Bioland-Rosen geadelt

Bürgermeister Armin Häuser, Kultursaat Vertreter, Rosenkönigin Meike Steinhauer, Werner Ruf, Christine v. Weizsäcker und Eberhard von Löw (Foto: Karin Heinze)
 
Christine von Weizsäcker während der Rosentaufe zu Ehren von Heinke von Löw† am 21. Juni im hessischen Bad Nauheim.

"Rugosa"-Exemplare tragen jetzt die Namen Christine von Weizsäcker und Heinke von Löw


Bad Nauheim-Steinfurth. Es war ein ereignisreicher Tag im beschaulichen Rosendorf. Das pitoreske Steinfurth im hessischen Bad Nauheim feierte am vergangenen Wochenende im Rahmen der 7. Steinfurther Rosentage gleich zwei Rosentaufen zu Ehren zweier Damen, die sich besonders im Bereich der Biodiversität verdient und einen Namen gemacht haben.

Der Tag startete auf dem Gelände der Bioland-Rosenschule Ruf, wo Meike Steinhauer - die derzeit amtierende Rosenkönigin ein Exemplar der Sorte "Rosa Rugosa" auf den Namen der Biologin und Umwelt-Aktivistin Christine von Weizsäcker taufte. Christine von Weizsäcker, Ehefrau Ernst Friedrichs von Weizsäcker (ein Neffe des ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker), ist Mitglied im Beirat der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler und entschiedene Gentechnik-Gegnerin. Die Idee zur Taufe hatte ihre Tochter, die ihrer Mutter damit ein besonders originelles Geschenk zum 70. Geburtstag machen wollte. "Ich fühle mich geehrt", sagte Sie vor versammelten Gästen, bevor das Programm an anderen Orten weiter lief.

Neben Führungen, Ausstellungen und Vorträgen in den Rosenbetrieben Dräger, Schultheis und Rosen-Union fand das zweite Highlight des Tages ganz zweifellos auf dem Löw´schen Anwesen im Ortskern des mehr als 1100 Jahre alten Rosendorfes statt. Vor dem Kelter inmitten des Innenhofes hing eine riesige Leinwand mit der Aufschrift "Es begann mit einer Rose ..." - daneben das Bildnis der im Dezember letzten Jahres verstorbenen Heinke von Löw (†93), die sich Zeit ihres Lebens für natürliches Bio-Gärtnern einsetzte. Ihr zu Ehren wurde eine weitere Rugosa-Sorte auf den Namen "Heinke Margareta von Löw" getauft.

"Sie ist eine besondere Rose - unscheinbar und bescheiden - so wie ihre Namensgeberin auch", erklärte der Co-Veranstalter und Mitorganisator Max Bryan in seiner Eröffnungsrede anlässlich der Rosentaufe zu Ehren von Heinke von Löw und weißt darauf hin, dass es sich um eine “freie Wildrose” handelt, ein sogenanntes “Open-Source-Gewächs”, denn die passe am besten zu ihr, so der 39-jährige Chronist.

Werner Ruf - von der Bioland-Rosenschule Ruf - bedankte sich sogleich auch bei den Helfern der Taufe für ihren unermüdlichen Einsatz im Vorfeld der Veranstaltung. "Besonderen Dank auch an Max Bryan, der das hier alles organisiert hat - ohne ihm wäre die Veranstaltung so nicht zu Stande gekommen", erklärte Werner Ruf gleich zu Beginn seiner Laudatio für Heinke von Löw. 2012 nahm die alte Dame den aus Hamburg zugereisten Max Bryan bei sich auf und "gab ihm eine Chance", wie es heißt. "Ich mache das aus Dankbarkeit für das, was ich bekam", so Bryan.

Auch der Bürgermeister Armin Häuser und die Rosenkönigin Meike Steinhauer wohnten der Zeremonie bei. Die 20-Jährige überreichte die Taufurkunde an Eberhard von Löw, nachdem Christine von Weizsäcker mit einem Taufspruch die Zeremonie vollzog.

"Ich taufe diese Rose auf den Namen Heinke Margareta von Löw - eine alte Freifrau und eine junge freie Rose, das passt gut zusammen und das Weiterwirken ist das, was tröstet", so Christine von Weizsäcker zur Taufe, die mit einem Schluck Sekt gegossen über die Blüte besiegelt wurde.

Wenig später las der israelische Dichter und Aphoristiker Elazar Benyoëtz noch tiefgreifende Worte zum Gedenkens an die im Dezember letzten Jahres verstorbene Heinke von Löw. Mit regem Interesse lauschten die Besucher der Andacht des weißbärtigen Mannes aus Jerusalem, dessen Freundschaft mit Heinke von Löw schon ein viertel Jahrhundert dauert.

"Von ihr sollte man das richtige Tun lernen, auch wenn sich das Richtige nicht einstellt, sondern sich selbst korrigierend nachwächst - nach und nach", so die bewegenden Worte des 79-Jährigen während seiner Lesung in der altehrwürdigen Veranstaltungsscheune des Hofes.

Elazar Benyoëtz, der extra aus Jerusalem anreiste, ist korrespondierendes Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt und erhielt 1997 das Bundesverdienstkreuz am Bande. 2008 auch das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse.


Fotos: Karin Heinze / Boris H. / Max Bryan
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