Wie im Himmel

Barsinghausen: Deister Freilichtbühne | Irgendwie spielte der Himmel tatsächlich mit an diesem Premieren-Nachmittag in der Deister-Freilichtbühne. Manchmal gab es kleine Sonnenlücken im grauen Himmel, dann war es wieder düster. Und das entsprach durchaus den Stimmungen, die der Inhalt dieses Stückes verbreitet. Er steht ja oft zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt. Es ist also kein leichtes Stück, dass sich Kai Pollak hier ausgedacht hat und dessen Verfilmung wohl vielen Besuchern gegenwärtig ist. Das ist eine Hypothek!

Aber die Schauspieler dieser Laienbühne zeigten in der Premiere, dass sie so einen Stoff meistern können.
Der berühmte Dirigent, für den schon die nächsten 8 Jahre seines Lebens vorgeplant sind, steigt aus. Er landet mehr oder weniger ungewollt in einem kleinen Ort - seinem Geburtsort - weit weg von der großen Welt des Ruhms bei einem dörflichen Kirchenchor. Und hier packt ihn, der vom Ehrgeiz getrieben ist, ein anderer Ehrgeiz: „Schon als kleiner Junge hatte ich einen Traum…“

Die Geschichten um die Menschen in diesem Chor, der Kampf des Aussteigers und nun Chordirigenten mit seinen Gefühlen – ist es Liebe? -, der Kampf des Pfarrers mit ihm und der steigende Erfolg des Chors sind die Haupthandlungsstränge bis zum plötzlichen Ende.

Daniel Daräus als Dirigent zeigt eine Bandbreite von Gefühlen. „Wie kann man sich sicher sein, dass es Liebe ist?“, ist ebenso immer wieder die Frage wie auch der rasende Ehrgeiz, sich einen Traum zu erfüllen. Timo Karasch in dieser Rolle zeigt diese Gefühlsfassetten und – umschwünge. Dabei ist er ständig den Vorverurteilungen des Pfarrers – überzeugend zwischen Leidenschaft und Überheblichkeit gespielt von Uli Wagner – ausgesetzt. „Das was heute Nacht zwischen uns war, ist nie passiert.“ Der Moralapostel mit dem Doppelleben. “Die Kirche hat die Sexualität der Menschen mit Sünde belegt.“ Stellt seine heimliche Freundin fest. Auch sie spielt diese Rolle zwischen Verführung und Vorwurf überzeugend. Gabriella, die Frau des schlagenden Conny und Solosängerin, die mit dem im Chor wachsenden Selbstbewusstsein lernt, ihre Eheprobleme zu lösen, zeigt eine wichtige Entwicklung in diesem Stück an.
Aber es gibt auch Rollen, die in der heutigen Zeit wichtig sind, ins Licht gerückt zu werden. So ist die Wandlung des zwar mitgenommenen, aber doch zunächst am Rande stehenden, behinderten Chormitgliedes in eine fast tragende Rolle im Chor nicht unbedeutend – und hervorragend gespielt.

Nur Schlaglichter aus einer gelungenen Premiere zwischen Sonne und grauen Wolken. Ein sehenswertes Stück, das wieder die Zuschauer wieder einmal vergessen lässt, dass hier Laien auf der Bühne sind - und ein ehemaliger Bürgermeister dieser Stadt.
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