BLAUTÖNE

„Blau, blau ,blau ist der Enzian“, versicherte Heino dereinst fast täglich im Radio. Über die ebenso blaue Kornblume wusste er nie was zu singen. Das überlließ er den Karnevalisten. Und vom bescheidenen Leberblümchen, das sich in schattigen Buchenwäldern versteckt, war von keinem Sangesfreund je was zu erfahren. Hingegen hörte man da und dort mal Geheimnisumwittertes von der blauen Blume der Romantiker, die freilich noch nie ein Mensch zu Gesicht bekommen hat.
Blau - und zwar sehr beeindruckend, kann auch der Himmel sein. Im Frühling ganz besonders. Das „blaue Band“, das der Lenz durch die Lüfte flattern lässt, ist nicht nur Lyrikfreunden ein Begriff. Die mitunter verbreitete Meinung freilich, einer könne das Blaue vom Himmel herunterlügen , muss eindeutig ins Reich der Fantasie verbannt werden. Ebenso wenig ist es denkbar, die Beschädigung unseres blauen Planeten durch einen Beschuss mit blauen Bohnen zu bewerkstelligen. Zum Glück! Besonders Leute, die blau sind, kommen ja mitunter auf die ausgefallensten Ideen. Die schrecken vor nichts zurück. Selbst dann nicht, wenn sie genau wissen, dass sie sich bei ihren Aktionen ein blaues Auge holen werden.
Um noch mal auf das blaue Band zurückzukommen: Steht in einem Text das Wort „blau“ mit großem Anfangsbuchstaben, hat das eine ganz andere, rein symbolische Bedeutung. Mit dem Blauen Band sollte jenes Passagierschiff ausgezeichnet werden, das am schnellsten den Nordatlantik überquerte. Das zu wissen ist heute freilich höchstens noch bei Jauch von Belang.
Zur Kenntnis nehmen sollte man allerdings, dass es in unserer Parteienlandschaft die Farbe Blau nicht gibt. Eine blaue Partei existiert allein in der Vorstellung von Faschingsnarren. Undenkbar, dass in der Zeitung stünde: „Im Parlament gaben die Blauen den Ton an“ Oder: „Bei der Debatte über den Gesetzentwurf waren nur noch ein paar Blaue anwesend“! Die Reihe dieser Möglichkeiten ließe sich nach Belieben fortsetzen. Aber was soll`s. Uns Thüringer interessiert Parteiengewäsch eh nicht sonderlich. Wir haben zu lange Eintopf gegessen. Dafür kannten wir in der Ostmarkzeit die „Blauen Riesen“. Wer die mühelos hinblättern konnte, der hatte ungeahnte Vorteile in Werkstätten und Läden. Allerdings nur so lange, bis einer mit Devisen daherkam.

Rudolf Pöhlig
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