereitest du dich auf solch extrem schwierige Rollen vor?

Timo Jacobs:
„Ich recherchiere sehr viel, mache sehr viel Hausaufgaben. Dann steigere ich mich so sehr hinein, bis es für mich echt ist.“

„Mann im Spagat“ ist deiner Mutter gewidmet, die während der Dreharbeiten verstarb. Deine kranke Mutter sollte auch erst im Film mitspielen. Hattest du das mit ihr bereits besprochen?

Timo Jacobs:
„Leider hatte meine Mutter aufgrund ihrer Nervenerkrankung kein Erinnerungsvermögen. Ich habe das mit ihr besprochen, und in dem Moment war sie immer sehr geschmeichelt und sagte, sie mache das gerne. Aber wenn ich es am nächsten Tag wieder angesprochen habe, dann wusste sie nicht mehr genau, wovon ich rede. Ihre Krankheit schritt dann soweit voran, dass es für sie eine Zumutung gewesen wäre und das hätte ich nicht mehr mit meinem Gewissen vereinbaren können; dann fing ich an, mich nach einer Schauspielerin umzuschauen.“

Du bist vom Norden in den Osten Deutschlands gezogen. Wie findest du den Unterschied zwischen Hamburg und Berlin?

Timo Jacobs:
„Hamburg ist bequemer, zarter und gemütlicher. Berlin pulsiert mehr, hier ist mehr Fluktuation, Bewegung, Freigeist. Das ist in meiner Lebenssituation jetzt viel erfrischender, es gibt immer noch neue Sachen, die ich neu entdecken kann - selbst nach 10 Jahren. In Hamburg habe ich irgendwie alles abgeglotzt und in Berlin hab ich nach zehn Jahren immer noch das Gefühl, dass hier ein frischer Wind weht und nichts so richtig fad wird. Hamburg ist eine sehr schöne Stadt, hat ein klares Gesicht, Berlin hat mehrere Gesichter. Es gibt nicht das klare „dit is Berlin“, es ist eher immer eine Beschreibung mehrerer Zustände, die aufeinander treffen. In Hamburg hast du da schon ein klareres Bild vor Augen.“

Regisseur Klaus Lemke entdeckte dich auf ner Party wo du als DJ gebucht warst. Legst du noch Platten auf?

Timo Jacobs:
„Ich hab eine sehr ausführliche Plattensammlung und lege zu Hause gerne auf, wenn ich Gäste habe. Oder ab und zu wenn eine Anfrage kommt, auf Film-Partys. Im großen Stil mach ich das gar nicht mehr so, weil da musst du ja auch am Ball bleiben.“

Was sind deine aktuellen Anspiel-Tipps in Sachen Musik?

Timo Jacobs:
„Kamasi Washington hab ich neu für mich entdeckt, das Album „Epic“ hält ein was der Titel verspricht. Hmm, ich gehe eher auf kleine Konzerte, habe eine absoluten Faible für guten Garage Sound und obwohl ich kein Fan von so Riesen Konzerten bin, gehe ich mir wohl mal die Antword diesen Sommer anschauen die spielen in Berlin, zwar nicht Garage aber hitzig, mit ner guten Power.
Hingegen, Roky Erickson Ende April, möchte ich auf keinen Fall verpassen, habe ihn schon einige Male auf dem SXSW in Austin Texas gesehen und sogar einmal in NYC eine Filmpremiere für ein Konzert von ihm sausen lassen, jetzt spielt er meines Wissens nach zum ersten Mal in Deutschland, und ja das ist spannend, denn er ist nicht von diesem Planeten, er ist der Inventor of Psychedelic Rock!“

Die Filmmusik zu „Der Mann im Spagat“ wurde unter anderem von Steve Morell komponiert. Wird es einen offiziellen Soundtrack geben?

Timo Jacobs:
„Das würde ich mir wünschen, es ist eine so brisante Mischung, eine Explosion von Grooves, dafür poliert jeder Kenner gerne seine Lackschuhe zum Tanz.“

Die "Mann im Spagat"-Filmkostüme sind sehr abgedreht und spacig. Der ganze Film ist wie eine Konfetti-Explosion. Hattest du nicht gedacht, dass du mit deinem neuen Film das Publikum überforderst?

Timo Jacobs:
„Ich glaube, dass man Menschen mit Fantasie nicht überfordern kann. Die Aufgabe ist vielleicht auch, Empathie zu empfinden für Fantasie des Zuschauers im Generellen. Ein kollektiver Atem, den wir alle einatmen, der Sinnbildern entspricht, für Dinge, die wir alle für Dinge halten, die wir erlebt haben. Das habe ich versucht, umzusetzen und an Fantasie bist du da grenzenlos, sofern du den Zuschauer von Anfang an in diese Fantasie-Welt hinein geholt hast. Alles was in dem Film zu sehen ist, ist ja auch möglich, es ist nichts komplett an den Haaren herbeigezogen, das denke ich ist wichtig, dass nichts - so überhöht es auch sein mag - „Tüddelkram“ ist, wie der Hamburger es sagen würde.“

140 Leute haben an deinem Film „Der Mann im Spagat“ mitgearbeitet. Nicht jeder schafft es, so ein großes Team zu organisieren.

Timo Jacobs:
„Tja, da muss man auch mal Ansagen machen und Dinge beisammen halten, auch wenn es einem selbst nicht so genau klar ist ob das alles so rund läuft, man darf da den Glauben nicht verlieren, dran bleiben ist die Devise, sonst geht das ganze den Bach runter. Es ist eine pädagogische Arbeit, wo man trotz Ansagen, viel Liebe und innere Ruhe braucht. Viele Dinge lassen sich oft nicht so umsetzen, wie man sich das vorstellt. Da muss man dann in der Lage sein, einen Spagat zu machen und überlegen: „Was kann ich nun machen um aus der Not eine Tugend zu machen?“ Diese Denke habe ich auch durch Klaus Lemke kennengelernt. Nicht an den Dingen zu verzweifeln die fehlen, sondern das was da ist als Stilmittel einsetzen, bereit zu sein für einen Plan B, weitermachen und umsetzen. Viele in meinem Team haben teilweise gedacht, ich bin bekloppt, wenn sie etwas ganz anders gehört oder gelesen haben. Beim Endergebnis des Filmes nach drei Jahren haben sie dann alles verstanden.“

Wird es mit Cowboy weitergehen?

Timo Jacobs:
„Das kann ich mir schon gut vorstellen, wenn ich die Figur nun einschläfern würde, wäre das schon fies, einfach weil sie immer gern mal anklopft, weil sie heiß ist, heiß auf Action.“

Ist Cowboy also ein Lebens-Projekt?

Timo Jacobs:
„Es ist ja so, dass Dinge sich ändern, und da bleibt Cowboy sicher nicht stehen, Cowboy hat noch viel vor und da ist meine Fantasie auch voll mit Interesse dabei, soweit ich das jetzt sehe, aber das entscheide ich nun auch nicht komplett alleine, sondern es wird auch bestimmt, durch die Begierde, durch das Verlangen der Zuschauer.“

Teaser "Mann im Spagat":

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