Übernachtung auf der Hütte oder im Biwak – Wer auf Bergtouren in den Alpen unterwegs ist, hat die Wahl

Die Glecksteinhütte (2317 m) über der Oberen Grindelwaldschlucht im Berner Oberland.
 
Die Rifugio Cinque Torri (2137 m) vor dem gleichnamigen markanten Felsgeklüft bei Cortina D´Ampezzo in den Dolomiten.
 
Ein Abend an der Albert-Hütte (2727 m) am Glacier du Tour über Chamonix.
Berchtesgaden: Alpen | Für die meisten Bergwanderer oder Bergsteiger ist das wohl keine Frage. Eine Hüttenübernachtung gehört bei ihnen selbstverständlich zu einer Bergtour dazu. Nicht nur der Hüttenromantik wegen, sondern auch deswegen, weil es eine bequeme Angelegenheit ist. Man sitzt geschützt im Warmen, wird gut verpflegt, trinkt abends bei nettem Geplauder über seine Bergabenteuer ein Bier und hat ein Schlafquartier mit einem Dach über dem Kopf. Eventuelle Unbilden des Wetters können einen nichts anhaben.
Häufiger habe ich auf Berghütten übernachtet, und so manches Mal war es auch ganz nett. Doch eines konnte ich dort nicht, nämlich gut schlafen. Wenn zig Personen auf engem Matratzenlager nebeneinander liegen. Wenn jeder vierte davon schnarcht. Wenn sich die einen früh hinlegen, die anderen spät. Wenn die einen mitten in der Nacht aufstehen, die anderen aber erst in den frühen Morgenstunden. Wenn die ganze Nacht über ein ständiges Kommen und Gehen herrscht. Wenn die Luft stickig warm und zum Durchschneiden ist. Dann konnte ich nie vernünftig schlafen, und so war es fast immer.
Doch das muss nicht unbedingt sein. Es gibt eine Alternative dazu. Das ist das Biwakieren in freier Natur. Das ist etwas völlig anderes. Keine störenden Geräusche, keine dicke Luft, und um einen herum allerschönste Natur.
Und auch dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten, die ebenfalls ihre Vor- und Nachteile haben, die für mich allerdings besser sind, als jede Hüttenübernachtung. Man kann ein Zelt mitnehmen und es irgendwo im Fels oder auf einem Gletscher aufstellen. Natürlich hat man dann schwer zu schleppen, hat man doch auch noch Lebensmittel und Kocher dabei. Doch wenn man mehrmals übernachten möchte, lohnt sich das schon.
Flexibler aber ist man, wenn man auf das Zelt verzichtet. Ein Biwaksack tut es auch, auch wenn er nicht so komfortabel ist. Wenn man sich aber mit seiner Matratze und seinem Schlafsack darin verkriecht, kann es auch sehr gemütlich sein. Und normalerweise reicht ein solcher Biwaksack dazu aus, um sich vor dem Wetter zu schützen. Natürlich gibt es Ausnahmen, wie ich sie selber das eine oder andere Mal erlebt habe. Bei eisigen Temperaturen, stürmischen Schneetreiben und wechselnden Windrichtungen kann es schon sehr ungemütlich werden. Eine Öffnung zum Atmen braucht man eben, und dort hinein können stürmische Winde den Schnee treiben. So war meine Mütze dann trotz eines Biwaksacks vollkommen vereist. Und eine solche Nacht, in der man kein Auge zubekommt, kann dann sehr lang werden, will dann einfach nicht enden. Doch so ist es nur selten, eben in Extremfällen oder bei Notübernachtungen, wenn man durch ein Unwetter oder einen Wettersturz überrascht wurde. Wenn man, wo man sich gerade befindet, an Ort und Stelle übernachten muss, weil einem durch Schneefall oder Hagel und einfach deswegen, weil das Gelände zu gefährlich, zu glatt geworden ist, Weiter- und Rückweg abgeschnitten sind.
Aber selbst das hat seinen Reiz. Wenn man eine solche Nacht erlebt hat, dann kann einen so leicht kein ungeplantes Biwak mehr erschrecken. Man hat dann am eigenen Leib erfahren, dass man im Grunde fast überall biwakieren kann, wo und in welchem Gelände auch immer, und egal bei welchem Wetter. Notfalls auch im Sitzen auf schmalem Fels. Und man hat dabei erfahren und eine Ahnung davon bekommen, wie es den Leuten ergangen ist, über die man in Büchern gelesen hat und die in den Bergen oder in arktischen Verhältnissen biwakieren mussten. Man kann deren Erlebnisse zumindest ein wenig nachempfinden. Denen eines Shackletons, denen eines Scotts oder denen eines Franklins. Und so ungemütlich und strapaziös eine solche Nacht vielleicht auch war, so hat sie gerade doch aus diesem Grunde auch irgendwie Spaß gemacht. Man hat Abenteuerliches erlebt, was die gewöhnliche und oft eintönige Alltagswelt nicht zu bieten hat, und man wird es nie vergessen.

Doch normalerweise ist eine Biwaknacht nicht mit solchen Verhältnissen verbunden. Man liegt in seinem Lager irgendwo unter freiem Himmel. Meist umgeben von allerschönster Berglandschaft, und meist bei guten Wetterbedingungen, denn nur dann startet man normalerweise zu einer großen Bergtour. Man sieht keine Hüttenwände von innen. Man atmet die klare und frische Bergluft ein. Man schaut auf ein großartiges Panorama, vielleicht auf den Drei- oder Viertausender, den man erklimmen möchte. Oder auch weit ins Tal hinunter, wobei einem die Leute fast schon leid tun, die dort tief unten in ihren langweiligen Unterkünften schlafen und wohnen müssen. Man sieht die umgebenden Gipfel zum Sonnenuntergang rot aufglühen, und man sieht, wie die Nacht hereinbricht. Und mir geht es dabei so, dass ich dann vor lauter Begeisterung inmitten einer grandiosen, menschenleeren Natur kaum einschlafen kann. Ich möchte nur immer schauen. Aber wenn ich dann doch irgendwann eingeschlafen bin, dann schlafe ich wirklich gut, anders als auf einer Hütte. Bei höheren Minustemperaturen, was eher selten vorkommt, da sich die Klimaerwärmung auch in den Hochlagen stark bemerkbar macht, kann es dann doch mal etwas ungemütlich werden. Doch lange muss nicht gezittert werden, denn es wird ja schon mitten in der Nacht wieder aufgestanden und aufgebrochen, und das bei hellem Mondschein oder unter einem fantastisch funkelnden Sternenhimmel. Und wenn man dann losstapft, dann wird einem sowieso ganz schnell wieder warm.
Und noch etwas anderes spricht für ein Biwak. Wenn wir zu zweit unterwegs sind, haben wir die vollkommene Freiheit. Kein Quartier, das wir buchen müssen. Wir können jederzeit und überall unser Lager aufschlagen. Dort wo die Landschaft am schönsten ist, oder dort wo sich der geeignetste Platz für die folgende Bergbesteigung findet. Wir können es jederzeit wieder abbrechen oder dort länger verweilen. Alles ist möglich, und niemand hindert uns an unserem Vorhaben. Wir sind völlig frei in unseren Entscheidungen, wie man es sonst im Alltäglichen, wo alles auf irgendeine Art mehr oder weniger reglementiert ist, kaum erleben kann. Und allein das ist ein wunderbares Gefühl.
Noch einen Vorteil möchte ich aufzählen: Wenn man von einer Hütte aufbricht, dann geht man in der Regel nicht allein. Nicht selten ist man an Modebergen im Konvoi mit anderen unterwegs, auch wenn man sich nachher verliert, weil doch jeder sein eigenes Tempo einschlägt. Doch oft kommt es an Schlüsselstellen zu Staus, an denen man manchmal sogar länger warten muss. Wir starten jedoch früher. Meistens stehen wir bei großen Touren um ein Uhr nachts auf. Wir sind vor den anderen auf den Beinen, die erst später von den Hütten starten. Wir haben die Landschaft für uns allein, sind oft die Ersten auf einem Gipfel. Und es ist gerade das, was eine Bergtour noch reizvoller, noch abenteuerlicher und noch erlebnisreicher macht. Und genau das ist unser Ziel.
Doch nicht jeder muss das haben. Den meisten geht eben die Bequemlichkeit einer Hütte vor, und viele haben ein Biwak einfach auch noch nicht ausprobiert. Ich kann es jedenfalls jedem, der in den Bergen unterwegs ist, empfehlen. Es einfach mal versuchen. Man ist der Natur um so Vieles näher, fühlt sich irgendwie von ihr aufgenommen, ist ein Bestandteil von ihr. Es sind intensivste Erlebnisse, die man dabei erfährt. Und die können das Leben, und das nicht gerade wenig, um so Vieles bereichern.
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4 Kommentare
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Shima Mahi aus Langenhagen | 11.01.2014 | 21:43  
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Elena Sabasch aus Hohenahr | 11.01.2014 | 22:35  
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Giuliano Micheli aus Garbsen | 13.01.2014 | 13:12  
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