20 Jahre Deutsche Einheit - Dein ganz persönlicher Rückblick!
Naumburg (Saale): Salzstraße | 20 Jahre Deutsche Einheit - Große Jubiläen der Geschichte bieten immer wieder Anlass, mit persönlichen Erinnerungen zurückzublicken, die mal positiver, mal negativer Art sein können. Klar, jeder hat seine eigenen Erfahrungen gemacht, jeder Lebenslauf birgt andere Stationen.
Begleitend zu einer Leseraktion des Naumburger Tageblatt/MZ fragen wir euch, was verbindet ihr mit 20 Jahre Deutsche Einheit. Das können Erinnerungen ganz alltäglicher Natur sein: Welche Geräte aus der DDR-Zeit finden sich noch in eurem Haushalt, vielleicht werden diese auch noch regelmäßig genutzt. Gibt es vielleicht zu einem bestimmten Stück eine spezielle Anekdote zu erzählen?
Oder habt ihr möglicherweise etwas ganz Besonderes am 3. Oktober 1990 erlebt? Wie schätzt ihr allgemein 20 Jahre Deutsche Einheit ein? Was hat euch in dieser Zeit besonders geprägt?
Wir wollen mit euch das Jubiläum würdig begehen und freuen uns über Kommentare und zahlreiche Beiträge. Interessante Berichte und Kommentare werden wir begleitend zur Leseraktion oder auf unserer myheimat-Seite im Tageblatt/MZ veröffentlichen.
Eins meiner Erlebnisse in der ehemaligen DDR war folgendes vor ca. 25 Jahren.
Wir waren von Fritzlar in Nordhessen mit einem Reisebus nach Eisenach gefahren um dort die Wartburg, das Bachhaus und die Stadt selbst zu besuchen.
Bei der Einreise mußten wir, ich glaube es waren 25,- DM in 25,- Mark Ost umtauschen.
Außerdem wurde unsere Reiselektüre, wie der "Stern" oder irgendwelche Tageszeitungen eingesammelt und beschlagnahmt, ich vermute den Grenzwächtern war der Dienst zu langweilig und die Lektüre war ihnen willkommen.
Nach der Besichtigungstour durch Eisenach und der Wartburg war Zeit zur freien Verfügung.
Wir wollten etwas Essen und gingen in ein Restaurant, ich glaube es hieß
"Zur Sonne". Beim Eintritt in das Lokal, es war etwa zu einem Drittel besetzt, nahmen wir an einem freien Tisch Platz.
Doch wir hatten nicht mit dem "Dragoner" gerechnet der nun wutschnaubend auf uns zukam.
"Warten sie gefälligst dort an deeem Stuhl, sie werden von dem Personal eingewiesen!"
Ob der freundlichen Begrüßung zogen wir von Dannen und fanden noch etwas Freundlicheres.
Von dem restlichen Geld in DDR-Währung kaufte ich mir bei einem sehr netten Bäcker einen Baumkuchen, und das war ein Fehler, denn.....
Bei der Rückfahrt am Grenzübergang Herleshausen kam ein "Volkspolizist" mit einem Bauchladen vor der Brust in den Bus und verteilte Ausreiseformulare die von uns ausgefüllt werden sollten.
Eine Rubrik hieß: "Was führen sie aus der DDR aus?"
Ich schrieb wahrheitsgemäß: "Einen Baumkuchen"
Nachdem der "Volkspolizist" die Zettel wieder eingesammelt hatte, wandt er sich zu mir und sagte im breitesten sächsisch: "Nen´ Booomkuchen hatter gekoooft, nen´Booomkuchen!".
Meine Antwort war: "Ist das verboten?"
Daraufhin durfte ich den Bus verlassen und durfte etwa 3 Stunden in einer Baracke auf einem Stuhl in einem leeren Raum warten, dann durfte ich wieder in den Bus steigen.(durfte,durfte,durfte, was für ein Scheiß System)
Meine Mitfahrer im Bus: "Warum hast du nicht den Mund gehalten, du weißt doch wie die sind!"
Ich wußte es, aber ich wollte es nicht wahr haben.
Während der 3 Stunden in der schäbigen Baracke schwor ich mir, nie wieder in dieses Land zu fahren, es sei denn diese menschenverachtenden Grenzkontrollen würden wegfallen.
Fünf Jahre später war das so.
Ich habe danach 14 Jahre in Bad Liebenstein von Montags bis Freitags gelebt, am Wochenende war ich bei meiner Familie in Nordhessen.
Thüringen ist immer noch ein sehr schönes Land, auch ohne diese "Volkspolizisten". :-)))
Oder möglicherweise genau deswegen? .....Ja!
Es war Frühjahr 1962 und ich besuchte meine Großmutter in Nordthüringen,
ich kam mit der Bahn im Nachbarort an und fuhr mit einem Taxi die verbliebenen vier Kilometer zum Wohnort der Großmutter.
Schon in der Bahn fiel mir im Bereich des Grenzübergangs die gedrückte Stimmung der Reisenden auf,
Auch der Taxifahrer mit seinem älteren Wartburg verhielt sich für meine Begriffe sehr komisch, denn er wollte unbedingt die Beifahrertür selbst schließen.
"Ihr Westler haut immer die Türen so fest zu und wissen sie, wir haben Ersatzteilprobleme wenn zum Beispiel das Türschloß kaputt geht".
Am zweiten Tag meines Aufenthaltes bekam ich eine Einladung zu einem Gespräch, meine Oma sagte: " Geh bitte hin, sonst bekomme ich Probleme".
Es waren zwei Herren, ein Lehrer und einer von der Partei.
Das Gespräch begann mit viel Blahblah und Zigarettenrauchen, (damals gab es noch kein Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden) auf meine "Peter Stuyvesant Zigaretten" griff man gerne zu, nach ca. 2 Stunden war die Packung leer.
Man fragte mich nach meiner Schulbildung und betonte, daß man in der DDR auch ohne Abitur die Offizierslaufbahn machen könne.
Ich betonte, ich hätte keine Ambitionen dies zu tun, was bei den Beiden auf Verständnislosigkeit stieß.
Noch ein wenig Blahblah, die Frage nach der politischen Ausrichtung und dem Verhältnis zur DDR und noch ein wenig Blahblah, dann konnte ich wieder gehen.
Ein halbes Jahr später wurde ich zur Bundeswehr eingezogen, unser Kompaniechef sprach mich an:"Sie haben doch Mittlere Reife und eine Berufsausbildung als Werkzeugmacher, da können sie doch die Offizierslaufbahn einschlagen".
Ich antwortete, daß ich keine Ambitionen in diese Richtung hätte und nur meine 18 Monate Wehrpflicht ableisten wolle.
Was auch bei ihm auf Verständnislosigkeit stieß. Wie sich doch die Denkweisen gleichen.(siehe oben)
Meine Oma ist im Folgejahr zu uns übergesiedelt, jedoch mußte sie, um die Ausreise genehmigt zu bekommen 500 NAW Stunden leisten.
Sie hat mit ihren 65 Jahren mit der Schippe bei den Ausschachtarbeiten des örtlichen Schwimmbades helfen müssen!
(Erklärung für "Westler": NAW = Nationales-Aufbau-Werk)
Da ich sowieso gerade etwas über dieses Jubiläum geschrieben habe, warum soll das dann nicht auch hier stehen:
20 Jahre Deutsche Einheit
An den Tag der Wiedervereinigung vor 20 Jahren kann ich mich noch genau erinnern. Damals studierte ich in Leipzig. Natürlich war ich mehr als froh gewesen, als die Wende die DDR, so wie ich sie kannte, ins Wanken und schließlich zum Einsturz brachte. Kurze Zeit lang schien alles möglich zu sein: Die Neuordnung der Gesellschaft, Demokratie, Freiheit, Gerechtigkeit, Mitbestimmung, Leben im Einklang mit der Umwelt und den Mitmenschen. Träume schienen sich zu verwirklichen von direkter Demokratie und eigenverantwortlicher Gestaltung des Lebens und der Gesellschaft. Das waren die großen Idealbilder. Doch auch viele einfache Alltagsphantasien waren plötzlich Wirklichkeit geworden: Einmal durchs Brandenburger Tor laufen und dann weitergehen können. Oder: In Naumburg in den Zug steigen und ohne Grenzkontrollen oder Umsteigen bis Basel durchfahren können. - Ja, vieles war damals plötzlich wirklich und alles schien möglich.
Doch nach und nach schränkten sich die Möglichkeiten wieder ein: Je mehr man über die katastrophale DDR-Wirtschaftslage erfuhr, desto deutlicher wurde, dass sich Ostdeutschland nicht aus eigenen Kräften würde über Wasser halten können. Und je deutlicher uns die Unterschiede der Lebensstandards in Ost und West bewusst worden, desto größer wurden die Sehnsüchte im Osten, möglichst schnell auch so gut leben zu können wie im Westen. Die Waage des Aufbruchs neigte sich zur Anpassung. Nachdem das Experiment Sozialismus so grandios gescheitert war, hatten auch nur noch die Wenigsten Lust auf weitere gesellschaftliche Abenteuer. So wurde unhinterfragt so schnell wie möglich die westdeutsche parlamentarische Demokratie übernommen – in der Hoffnung, dann auch sofort wie durch Zauberei westdeutsche Lebensstandards zu erreichen.
Mir ging das damals zu schnell. Ich hätte gerne mehr direkte Demokratie gehabt: Runde Tische, Volksentscheide und dergleichen mehr. Natürlich wollte ich gerne bei freien Wahlen abstimmen. Aber dennoch wollte ich meine Stimme nicht einfach jeweils für vier Jahre abgeben, sondern meine Mitbestimmung behalten.
Wie auch immer: Am allerersten Tag der deutschen Einheit – einem wahrhaft goldenen Oktobertag - fuhr ich mit meinem Onkel und meiner Tante zu einer meiner anderen Tanten nach Wolfen. Und weil mein Onkel ein kunstsinniger Mensch war, sahen wir uns erst noch schnell die romanische Kirche in Thalheim an, ehe wir zu meiner Tante weiterfuhren, die ja sowieso erst noch im Gottesdienst Orgel spielen musste. Wir alle hatten keine rechte Lust, die deutsche Einheit zu feiern, also feierten wir stattdessen den 95. Geburtstag meiner auch damals schon seit Jahren verstorbenen Großmutter.
Das erste Mal uneingeschränkt froh über die Wiedervereinigung war ich erst knapp ein Jahr später, als durch den Augustputsch in Moskau Michail Gorbatschow festgesetzt wurde und man zunächst befürchten musste, dass der KGB und die Militärs in der damaligen Sowjetunion die Macht wieder übernehmen würden. Auf einmal fühlte ich mich beschützt durch die Einbindung nach Westeuropa. Gott sei Dank war dieser Spuk aber ja sowieso bald wieder vorbei.
Nun ja, es wäre jetzt billig, Bilanz zu ziehen und zu sagen, dass es mit den blühenden Landschaften ja nach wie vor nicht allzu weit her ist – auch wenn es stimmt. Insgesamt jedoch bin ich froh über all das, was sich während der letzten 20 Jahre verändert hat. Das Bild der Städte, Dörfer und Häuser hat sich doch grundsätzlich gewandelt: Von grauen, bröckelnden Fassaden und schleichendem Verfall hin zu weitgehend schmucken Häusern, Gehöften und Straßen. Oder auch allein schon die Kirchen, die sich doch buchstäblich alle in den letzten 20 Jahren gemausert und herausgemacht haben. – Nebenbei bemerkt: Es wäre mal interessant, sich Fotos von Kirchen aus den 80er Jahren anzusehen. Vielleicht haben Sie ja noch etwas davon in Ihren Fotoalben? – Ganz abgesehen von all dem Vereins- oder Gemeindeleben, das sich jetzt frei entfalten kann und nicht mehr mit tausenderlei Reglementierungen herumschlagen muss. Auch all die demokratischen Gepflogenheiten, wie Reise-, Meinungs-, Presse- und Versammlungsfreiheit oder auch Rechtssicherheit, sind uns so selbstverständlich geworden, dass wir sie nicht einmal mehr bemerken.
Und doch bleibt uns noch allerlei zu tun übrig: Zum Beispiel das Leben in unserem Bundesland so zu gestalten, dass nicht nach wie vor jährlich 2 % der Bevölkerung in andere Teile Deutschlands abwandern. Wo sind die Arbeits- und Lebensperspektiven, die junge Leute zum Hierbleiben bewegen können?
Alles in allem: Das einheitliche Deutschland ist noch lange nicht erreicht. Aber ein gutes Stück sind wir doch schon vorangekommen.
Hat eigentlich Einer mal darüber nachgedacht, wenn alles schief gegangen wäre. Was hätte alles passieren können. Viele hatten auch einfach nur Angst. Der Westen war genau so wirtschaftlich ausgereizt. Der Wohlstand angekommen, der eigentlich gar nicht mehr finanzierbar ist. Nur konnte das durch die Wiedervereinigung verdeckt werden. Hier konnten die Produzenten ihre Waren loswerden. Die Geschäfte wurden reichlich bestückt. Viele unserer Betriebe haben aufs Billigste für den Westen produziert. Nun ist es China und Co. In unserem Betrieb wurden sogar die Preisschilder schon in DM für Neckermann dran gehangen.In den westlichen Besatzungszonen wurde geholfen bei uns von den Russen demontiert was übrig war. Ich glaube keiner von beiden Staaten ist besser oder schlechter. Das wird sich wohl die Waage halten. Meinungsfreiheit gibt es auch im vereinigten Deutschland nicht. Jeder kann das in politischen Talkshows beantwortet kriegen. Für die meisten Deutschen werden eh nach dem Heimatprinzip denken und nicht immer was besser oder schlechter ist.
Zitat:
"Der Westen war genau so wirtschaftlich ausgereizt. Der Wohlstand angekommen, der eigentlich gar nicht mehr finanzierbar ist. Nur konnte das durch die Wiedervereinigung verdeckt werden."
Frage:
Wo kam denn das Geld eigentlich her, wenn doch der Westen finanziell ausgereizt war ?
(Begrüßungsgeld oder der Umtausch von wertloser Ostmark in D-Mark)
Zitat:
" Meinungsfreiheit gibt es auch im vereinigten Deutschland nicht."
Frage;
Haben wir eine Stasi, die die eigenen Bürger bespitzelt?
Sind wir doch froh jetzt ein Deutschland zu sein !
Es ist schon richtig, wenn ein Staat der mal zusammengehörte auch wieder zusammen kommt. Meine Eltern kannten alle Umstrukturierungen und haben viel miterlebt, währungsverfall u.u.u. Bloß man kann doch nicht ständig sagen, die DDR war schlecht und ein Unrechtstaat. Beide haben Dreck am Stecken. Nur, dass es viele Menschen gab, die auch unheimlich Angst vor dem Ungwißen hatten, wird nicht mehr erwähnt. Wir wurden in eine andere Welt geschmießen, die wir nicht kannten. Umgedreht war es leichter, für die neuen Generationen ist das schon wieder anders und nicht jeder Flüchtling war ein Politischer. Viele trieb es aus wirtschaftlichen Gründen rüber. Hier in der Gegend machten so Einige vor Grenzschließung z. B. in die BRD, weil sie Dreck am Stecken hatten. Beide Staaten müssen aufräumen nicht nur wir.





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