Mann oh Mann, irgendetwas machen wir Behinderte falsch!

Mann oh Mann, irgendetwas machen wir Behinderte falsch!
Ich habe nichts gegen Frauenparkplätze oder Mutter- Kind Plätze oder gar Radfahrer.
Mir ist nur aufgefallen, dass das sogar in der Presse schon erwähnt wird. Da werden unsere Radfahrer auch die mit dem goldenen Lenker, schon am Ortseingang mit einem eigen für Sie kreiertem Schild begrüßt. Da werden Fahrbahnen blau gestrichen, Wegweiser mit Km Angabe angebaut. Da werden Bürgersteige zu Radrennpisten umfunktioniert.
Mittlerweile werden Behindertenparkplätze in Mutter- Kind Parkplätze umbenannt obwohl Sie KEINE Parkberechtigungsscheine haben und sich jeder ungestraft dorthin stellen kann. Entgegen uns Behinderte, wir haben einen Parkberechtigungsschein, aber dann keinen Parkplatz mehr. Wie wir mit dem Rollstuhl aus dem Auto kommen sollen ist unseren Kommunalpolitiken egal, wir haben keine Lobby und auch keinen Behindertenbeauftragten. Wann wird endlich mal Artikel 3 Absatz 3 des Grundgesetzes befolgt. Denn da steht wörtlich:
(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.
Berlin (kobinet- Nachrichten03.08.2011 - 21:29 )
Ohne sich im Geringsten um die vernehmlichen Signale aus der Behindertenbewegung und die eigene Selbstverpflichtung aus der UN-Behindertenrechtskonvention zu scheren, beschloss das Bundeskabinett eine "Liberalisierung" des Fernbusverkehrs.

Sollte dieser Entwurf Gesetz werden, hieße das, dass Menschen mit Behinderungen - insbesondere Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer - auf Jahrzehnte hinaus von der Benutzung dieses "öffentlichen Verkehrsmittels" ausgeschlossen würden.

Statt Barrierefreiheit vorzuschreiben - solche Rahmenbedingungen zu schaffen, gehört zu den vornehmsten Aufgaben des Gesetzgebers -, lässt sich die Bundesregierung von einflussreichen Lobbyisten ein Gesetz diktieren, das geltendem Recht eindeutig widerspricht. Sollte es erst einmal in Kraft sein, höre ich schon die heuchlerische "Argumentation", dass man einsehe, dass barrierefreie Fahrzeuge "eigentlich" benötigt würden, nun aber - leider, leider - schon umfangreiche Investitionen in "normale" (als wenn Aussonderung "normal" sei!) Busse getätigt worden wären. Diese müssten sich erst einmal amortisieren und einen kleinen Gewinn abwerfen. Das dauert durchschnittlich 15 Jahre.
Wenn dann die Bahn sich auf Gleichstellung beruft, kommt kein Rollstuhlfahrer mehr von A nach B mit öffentlichen Verkehrsmitteln.
Wir können unter Berufung auf die UN-Konvention darum kämpfen, dass der Begriff "öffentliches Verkehrsmittel" nur verwendet werden darf, wenn es wirklich Jede und Jeden mitnimmt. Das muss ein "Ehrentitel" werden, den man sich verdienen muss. Dafür müssen endlich alle Behinderte und die Betroffenen Partner, sich an Ihre Wahlkreisabgeordneten wenden und sie fragen, was Sie gedenken für die Barrierefreiheit zu tun. Ich wünsche uns endlich etwas mehr Verständnis von unseren Politikern.
Richard von Weizäcker sagte einst: Nicht behindert zu sein ist ein Geschenk, was einem jederzeit genommen werden kann. Darüber sollte sich jeder Mal Gedanken machen.
Mit freundlichen Grüßen

Klaus-Dieter Dingel

Weiterveröffentlichungen:

Waldeckische Landeszeitung | Erschienen am 12.08.2011
Frankenberger Zeitung | Erschienen am 13.08.2011
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen am 09.08.2011 um 18:01 Uhr  
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