Grube Messel feiert 20 Jahre Weltnaturerbe mit Kunstausstellung „zeit_wert"

Vor 20 Jahren nahm die UNESCO die Grube Messel als erstes deutsches Weltnaturerbe in ihre Liste auf. Zum Jubiläum ist eine Kunstausstellung zu sehen, denn die Ausgrabungsstätte faszinierte auch junge Kreative von der Freien Akademie für Kunst und Kreativität Ober-Ramstadt. Sie setzten sich künstlerisch mit der Fossilien-Grube auseinander und präsentieren ihre Arbeiten derzeit in der Ausstellung „zeit_wert“.

Bei einem Besuch der Schau am 11. Dezember 2015 sagte Staatssekretär Ingmar Jung, die Grube Messel verpflichte die Landesregierung, sie weiterhin zu pflegen und zu bewahren.

Staatssekretär Jung: „Spielraum für Innovationen"


Jung: „In diesem Jahr stellen wir dafür 242.000 Euro bereit – und damit auch Spielraum für Innovationen. Das Projekt mit den jungen Künstlern vermittelt auf sehr persönliche Weise die Eindrücke, die dieser prähistorische Ort auf die Menschen unserer Zeit macht. Es erlaubt einen ganz neuen Blick auf die Grube Messel.“

Die Ausstellung hat bis Mitte April geöffnet, ihr Besuch ist im Eintrittspreis enthalten. An den Weihnachtsfeiertagen sowie zu Silvester und Neujahr ist das Besucherzentrum zu.

KOMMENTAR

Über zu wenig Geld kann die Grube Messel wahrlich nicht klagen. Allein 242.000 Euro gibt es in diesem Jahr vom Land. Darüber hinaus wird an Ort und Stelle kräftig mit weiteren Spendern und Unterstützern geworben.

Das ist im Prinzip auch gut, denn spektakuläre Funde wie die Überreste von mehr als 70 Urpferden sorgten für internationale Beachtung. Problem dabei: Dann dürfen auch internationale Maßstäbe angelegt werden.

Die ganze Ausstellung erscheint nicht fossil, aber im Design der 1980er Jahre erstarrt zu sein. Der so genannte "Themengarten" führte in diesem Jahr in eine Art Hinterhof, wie ihn große Supermärkte haben. Nur die Container fehlten.

Eine Besichtigung der Grube ist nicht möglich, wenn der geneigte Besucher erst am Nachmittag erscheint. Journalisten, die einen Bericht schreiben wollen, werden an der Kasse darauf hingewiesen, dass Pressebesuche mit dem Vorstand abgesprochen werden müssen. Weniger fossil ist das Marketing am Merchandising-Stand, dahin gehend haben die Betreiber von Disneyland gelernt.

Warum neben den üblichen Devotionalien aber Literatur über die Küche der Zyprer und Musik von afrikanischen Bands verkauft wird, erschließt sich nicht. "Paläo Food" meint eigentlich anderes. Wir wissen nicht, ob -und wenn ja- wer wem einen Gefallen schuldete, aber der interkulturelle Zusammenhang zwischen ghanaischen Pop-Bands und einem 47 Millionen Jahre alten Maarkratersee ist doch ein wenig weit gefasst.

Oldies und Nachwuchs: Eltern, die die Grube Messel mit Kindern besuchen, sollten auf der Hinfahrt nicht zu viel versprechen. Viele versteinerte Lebewesen können von den Kleinen nicht mit großen Augen bestaunt werden. Der Löwenanteil der Funde befindet sich nämlich in den Sammlungen des Forschungsinstituts Senckenberg in Frankfurt und im Landesmuseum Darmstadt.

Wie eingangs beschrieben mangelt es der Grube Messel nicht an Geld. Aber andere Freizeitanbieter, die geringer oder gar nicht gefördert werden, bieten mehr.

(Der Kommentar wurde bereits im August 2015 veröffentlicht)
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