FRÜHLINGSLÜFTE

„Im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt...“, konnte man früher um diese Jahreszeit aus geöffneten Schulfenstern hören. Aus und vorbei. Längst haben PS- starke Traktoren die Arbeit unserer lieben Vierbeiner verdrängt. Auch der Gesang der Kinder ist weitgehend verstummt Heutzutage sind einige Pädagogen schon zufrieden, wenn ihre Schützlinge gesungenen Tönen einer CD lauschen und manche Eltern bereits entzückt, wenn Klein-Silvy Verrenkungen ihrer Schlagerlieblinge nachzuäffen vermag.
Aber was soll` s. Es ist ja selbst der Gesang der Vögel, heisst es, nicht mehr das, was er mal war. Und von wegen: `Alle Vögel sind schon da.` Viele fliegen gar nicht erst fort. Neulich las ich über Störche, die lieber im Zoo überwintern anstatt eine beschwerliche Reise nach Afrika anzutreten!
Doch keine Angst, liebe Gartenfreunde, das Riesenvolk der geflügelten Insekten lässt sich von solchen Trägheitstendenzen nicht beeinflussen. Es wird auch in diesem Jahr in alter Frische jede Blüte aufsuchen, die es verdient, aufgesucht zu werden. Und ohne vorher danach zu fragen, ob sich das Ganze auch rechnet. Das tun höchstens die Imker.
Heutzutage muss sich ja immer alles rechnen. Wo das nicht der Fall ist, gehen Preise und Steuern nach oben, werden Läden und Einrichtungen dichtgemacht. Da kann man ja wirklich froh sein, dass wenigstens die Versorgung mit Fernwärme noch kostenlos funktioniert. Man stelle sich vor, die Frühlingssonne würde uns auch noch eine Rechnung ins Haus schicken...
So was wie die Sonne gibt es für uns Erdbewohner sowieso kein zweites Mal! Nicht nur, dass sie großzügig Wärme und Licht spendet, sie gibt auch Kraft und Zuversicht. Dank ihrer Initiative fühlen wir uns besonders im Frühling immer wieder wie neu geboren. Dann hofft selbst der trockenste Pfahl, dass er grünen werde (finnische Spruchweisheit).
Junge Leute genießen den Kalenderfrühling gleichzeitig mit dem Frühling ihres Lebens. Manche sogar ohne Sonne. In düsteren Kellern und in benebeltem Zustand. Die Zeit fröhlicher Reigenspiele ist für Teenies freilich tabu. Wer sich heute bei Heimatfesten noch in jugendliche Frühlingstrachten zwängt, hat durchweg schon den Eintritt ins Rentenalter überschritten. Was guter Laune und fröhlicher Geselligkeit aber keinen Abbruch tut. Der Wunderknabe Frühling ist in der Lage, auch alten Seelen junges Lebensgefühl einzuhauchen. Das ist erfreulich und wird wohl bestehen bleiben, solange sich Menschen auf unserem Planeten tummeln.


Rudolf Pöhlig
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1 Kommentar
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Silke Dokter aus Erfurt | 02.03.2016 | 11:17  
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