"Finding Vivian Maier" DVD

DVD-Cover "Finding Vivian Maier" (Foto: (C) EuroVideo)
Dem in Amerika lebenden französischen Kindermädchen Vivian Maier war es zu Lebzeiten verwehrt, als Fotografin wahrgenommen zu werden, denn sie wollte es nicht. Nach ihrem Tod ersteigerte der Student John Maloof eine Kiste mit Negativen, von denen er 200 entwickelt auf einem Blog veröffentlichte und begeisterte Reaktionen auf die Straßen-Fotografie von Vivian Maier erntete. Sofort kaufte er die anderen Kisten der anderen Käufer auf; insgesamt über 100.000 aufgenommene Negative, größtenteils unentwickelte.

Der Film „Finding Vivian Maier“ macht sich auf die Suche nach der Künstlerin. Anhand der abertausend unentwickelten Filme, Super-8-Rollen, Zeitungsausschnitten, von Vivian besprochenen Kassetten, Tickets, Briefe, Rechnungen, Quittungen, uneingelösten Schecks, wird das Puzzle um die mysteriöse Künstlerin zusammengesetzt. Sogar ihre seltsamen Hüte, bunten Blusen und ihre Schuhe wurden aufbewahrt – wie aus dem Archiv einer ganz Großen, die sie nach Veröffentlichung der Bilder und des Filmes letztendlich auch wurde – als hätte sie es vorausgeahnt, denn solch einen umfangreichen Fundus kennt man sonst nur von der „zu Tode fotografierten“ Marlene Dietrich!

Die amerikanischen Filmemacher interviewen Vivians ehemals betreuten Kinder und reisen bis nach Frankreich, um recherchierte Hinterbliebene über die Künstlerin zu befragen. Dabei kommen die verschiedensten Geschichten zu Tage, die ein sehr facettenreiches Bild der Fotografin bilden: mit viel Licht aber auch Schatten, wie auch das Selbstportrait im DVD-Cover zeigt. Bekannte bezeichnen Vivian Maier als paradox, dreist, mysteriös, exzentrisch und zurückgezogen: „Sie hätte das nie zugelassen!“ Auch viele Filmkritiker vermuten, Vivian Maier wäre nicht begeistert über ihren Ruhm als Fotografin; dieser Meinung bin ich absolut nicht, denn weshalb sonst hat sie all ihre Werke und privaten Dinge so akribisch geordnet, gesammelt und aufbewahrt!? Wenn sie es nicht gewollt hätte, dass sie eventuell nach ihrem Tod mit ihren Werken bekannt werden sollte, dann hätte sie alles vernichtet. Als unverheiratete, kinderlose Frau hatte sie keinen Grund, ihren Nachlass zu pflegen.

Sie verließ nie ohne ihre Kamera das Haus. Wenn sie mit ihren zu betreuenden Kindern Großstadt-Ausflüge machte, dann waren diese oft in den Ghettos der Stadt, vor denen man die Kinder eigentlich warnen würde. Auch im Schlachthof fotografierte sie. Selbst bei Unfällen der Kinder hielt sie wie eine Sensations-Reporterin die Kamera darauf, anstatt zu helfen. Eine Besessene! Ein wunderbar spannender Film - und deshalb nicht nur für Kunstinteressierte oder Fotografen ansprechend. Die ungekünstelten Straßen-Szenarios der 50er und 60er Jahre, wie von einer Spionin fotografiert, muss man gesehen haben! Als Bonus enthält die DVD einige Super-8-Filmaufnahmen von Vivian Maier.
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