Der 9. November 1938

Der Anfang am 19. August 1933: Am Pranger (Oberhessische Zeitung vom 24.8.1933): Der Student Spier aus Gemünden a.d. Wohra wird von SS-Leuten zum Marsch durch Marburg - ein Schild tragend: "Ich habe ein Christenmädchen geschändet"- gezwungen. Die Fotografie stammt aus dem Band: Hesse/Springer, vor aller Augen, Seite 82. Weidenhäuser Brücke!
Der Gedenktag an die Pogromnacht vom 9. zum 10. November 1938 = 75 Jahre!
Überall in der Republik werden heute wieder Gedenkfeiern sein, Erinnerungen der NOCH LEBENDEN können wir lesen, Das NIE-MEHR allenthalben hören.
Auch die Evangelische Kirche Kurhessen-Waldeck veröffentlichte eine "Handreichung" zu den Novemberpogromen:
"75 Jahre Novemberpogrome".
Teil A beschäftigt sich mit Gottesdienst- und Gedenkanleitungen
Teil B berichtet aus Gemeinden der Landeskirche.
Wenn ich diese "Handreichungen" aus den Gemeinden lese, besonders den Abschnitt über Gemünden (von Karl-Hermann Völker ein Interview mit dem Überlebenden Berthold Ludwig Strauß), dann kommt mir die Frage in den Sinn:
warum lässt es die Landeskirche zu, dass Pfarrer mit ihren Gemeindekirchenräten ihre Chroniken noch immer nicht einsehen lassen?? Das wäre ein ehrlicher Beitrag zum Gedenken!
Fadenscheinige Begründungen wurden mir von der Ev. Gemeinde Gemünden gegeben:
"Anlässlich der Kirchenvorstandssitzung wurde die Erinnerung an die nationalsozialistische Zeit wieder wach. Die Familien, die seinerzeit nationalsozialistisch aktiv waren sowie ihre Abkömmlinge müssen geschützt werden." Dies war die Aussage der Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinden Gemünden (Wohra) und Schiffelbach, in deren Kirchenchroniken der Berliner Politologe Hochgrebe um Einsicht bat.
Mir ging es vor allem darum, das Verhältnis der Jüdischen Gemeinde zu den beiden christlichen Gemeinden Gemünden und Schiffelbach in der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft in Deutschland darzustellen und auch das Schicksal der Fremdarbeiterin im evangelischen Pfarrhaus zu beleuchten.
Die Erinnerungen des Berthold Ludwig Strauß sind ganz persönliche Erinnerungen und sehr wichtig, erzählt zu werden.
Solange die Kirchengemeinden ihre Chroniken nicht öffnen dürfen, sind Gedenken der Landeskirche nur ein Teil der Geschichte und nicht wahrhaftig!
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