Fragwürdiger Fördergeldregen über der Grube Messel (Kommentar)

Grube Messel: Besichtigung besonders geeignet für Ganztagestouristen bzw. Frühaufsteher. (Foto: Torsten Williamson-Fuchs)
Nach Bad Vilbel hat Hessens sommerreisender Wissenschaftsminister Boris Rhein Messel besucht.

In der Grube, die seit 1995 Weltnaturerbe ist, sind Mitarbeiter der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung mit Ausgrabungen beschäftigt, da der stillgelegte Ölschiefer-Tagebau viele versteinerte Schätze beherbergt.

Das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst unterstützt die Welterbe Grube Messel gGmbH in diesem Jahr mit rund 242.000 Euro.

Bis November 2015 ist im Besucherzentrum eine Sonderausstellung mit Exponaten des Hessischen Landesmuseums zu sehen.

Unter dem Titel „Aus dem Magazin ins Rampenlicht“ können die Besucher Fossilien bestaunen, die bislang der Wissenschaft vorbehalten waren.

KOMMENTAR


Über zu wenig Geld kann die Grube Messel wahrlich nicht klagen. Allein 242.000 Euro gibt es in diesem Jahr vom Land. Darüber hinaus wird an Ort und Stelle kräftig mit weiteren Spendern und Unterstützern geworben.

Das ist im Prinzip auch gut, denn spektakuläre Funde wie die Überreste von mehr als 70 Urpferden sorgten für internationale Beachtung. Problem dabei: Dann dürfen auch internationale Maßstäbe angelegt werden.

Die ganze Ausstellung erscheint nicht fossil, aber im Design der 1980er Jahre erstarrt zu sein. Der so genannte "Themengarten" führte in diesem Jahr in eine Art Hinterhof, wie ihn große Supermärkte haben. Nur die Container fehlten.

Eine Besichtigung der Grube ist nicht möglich, wenn der geneigte Besucher erst am Nachmittag erscheint. Journalisten, die einen Bericht schreiben wollen, werden an der Kasse darauf hingewiesen, dass Pressebesuche mit dem Vorstand abgesprochen werden müssen. Weniger fossil ist das Marketing am Merchandising-Stand, dahin gehend haben die Betreiber von Disneyland gelernt.

Warum neben den üblichen Devotionalien aber Literatur über die Küche der Zyprer und Musik von afrikanischen Bands verkauft wird, erschließt sich nicht. "Paläo Food" meint eigentlich anderes. Wir wissen nicht, ob -und wenn ja- wer wem einen Gefallen schuldete, aber der interkulturelle Zusammenhang zwischen ghanaischen Pop-Bands und einem 47 Millionen Jahre alten Maarkratersee ist doch ein wenig weit gefasst.

Oldies und Nachwuchs: Eltern, die die Grube Messel mit Kindern besuchen, sollten auf der Hinfahrt nicht zu viel versprechen. Viele versteinerte Lebewesen können von den Kleinen nicht mit großen Augen bestaunt werden. Der Löwenanteil der Funde befindet sich nämlich in den Sammlungen des Forschungsinstituts Senckenberg in Frankfurt und im Landesmuseum Darmstadt.

Wie eingangs beschrieben mangelt es der Grube Messel nicht an Geld. Aber andere Freizeitanbieter, die geringer oder gar nicht gefördert werden, bieten mehr.

Erlebnisfaktor: vier (auf einer Skala von 1 bis 10)
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2 Kommentare
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Eberhard Weber aus Laatzen | 19.08.2015 | 18:14  
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Torsten Williamson-Fuchs aus Bad Vilbel | 19.08.2015 | 18:32  
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