Ferienpark Schickert-Gelände – ehemaliger Besitzer des Borntales in Bad Sachsa leitet rechtliche Schritte ein

Das Verwaltungsgebäude ist durch Vandalismus arg mitgenommen und gleicht einer Müllhalde.
 
Blick auf das weitläufige Gelände wo der Ferienpark entstehen soll. Rechts oben das Verwaltungsgebäude, zuletzt französische Kaserne und Flüchtlingsunterkunft, welches in den Ferienpark einbezogen werden soll.
Bad Lauterberg (bi). Auf dem 110.000 Quadratmeter großen Schickert-Gelände im Bad Lauterberger Odertal wollen niederländische Investoren einen Ferienpark mit 117 Ferienhäuser und insgesamt 1.032 Betten errichten. Diese überaus erfreuliche Nachricht mit ersten Plänen präsentierte Bad Lauterbergs Bürgermeister Dr. Thomas Gans zusammen mit Architekt Thomas Petermann und Vertretern der Investoren am 2. September der Öffentlichkeit – gut eine Woche vor der Kommunalwahl. Wie in der Presse dazu berichtet wurde, könnten nach der Änderung des Bebauungsplanes bereits 2017 die Bauarbeiten beginnen. Investiert werden soll ein zweistelliger Millionenbetrag und bereits 2018 könne eventuell die Eröffnung des Ferienparkes sein. Rat und Verwaltung, so äußerte sich der Bürgermeister, seien „Feuer und Flamme“ für das Projekt, entstehen doch zahlreiche Arbeitsplätze und Tausende von zusätzlichen Gästen sind ein großer wirtschaftlicher Faktor. Der Sitz der neuen Investoren-Gesellschaft soll zudem in Bad Lauterberg sein.

Leider, so der Vorstand der BI, wurden einmal wieder die kleineren Oppositionsparteien des Stadtrates mit Einzelheiten des Projektes in Unkenntnis gelassen. So war Teilen des Stadtrates z.B. nicht bekannt, warum im vergangenen Jahr die massiven Holzfällarbeiten auf dem Schickert-Gelände erfolgten.

Mit der Veröffentlichung der Ferienparkpläne gab es zugleich auch erhebliche Bedenken an der Seriosität des Projektes. So äußerte der Bad Sachsaer Kommunalpolitikers Hermann Seifert im Harz Kurier, dass sich auch zwei Jahre nach dem ersten Spatenstich beim Ferienpark Borntal in Bad Sachsa noch nichts getan hat. Dort sollten ebenfalls 60 Ferienhäuser entstehen, passiert ist dort nichts. Im Gegenteil, fast alle Gebäude des ehemaligen Kinderkrankenhauses Borntal wurden erheblich durch Vandalismus geschädigt und machen einen abrissreifen Eindruck. Lediglich der erhaltenswerte alte Baumbestand wurde gefällt, offenbar um aus dem Ertrag einen wirtschaftlichen Vorteil zu ziehen. Als Vertreter der Investoren tauchen dort die gleichen Namen auf wie beim Lauterberger Ferienpark, einer davon ist z.B. lediglich der Platzwart des dortigen Campingplatzes.

Aufgrund der Pressemeldung der BI vom 6.9.2016 hat sich auch der ehemalige Eigentümer des Borntales, der dort unter anderem ab 1999 einen Campingplatz aufbaute und erfolgreich betrieb, beim Vorstand der BI gemeldet. Dieser hat, eigenen Angaben zufolge, am 26.09.2016, die Justizbehörden hinsichtlich eines möglichen Betrugsversuches in Kenntnis gesetzt. Nach mehrmaligen Wechsel der Investoren, der Verkauf sollte bereits 2011 erfolgen wurde aber immer wieder verschoben, erfolgte schließlich erst im April 2014. Zwar wurden die grundbuchamtlich abgesicherten Immobilienteile bezahlt, offen jedoch blieben verschiedene Notar-und Nebenkosten sowie Zahlungen für Inventar und Einrichtungen des Campingplatzes. Teile davon, so der verärgerte ehemalige Eigentümer, wurden unberechtigterweise sogar schon wieder weiterverkauft. Aus diesem Grund wurde jetzt juristisch vorgegangen.

Die Firma Otto Schickert & Co. KG (Osco), München, betrieb von 1941 bis 1945 auf dem angedachten Ferienparkgelände eine Fabrik zur Herstellung von 85%igem Wasserstoffperoxid (H2O2 – Tarnname T-Stoff). Es diente in der Rüstungsindustrie des Dritten Reichs als Energiequelle für Raketentriebwerke, U-Boot-Turbinen, Torpedoaggregate und als Starthilfe für Flugzeuge. In den Jahren zwischen 1979 und 1984 wurden die ersten drei großen Hallen sowie die Verfüllstationen und mehrere kleinere Gebäude abgerissen. Im Jahre 1990 veräußerte die Industrieverwaltungsgesellschaft AG (IVG) das gesamte Grundstück mit den ehemaligen Produktionsgebäuden des Schickert-Werks zum symbolischen Kaufpreis von einer Deutschen Mark an die Stadt Bad Lauterberg.
Mit Strukturhilfemitteln wurde zwischen 1990 und 1992 die noch verbliebene Gebäudesubstanz dem Erdboden gleichgemacht. Auf dem Grundstück sind Bodenkontaminationen durch „Berliner Blau“ nachgewiesen, das Grundwasser des Geländes weist in einer Messstelle zudem erhöhte Gehalte an „AOX (adsorbierbare organische Halogenverbindungen) und „Kohlenwasserstoffen“(www.karstwanderweg.de/schickert.htm) auf.

Text und Fotos: BI Bad Lauterberg

Pressemeldung der BI vom 27.09.2016
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