Kolumne 05/2015 - Klumppi trifft ...? ... Musiker & Rapper Umut (Baba) Oral

  Berlin: Cafe Zera |

Umut (Baba) Oral - 22, Berliner, Musiker, Strahlemann und halbseitig gelähmt

Berlin/Kreuzberg Es ist nachmittags. Ich komme ins Cafe ZERA und da ist er schon da und wartet auf mich.
Umut Oral (22) – von allen nur Baba genannt - Musiker, Strahlemann und halbseitig rechts gelähmt.

Wir begrüßen uns herzlich. Aufgeregt ist er nicht, denn Interviews hat er schon oft gegeben.

Kennengelernt haben wir uns bei einem Videodreh in Berlin-Spandau zu seinem neuen Song.

Seine Geschichte ist traurig und dennoch kraftgebend zugleich. Kraft hat er, … Kraft zum Leben. Soviel, dass er davon anderen was abgeben will.

Umut`s Familie kommt aus der Türkei, direkt am schwarzen Meer. Er wächst in Berlin auf. Erst Spandau, dann Kreuzberg. „ Kreuzberg ist mein Kiez, da kennt mich jeder“ sagt er.

Mit seinen Eltern und seiner Schwester lebt er in einer gemütlichen Wohnung, nahe dem Moritzplatz.

Neben der Liebe zu seiner Familie gehört ebenso auch die Liebe zur Musik und zum Fußball dazu.

Als kleiner kickt Umut erst auf der Straße, später in einem Fußballverein. Nebenher macht Umut – sehr zur Verwunderung der Eltern – Musik . Er fängt an zu rappen und dreht später dazu Musikvideos, … dies immer mehr erfolgreich.

Seine Familie und Freunde ermutigen ihn, diesen Weg weiterzugehen.

Selbst gestandene Rapper wie Serc, Massiv, Sadig oder Capo werden auf den smarten Strahlemann aufmerksam.
Auch mit dem Berliner Erfolsrapper Bushido hat er Kontakt.

Doch dann der Schicksalsschlag.

Es ist das Jahr 2011, nachts, Umut ist auf dem Heimweg von einem Videodreh aus Frankfurt / Main. Es war ein langer Tag und schon sehr spät in der Nacht.
Das Fahrzeug kommt von der Straße ab und überschlägt sich.

Die Folgen: Der Beifahrer stirbt, Umut liegt 6 Monate im Koma, als er aufwacht hat er eine halbseitige Lähmung sowie eine starke Spastik.
Fortan ist er an den Rollstuhl gefesselt.
Am Steuer saß Umut nicht.

Für viele unter uns wäre das ein Grund, den Lebensmut zu verlieren. Nicht so für Umut. Er will leben, er will Musik machen, er will Spaß haben.

Er beginnt eine nun schon drei Jahre andauernde Therapie und kann schon kleinste Schritte wieder gehen.
„ Ohne meine Familie und die vielen Freunde würde ich es aber nicht schaffen“ sagt Umut und schielt verschmitzt rüber zu seinem besten Freund Ilyas, der ihm beim Reden etwas hilft.

Die Musik lässt ihn auch nach dem Unfall nicht los. Sie gibt ihm Kraft und lenkt ihn ab.
Moderne Technik ermöglicht es ihm, Texte zu schreiben und wieder zu rappen.

Mit Rapper Serc hat er bereits einen Song aufgenommen - „ Alles wird gut „ – so der Titel.

Ähnlich wie sein aktueller Song „ Umut Baba gibt niemals auf „ , soll der Inhalt der Texte Menschen mit Behinderungen Mut machen und ihnen das Gefühl geben, sie sind nicht allein.
„ Egal wie schwer es im Leben ist, es geht weiter „ , sagt Umut und versucht mir von seinen vielen Operationen die noch auf ihn zukommen zu erzählen.

Während mir sein bester Freund Ilyas davon erzählt, tippt Umut in Windeseile ( er tippt schneller mit dem Finger, als ich mit dem Stift schreibe ) ein paar Sätze in sein Smartphone. Seine Familie erkundigt sich nach ihm.

Ich frage ihn, warum man ihn eigentlich Baba nennt. Es heißt doch wörtlich übersetzt „ Vater“.
Umut lacht und sagt, dass ihm seine Freunde den Namen schon vor vielen Jahren „ verliehen „ haben, weil er ein Kämpfer ist und niemals aufgibt.

Während wir so reden fällt mir auf, jeder der in das Cafe kommt, geht direkt auf uns zu und begrüßt Umut. Er wird von jedem geliebt.
Er erzählt mir, dass sogar der Cafebetreiber eine eigene Rampe für ihn angeschafft hat, um einfacher hinein fahren zu können.

Ich will wissen, ob der Rollstuhl sein Freund oder Feind ist ?
„ Der Rollstuhl ist für mich Fluch und Segen zugleich, ich bezeichne ihn als unfreiwilligen Partner mit dem ich mich arrangieren muss“, sagt Umut.

Was ist sein größter Traum ?
„ Ich will irgendwann wieder laufen können und möchte weiterhin Musik machen, egal wie lange es dauert“, sagt Umut und grinst. „ Ich schaffe es, Du wirst sehen“ , fügt er hinzu. Ich glaube ihm.

In wenigen Tagen wird Umut Oral den Poptitan und Erfolgsproduzenten Dieter Bohlen treffen und vor ihm rappen. Umut geht zum Supertalent.

„Auch wenn es mit dem Supertalent nicht klappen sollte, war ich da und habe gezeigt, dass auch Menschen mit Behinderung ihren Weg gehen und den Kopf nicht in den Sand stecken.
Die Musik wird mich ein Leben lang begleiten“, betont Umut.

Neue Songs sind in Arbeit und einige Studiotermine stehen demnächst an.

Seine Willensstärke bewundere ich, sie berührt mich zugleich. Aber Mitleid spüre ich nicht. Warum nicht ? Ich fühle mich komisch.
Wir können eine Menge von diesem jungen 22- jährigen Mann lernen.

Während wir uns herzlich verabschieden und ich im Begriff bin zu gehen, ruft er mir nach
„ Du wirst sehen, irgendwann komme ich Dir entgegen und mache die Tür auf“, wir lachen beide und ich weiß er wird es tun, … irgendwann.

Fazit: Egal an welchem Ort diese Geschichte handelt, es gibt überall Mitmenschen die unsere Unterstützung brauchen und denen vielleicht Umut mit seiner Geschichte ein klein weinig Mut macht und hilft, ihren Weg zu meistern.


Artikel erscheint in verschiedenen Medien in D/A/CH.
* Ich werde Umut Oral (Baba) weiter begleiten und in Abständen über seinen privaten wie auch musikalischen Weg berichten.
Im Anschluss wurde mit Umut Oral ein Radio- Interview gemacht.
Infos unter: www.facebook.com/umut.baba.oral
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