Bautzen – (5) Der St.Petri-Dom – Wohngemeinschaft unter dem Kirchendach

 
...erscheint in immer wieder neuem Licht, wenn man sich nur um seinen Turm bewegt
 
...mal wuchtig - mal schmächtig

Bautzen: St.Petri Dom | Bautzen – (5) Der St.Petri-Dom – "Wohngemeinschaft unter dem Kirchendach"*

Um 1000 wurde an der Stelle des heutigen Doms die erste Pfarrkirche errichtet. Zwischen 1213 und 1221 erfolgte die Gründung des Domstiftes St. Petri und gleichzeitig der erste Dombau. Nach 1430 erhielt der Dom seine heutige Gestalt. 1456 wurde das vierte, südliche Schiff errichtet und 1492/97 fand der spätgotische Hallenbau seinen Abschluss. Nach dem Stadtbrand von 1634 wurde der Bau wiederhergestellt und das Innere im barocken Stil ausgestaltet. Von den ursprünglich zwei geplanten Türmen wurde nur der Südturm ausgeführt und 1664 mit einer Barockhaube versehen.

Es wird für viele Besucher Bautzens ein ganz neues Wort sein, dass ihnen bei der Stadtführung begegnet, wenn es um den St.Petri-Dom geht. SIMULTANKIRCHE. (ich hörte jemanden aus dem Prospekt der Stadt „Simulatenkirche“ lesen!)
Der St.-Petri-Dom ist heute die Pfarrkirche der röm.-kath. Dompfarrei St. Petri UND der Evang.-luth. Kirchgemeinde St. Petri. Bischof Bruno II. von Meißen hatte 1221 in Bautzen ein Kollegiatstift errichtet, eine Gemeinschaft von Klerikern, die zusammen lebten, beteten und die Seelsorge für die Bürger ausübten. In der Reformation schloss sich der größte Teil der Einwohner dem lutherischen Bekenntnis an. Dekan Johann Leisentrit (1559-1586) ist es wesentlich zu verdanken, dass zwischen den Bürgern und dem katholisch gebliebenem Domstift die Nutzung des Domes durch Verträge einvernehmlich geregelt werden konnte. 1848 wurde der Dom auch im Blick auf die Eigentumsfrage aufgeteilt. Als Papst Benedikt XV. 1921 das katholische Bistum Meißen wieder errichtete, wurde Bautzen Bischofssitz und der Dom Kathedralkirche. 1980 verlegte Papst Johannes Paul II. den Sitz des Bistums und des Domkapitels nach Dresden. Seitdem ist der Bautzener Dom für die katholischen Christen zweite Bischofskirche (Konkathedrale) des Bistums Dresden-Meißen. In den Räumen des Domstiftes neben der Kirche befinden sich heute Archiv und Bibliothek des Bistums und des Kapitels sowie die Domschatzkammer.
Der St.Petri-Dom ist die erste Simultankirche Deutschlands, sie ist bis heute die größte und sie ist die einzige Bischofskirche dieser Art!
„Der Dom St. Petri gehört zu den Kirchenbauten mit einem stark ausgeprägten Achsenknick. Für diese Abweichung von der geraden Linie gibt es sehr viele verschiedene Erklärungsmodelle, von denen jedoch keines als sicher angenommen werden kann. Eine Erklärung dafür ist, dass der Dom zu Beginn anstelle bzw. auf den Grundmauern einer anderen Kirche gebaut wurde und man sich bei der Erweiterung der Kirche an den umliegenden städtebaulichen Gegebenheiten orientierte. - Zudem war augenscheinlich der Bau eines zweiten Kirchturmes vorgesehen. Dies ist insbesondere an der asymmetrischen Bauweise zu erkennen, wenn man vor dem Haupteingang an der Längsseite am Bauwerk hinaufschaut. - Am Turm befindet sich ein außenliegender Aufzug, der vom Türmer zum Heraufziehen seiner Einkäufe benutzt wird, denn es wohnt noch immer ein Türmer auf dem Turm“ (aus Wikipedia)

Die Ausstattung des katholischen Domteiles stellt sich so dar:
Der Hochaltar hergestellt aus sächsischem Marmor, und stammt aus dem Jahr 1723; die Altarbilder von Antonio Pellegrini (1675-1741): Jesus übergibt Petrus die Schlüssel des Himmelreiches (Mt 16,19), darüber: ist Gottvater mit der Weltkugel erkennbar. Die Sandsteinplastiken von Benjamin Thomae (1682-1751) zeigen unten: Johannes der Täufer und Johannes der Evangelist, oben: Bischof Benno (mit Fisch und Schlüssel) und Bischof Donatus (die Patrone des Bistums Meißen), Engel mit Spruchbändern (Röm 11,36), als Bekrönung der Erzengel Michael, Patron der Stadt
Bautzen. Der neu nach vorn gezogene Altartisch stammt von 1772.

Der Marienaltar im südlichen Chorumgang stellt sich dar als spätgotischer Flügelaltar – im Mittelschrein sind Maria und dem Jesuskind dargestellt, dazu Bischof Nikolaus von Myra und Apostel Bartholomäus.

Der Sakramentsaltar an der Nordseite des Chorumganges ist eine farbig gefasste Holzschnitzarbeit des böhmischen Bildhauers Jan Hajek aus dem Jahr 1783. Der ursprüngliche Standort war die katholische Sakristei. Bestimmt für den Empfang des Bußsakramentes und die Aufbewahrung der Eucharistie, entfaltet der Altar ein anschauliches Bildprogramm: am Beichtstuhl für die Frauen Maria Magdalena mit dem Salbgefäß (Joh 12,3), am Beichtstuhl für die Männer Petrus mit dem Hahn (Mt 26,34), im Mittelteil die Sinnbilder für den Glauben (das Kreuz) und die Hoffnung (der Anker), der Tabernakel selbst Symbol der Liebe. Auf dem Tabernakel Christus als das Lamm mit der Siegesfahne über dem Buch mit den 7 Siegeln (Offb 5,9).

Die Orgel auf der Südempore stammt aus der Bautzener Werkstatt Kohl und wurde im Jahr 1865 aufgebaut

Und nun durch das kaum noch wahrnehmbare Gitter in den evangelischen Teil:
Der Abendmahlsaltar
Südschiff, unbekannter Zittauer Bildschnitzer, 1640; umfangreiche Restaurierung 1995-1999.
Im unteren Feld Darstellung des Abendmahles, im Mittelfeld die Kreuzigung Christi (vor dem Hintergrund der Stadt Bautzen?), im oberen Teil die Auferstehung Christi, in der Bekrönung Christus auf dem Regenbogen als Weltenherrscher und Weltenrichter. Texte aus der Heiligen Schrift und weitere Szenen unterstreichen die gerade für das protestantische Glaubensverständnis wichtigen Glaubensaussagen.

Auch hier gibt es eine Orgel und diese stammt aus der Werkstatt des Bautzener Orgelbauers Hermann Eule, 1909. Der Orgelprospekt, die Orgelempore, die Ratsloge (mit Stadtwappen) und die sich anschließenden Nordemporen stammen vom Dresdner Architekten Fritz Schumacher (1910, Jugendstil).

* = in Anlehnung an das Buch
„Wohngemeinschaften unter deutschen Kirchendächern: Die simultanen Kirchenverhältnisse in Deutschland - eine Bestandsaufnahme“ von Heinz Henke – erschienen bei Weltbild)



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