Interview mit Frankreichs Kult-Regisseur Francois Ozon zu "Eine neue Freundin"

Francois Ozon, Premiere "Eine Neue Freundin" Cinema Paris Berlin
Myheimat: Sehen Sie sich selbst auch als einen Mix aus Fassbinder und Almodóvar oder inspirieren Sie diese Kult-Regisseure für Ihre Filme (die hier in Berlin bei Saturn-Hansa-Alexanderplatz bereits ein eigenes Regisseur-Fach haben)?

Ozon: Fassbinder ist schon jemand, der mir sehr wichtig ist und der mich als junger Mann, als Student sehr inspiriert hat. Almodóvar ist jemand, den ich sehr interessant finde. Es freut mich, dass Sie mir Cineasten genannt haben, die ich mag – anstatt mich mit Filmemachern zu konfrontieren, die ich nicht mag. Letztendlich ist das eher etwas, was Journalisten tun; ich definiere mich natürlich nicht nur an anderen Filmemachern. Ich habe ein Stück von Fassbinder adaptiert („Tropfen auf heiße Steine“) und einen Film daraus gemacht. Obwohl ich da natürlich meine eigenen Visionen mit eingebracht habe. Genau wie bei einem Theaterregisseur, wenn er Shakespeare inszeniert, habe ich natürlich etwas Eigenes daraus macht.

Myheimat: Sind schöne Menschen sehr wichtig für Ihre Filme? Und war es für Sie wichtig, dass der Mann als Frau gut aussah (was man von als Frauen verkleideten Männern nicht behaupten kann)?

Ozon: Wir wollten Entwicklung zeigen. David verwandelt sich ja nicht in eine wunderschöne Virginia. Auf jeden Fall geht es um den Look und er muss langsam auch seinen Look finden. Anfangs macht er Fehler wie viele Männer das tun, wenn sie sich als Frauen verkleiden: er schminkt sich zu krass, er trägt zu glamouröse Klamotten... Es braucht seine Zeit und diese Entwicklung wollte ich zeigen. Ich glaube, dass er letztendlich nicht wirklich zu einer wunderschönen Frau wird, aber er empfindet sich selbst als Frau.

Myheimat: Entdeckt Claire ihre lesbische Seite in der Beziehung mit David als Frau? Während der Bettszene verlässt sie ihn mit dem Kommentar „es geht nicht, weil du ein Mann bist“...

Ozon: Claire ist einfach verloren. Sie weiß nicht mehr genau, was sie eigentlich sucht. Und sie weiß nicht, ob sie in Laura verliebt war, oder in David oder in Virginia. Sie befindet sich in einem Strudel der Emotionen und ist vollkommen verwirrt. Genau das wollte ich auch mit dem Zuschauer machen, der ebenso verloren ist und nicht mehr genau weiß, was er denken soll.

Myheimat: Die Filmmusik in „Eine neue Freundin“ ist ein enormer Stimmungs-Aufheller. Weshalb haben es Katy Perry („Hot'n Cold“) und „D.I.S.C.O“ von The Young Professionals nicht auf den Soundtrack geschafft, der in Frankreich veröffentlicht wurde?

Ozon: Ich denke, das ist eine Frage von Rechten und Geld.

Interview: Martin Döringer
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