Flatterlinge überlistet

Täglich gegen 13 Uhr finden sie sich ein, die hier geborenen, die grad mal in der Gegend verweilenden und die zum Garten gehörenden Vögel.
Aber der Reihe nach: Mir war es bisher noch nicht gelungen, die doch sehr kessen Meisen – Blau und Kohl - , die Amseln, das Rotkehlchenmännchen aber auch die Buntspechte einmal aus der Nähe vor meine Kameralinse zu bekommen. Kaum bewegte ich mich, flüchteten die Elstern mit lautem Gekreisch und alles, was Flügel hatte, flog hinterher. Nur die Fasanenhennen hoben ihre Köpfe und unterbrachen ihre Pickerei für einen Augenblick. Was habe ich nicht alles angestellt: Ich versteckte mich hinter meiner Wäsche, übte mich im Stillstehen, ließ mich auf Gartenstühlen nieder – und ich habe dabei in allen Fällen gefroren - nichts gelang mir.
Heute nun hatte ich den genialen Einfall, durch die Scheibe der Terassentür zu fotografieren um so mein Glück zu versuchen. Ich saß also einmal im Trockenen, konnte, wenn ich wollte Kaffee trinken, andere Programme einstellen, da ich doch eh noch am Üben bin.
Und nun, ei verpippsch noch mal, es hat geklappt. Erst einmal war es IHRE Zeit, meine damit, die Flatterlinge waren auf Futtersuche. Da sind die Leckereien im Garten im wahrsten Sinne des Wortes ein gefundenes Fressen. Zweitens schien ich hinter der Scheibe wirklich keine Gefahr zu sein, also dann, die Einstellung auf Sport, Weißabgleich und ISO auf auto ,den Zoom in Stellung bringen und dann nichts wie auf den Auslöser drücken.

Über 200 mal habe ich auf den Auslöser gedrückt und mein Kamera haltender Arm war eingeschlafen. Aber was soll das Gejammer, Geduld ist ein Teil des Erfolges.
Und dann plötzlich passierte es : Alle Vögel stoben im Flug auseinander und waren im Nu weg! Selbst die Fasanenmänner – übrigens echte Angsthasen – waren auf der Flucht, denn da kam der Feind! Doch bevor ich das begriff, war Nachbars Katze bereits weiter geschlichen und nur sein schemenhaftes Abbild kann ich hier als Zeugnis herzeigen.

Innerlich klopfte ich mir auf die Schulter, hoffentlich hat es sich gelohnt …

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Naumburger Tageblatt | Erschienen am 01.02.2012
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