Lucas Cranach d.Ä.

Was den weltberühmten Maler mit Thüringen verband

Dank moderner Technik kein Problem heute, das Gesicht eines Mitmenschen im Bild festzuhalten.
Vor 500 Jahren, als der Wanderbursche Lucas aus Kronach in die Kaiserstadt Wien kam, war das anders. Nur ganz wenige gab es damals, die imstande waren, Porträts von Zeitgenossen anzufertigen. Der Nürnberger Albrecht Dürer war so einer und natürlich auch jener fränkische Handwerksgesell, der seine künstlerischen Arbeiten mit Lucas Cranach signierte.
Wie der junge Mann vom Hause aus eigentlich hieß, ist urkundlich nie so recht nachzuweisen gewesen. Fest stand wohl, dass er um das Jahr 1472 in Kronach geboren wurde und in der Werkstatt seines Vaters, eines Kartenmalers und Formenschneiders, eine gediegene handwerkliche Ausbildung erhielt, ehe er „auf die Walz“ ging. Sein Weg führte ihn schließlich in die Donaumetropole, wo unter der Ägide von Kaiser Maximilian humanistisches Gedankengut sich
ausbreitete und Künstler sich anschickten, die Welt des Mittelalters zu überwinden. Erste Bürgerporträts entstanden, und bei sakralen Bildern wurde anstatt des bislang verwendeten Goldhintergrundes immer mehr die Landschaft einbezogen. Überhaupt gab es in dieser Zeit, die man später mit dem Begriff Renaissance belegte, eine große Umwälzung im gesamten Kunstbereich. Cranach hat zwar nie wie sein gleichaltriger Zeitgenosse Dürer versucht, die Gesetze der Perspektive und die Proportionen des menschlichen Körpers wissenschaftlich zu erkunden, doch war er stets darum bemüht, neue Ideen aufzunehmen und weiterzuentwickeln. Was bei ihm, das ergibt seine Biographie, immer stark im Vordergrund stand, war seine Neigung zum Gewerblichen, Merkantilen. Er wollte von Anfang an mit seiner Kunst viel Geld verdienen!
Das Angebot des sächsischen Kurfürsten Friedrich dem Weisen, ihn in seiner Residenz Wittenberg als Hofmaler zu beschäftigen, kam ihm da sehr gelegen.
Cranach wurde von dem neuen Dienstherrn, der als prunkliebend und repräsentationsbeflissen galt, mit 100 Gulden Jahreseinkommen ausgestattet, und er diente ihm mit besonderem Eifer. In der Folgezeit entstanden nicht nur Porträts von Mitgliedern der Hofgesellschaft und allerlei Tafelbilder für die fürstlichen Gemächer, der Künstler war sich auch nicht zu schade, Hoftrachten, Münzen und Wappen zu entwerfen. Dass er großes Vertrauen bei seinem Landesherrn genoss, zeigt sich an der Tatsache, dass dieser ihn mit diplomatischem Auftrag in die Niederlande schickte. Für den deutschen Maler die einmalige Gelegenheit, an Ort und Stelle Werke Meisterwerke der flämischen Künstler zu studieren und auf diese Weise die italienische Renaissance in ihrem Abglanz kennenzulernen (Im Gegensatz zu Dürer war C. nie in Italien.).
Eine Zwiespältigkeit im Schaffen Cranachs zeigt sich in seiner Stellung zur Kirche. Während er einerseits katholische Würdenträger porträtierte und prunkvolle Altarbilder schuf, unterstützte er mit zahlreichen Illustrationen die Verbreitung von Gedankengut des wittenbergischen Reformators Martin Luther. Holzschnitte und Kupferstiche, die in der Werkstatt des Meisters entstanden, waren dafür besonders geeignet. Mit Luther pflegte er sogar recht enge persönliche Kontakte.
Die zunehmende Anhäufung von Kapital brachte Cranach dazu, ins bürgerliche Geschäftsleben einzusteigen. Ihm gehörten bald eine Apotheke in Wittenberg , ein Druckhaus und eine Buchhandlung. Mehrere Jahre war er Ratsherr und sogar Bürgermeister der Stadt.
Mit Thüringen war Cranach auf zweifache Weise eng verbunden: Seine Gattin Barbara, die er 1512 ehelichte, war die Tochter des Gothaer Bürgermeisters Brengebier, seine eigene Tochter Barbara, bei der er als Achtzigjähriger die letzten Lebensmonate verbrachte, hatte in Weimar ihren Wohnsitz. Das prächtige Cranach-Haus am dortigen Markt legt Zeugnis davon ab.
Lucas Cranach verstarb am 16.Oktober 1553.
Auf dem Jakobsfriedhof der Stadt Weimar fand der große Künstler seine letzte Ruhe.
Rudolf Pöhlig
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