Der Deister im Wandel der Zeiten
Buchstäblich von Kindesbeinen an war Schreiberling im Deister unterwegs... in den 60-er Jahren noch oft in elterlicher Begleitung .. und dann bis in die 80-er Jahre auf eigene Faust.
Möglichkeiten gab es viele; mannigfaltige kleine Waldstrassen und auch verschwiegene aber begehbare Wege durchzogen den Deister. Für nicht so Ortskundige, wie z.b. die wochenendlichen Wandererscharen aus Hannover , gab es Wegmarkierungen zur Genüge: kleine bunte Farbstreifen an markanten Bäumen kennzeichneten die bewährten Wanderrouten; ergänzend hierfür gab es auch Wanderkarten. Später kamen als Deluxe-Variante kleine verschiedenfarbige Metallplaketten mit dem Basche-Logo an die Bäume.
Die Wanderer und Spaziergänger und wenigen Fahrradfahrer (es gab noch keine Mountain-Bikes) bewegten sich meist sehr naturverbunden durch den Deister. Nur zu Himmelfahrt ( ja, so heißt der Vatertag eigentlich !) wurde es lebhaft mit FRÖHLICH durch den Wald ziehenden Gruppen Jugendlicher und (junggebliebener) Erwachsener.. auch Schreiblerling war hier stets dabei...wobei etliche Mengen alkoholischer Getränke mitgeführt wurden.. traf man auf andere Leute hierbei, so freute man sich.. und auch an diesem Tag konnten sich jung und alt im Wald bewegen, wie sie wollten, ohne irgendwelche Befürchtungen haben zu müssen.
Und jede Schule machte ihre Wanderungen im Deister. Schreiberling war seit Grundschulzeiten bis zum GTGB unzählige Male zu irgendwelchen Klassenwanderungen am Nordmannsturm – und es war jedes Mal irgendwie toll.
Auch damals gab es nicht nur Wanderer im Deister. Es wurde Holz eingeschlagen und neue Kulturen begründet von einer ansehlichen Truppe von Forstarbeitern...gerückt wurde das Holz per Unimog und mit Seilzugwinden... die zuständigen Förster bewegten sich per Dienstkäfer oder später schon privilegiert per Golf durch den Wald... ja und auch so gelangten sie stets im entlegendsten unwegsamsten Forst an ihre Einsatzstellen ... und diese Revierförster waren eine Institution, die man seit Jahren mit Namen kannte und die ihr Revier „wie ihre Westentasche“ kannten..
Einige wenige Bürger der anliegenden Gemeinden „gingen Holzmachen“ im Deister. Auch Schreiberling rückte manchmal mit seiner Motorsäge aus, um Brennholz zu sägen. Zur Fahrt in den Wald benutzte er sein Motorrad: die Säge wurde auf dem Sozius festgebunden, Benzin und sonstige Ausrüstung wurde in den Motorradkoffern verstaut. So gelangte er mit seiner BMW in Enduro-Manier an entlegene Ecken im Forst.
Und ansonsten heulten einige Jahre lang die Stromaggregate der Natostation auf dem Kammweg und ganz wichtige Amis und Holländer kurvten auf ihrer feinen Asphaltstrasse herum. Ja und zu Herbstmanöverzeiten versuchten sich dann NATO-Panzer im Geländefahren; die Förster waren hellauf begeistert jedes Mal... wenn die gewusst hätten dass heutzutage Harvester und Co gleiche Schäden anrichten.
Und der Postturm wurde gebaut, ein bauliches Highlight in jener zeit, vielbestaunt von Wanderen. Auch er erhielt eine piekfeine Asphaltstrasse.
Ansonsten traf man noch auf Jagdpächter, die sich noch teilweise zu fuß oder per Fahrrad von zuhaus zu ihrem Ansitz bewegten; leicht zu verstehen, wie gut sie aus dieser Perspektive ihr Jagdrevier kannten.
Beruflich war Schreiberling dann seit den 90-er Jahren bis 2010 dann aus dem Deister „verschollen“. Und hatte ziemlich den Kontakt verloren. Nur einmal las er vollkommen ungläubig in einer Zeitung, dass nun Polizeihundertschaften zu Himmelfahrtzeiten den Deister bewachen müssen.
Dann war Schreiberling zurück. Und geht seither wieder immer mehr in den Deister.. wandern, laufen, mountainbike-fahren .Und sieht:
Es gibt grosse Waldstrassen jetzt auf denen Forstbedienste in grossen Geländewagen, grosse Harvester und Forwarder sowie bis in die Nacht Holztransport-Lkw fahren.
Gesäumt sind dies Strassen oft mit Schildern: Halt- Wildruhezone. Betreten gm. § Schiesmichtot verboten, o.ä.. Altbekannte Nebenwege sind so teilweise gesperrt worden. Manche Pfade sind auch vollkommen verkrautet; ein Zeichen: hier wandert oder fährt schon seit langem keiner mehr.
Jedoch die ehemaligen Prachtasphaltstrassen zum Postturm oder zur Nato-Station mag man nicht mehr unterhalten; das Wetter und die Forwarder werden ihnen in Kürze den Rest geben.
Es gibt jetzt richtig grosse Massivholz-Wegweiser. Aber die sind auch schon Auslaufmodell, wie Schreiberling erfahren hat. Neue, noch tollere Wegweiser warten schon. Und die Pflege der vorhandene Wegzeichen wäre auch wirklich zu teuer. Genauso ist es mit den altgedienten ehemals grünen Holzbänken aus den 60-er Jahren, die zwar trotz null Pflege immer noch nutzbar sind, aber so nun auch wohl den Weg allen vergänglichen gehen sollen.
Es gibt weniger Wanderer im Deister, dafür mehr Gassigänger in den ortsnahen Wegen und Mountainbiker jeder Couleur. Die Holzselbstwerber haben sich explosionsartig vermehrt. Besonders an Wochenenden fährt (natürlich mit PKW und Anhänger oder Traktor ) und sägt es im Deister an allen Ecken und Enden¸ das Ganze dann gern als Familienhappening mit Frau und Kind. Aber alle Säger haben jetzt eine Sicherheitsausrüstung incl. Lehrgang.
Das letzte Himmelfahrtswochenende und auch die Wochenenden danach haben es Schreiberling leider bestätigt: ja es muss Polizei im Wald saufende Mitbürger in ihre Schranken weisen. (kein Kommentar)
Wohl als Quintessenz hiervon fühlt sich Schreiberling jetzt auch öfters von Forstbediensteten aus dem Auto heraus misstrauisch beäugt im Wald; egal ob er auf einer Bank sitzt oder ruhig durch den Wald radelt. (aber vllt. sieht er auch gar zu schrecklich aus, gg )
Der Deister ist lauter geworden von Maschinenlärm, die Forwarder etc. schädigen immens die Natur.. insofern sind Wildruhezonen ein Absurdum an sich....( ja ich weis: der Forst muss wirtschaftlich verwaltet werden – Hackschnitzel für Soltau -) aber der Deister ist immer noch ein wunderbares grünes Paradies für Menschen die es sehen können.




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