AUGUSTIADE

Augustiade

Mal ganz ehrlich: Müssen es denn immer diese fremden Ausdrücke sein? Warum sagen manche eigentlich „fun“, wenn sie Spaß meinen, oder „relaxen“ statt entspannen?! Warum gehen Leute zum shopping und nicht zum Einkauf? Und warum, in aller Welt, ruft Lieschen M., die überhaupt kein Englisch versteht, bei jeder tollen Sache ganz in US-amerikanischer Art: „Wau, wau!“?
Begreife es, wer kann. Ich vermute, dass bei dem Geplänkel einfach nur Geltungsbedürfnis im Spiele ist. Man muss up-to-date sein ( wieder so ein neogermanischer Ausdruck!), um mithalten zu können. Gegen Sprachsünden ist bekanntlich kein Kraut gewachsen. Als Hoffnung bleibt nur, dass manche Wendung ganz von allein wieder verschwindet. Einiges wird sich aber halten. Ähnliche Entwicklungen hat es schließlich schon des öfteren in unserer Sprachgeschichte gegeben. Viele wissen es bloß nicht. Oder war Ihnen vielleicht bekannt, dass unser lieber Monat August seinen Namen dereinst von den Römern bekommen hat? Der 8. Monat im Jahr wurde im Julianischen Kalender Cäsars als Augustus bezeichnet.
Mit dem Beiwort Augustus (Lateinisch: „erhaben“) schmückten sich nach jenem berühmten Kaiser zur Zeit Christi ganze Generationen römischer Herrscher . Auch im Norden folgte man bei Namensgebungen gern dem erlauchten Beispiel. Man denke nur an August den Starken.
Im deutschen Sprachraum war der oben erwähnte Monat als „Ernting“ oder auch „Ährenmonat“, bekannt, was unserem Sprachverständnis weitaus näher kommt. Denn der August ist ja in erster Linie der Monat, in dem das Getreide unter Dach und Fach gebracht werden muss. Freilich nicht mehr so wie zu Urgroßvaters Zeiten! Garben stehen heute nicht mehr auf den Feldern herum. Statt dessen werden Körner und gepresstes Stroh heimgefahren. Denn längst hat der Mähdrescher die gute, alte Sense verdrängt. Auch von den zu DDR-Zeiten alljährlich inszenierten Ernteschlachten ist in Funk und Fernsehen nichts mehr zu hören. Der Erntebetrieb verläuft leise. Die meisten Menschen merken überhaupt nichts davon. Ich wage sogar zu behaupten, dass viele Stadtleute gar nicht wissen, woher das Mehl kommt, aus dem ihre Brötchen gebacken werden. Und eine Weizen- von einer Roggenähre zu unterscheiden dürfte selbst manchem Dorfbewohner Schwierigkeiten bereiten. Na und? Heutzutage gibt es, speziell bei jungen Leuten, Wichtigeres, das man sich einprägen muss. Musiktitel zum Beispiel oder Namen von Gruppen! Wenn du da nicht auf dem laufenden bist, wirst du ganz schnell als dummer August dastehen .


Rudolf Pöhlig
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