Fachtagung zu Medienkompetenz in Bad Wildungen

Bad Wildungen: Wandelhalle | Zwei Vorträge zum Umgang mit der digitalen Welt in Bezug auf Kinder und Jugendliche, der eine aus der Perspektive des Rechts, der andere in Blick auf die digitalen (Freizeit)Welten von Kindern und Jugendlichen, bildeten das Gerüst der gestrigen Tagung in der Wandelhalle in Bad Wildungen.

Gerahmt wurde das Ganze von verschiedenen Ständen, an denen Informationen über die Aktivitäten von Institutionen und Fachleuten im Bereich medienpädagogischer Arbeit erhältlich waren und wo Möglichkeiten zu Austausch und Vernetzung bestanden. Angesprochen waren vor allem diejenigen, die im öffentlichen Raum mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, aber auch Eltern.

Die Vorträge entsprachen dem aktuellen Kenntnisstand und waren interessant und informativ gestaltet, die Veranstaltung setzte mit ihrer Ausrichtung allerdings die alte Orientierung der Auseinandersetzung mit den Netz in Bezug auf Jugendliche und Kinder in allerdings modernisierter Form fort. Ein Zusammenhang könnte darin bestehen, dass die Veranstaltung vom Netzwerk gegen Gewalt koordiniert wurde, das im Polizeipräsidium Nordhessen angesiedelt ist.

Nutzen und neue Möglichkeiten des Netzes für pädagogische Arbeit waren dabei weniger ein Thema als Fragen der Prävention und der Begleitung von Kindern und Jugendlichen bei einem verantwortungsbewussten Umgangs mit dem Netz. Während am gleichen Abend zum 84. Mal der Lehrerchat auf Twitter, dieses Mal über das Thema Makerspaces an Schulen diskutierte, während sich das Netz mehr und mehr mit pädagogisch nutzbaren Angeboten zum Lernen und für Bildung füllt, während Menschen über das Netz studieren und sich weiterbilden, während Massive Open Online Courses (MOOC) zu einer Selbstverständlichkeit werden, vermittelte die Veranstaltung den Eindruck, als seien die Ängste vor dem Netz und seinen Gefahren noch immer das dominante Thema für den pädagogischen Bereich.

Das Netz und seine Inhalte sind nicht kontrollierbar, daher hilft nur zu lernen verantwortungsvoll damit umzugehen. Das ist Aufgabe der Medienpädagogik, so ein Teil der Aussage des ersten Vortrags von Prof. Dr. Murad Erdemir. Medienpädagogik ist aber noch viel mehr als das und beinhaltet auch zu lernen wie die Angebote und Möglichkeiten des Netzes in der bestmöglichen Form für Bildung genutzt werden können.

Dies zu thematisieren war nicht das Anliegen der Fachtagung und es wurde dadurch auch nur sehr wenig sichtbar. Daraus ergab sich allerdings, zumindest bei der Auswahl der Vorträge, ein Bias zugunsten von Risiken und Gefahren der Digitalisierung, der genau die Ängsten bedient, die aus der Vergangenheit heraus die Haltung von vielen Verantwortlichen für Kinder und Jugendliche beeinflussen.

Ich hätte mir als Gegenpol mehr Beispiele dafür gewünscht, wie die Nutzung des Netzes und digitaler Medien für den pädagogischen Bereich förderlich ist, welche Chancen darin liegen und welche Visionen daraus entwickelt werden können. Ängste vor Risiken und Gefahren, sowie Rechtsunsicherheit sind ernst zu nehmen und mit den besten Informationen zu bedienen. Dazu kann aber auch gehören die Chancen der Digitalisierung zu betonen und aufzuzeigen in welcher Form an anderen Orten das Netz sinnvoll und erfolgreich für Bildung eingesetzt wird. Auch das ist ein Bestandteil von Medienkompetenz und Medienpädagogik.
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