IHK-Konjunkturumfrage für Niedersachsen

IHK-Konjunkturumfrage für Niedersachsen
Wirtschaft wächst langsam

Die Geschäftslage in Niedersachsen ist aufgrund der starken Binnennach­frage unverändert gut. Die Erwartungen bezüglich der zweiten Jahreshälfte sind jedoch zurückhaltend und deuten auf anhaltend geringes Wachstum hin. Die Unsicherheiten über die Entwicklung der Eurozone und der Emerging Markets sorgen darüber hinaus für verhaltene Exporter­wartungen. Der IHK-Konjunkturklimaindikator gibt um einen Punkt auf
113 Punkte nach. Das ergab die Konjunkturumfrage der niedersächsischen Industrie- und Handelskammern unter knapp 1.700 Unternehmen.

Im zweiten Quartal 2015 schätzen erneut rund 90 Prozent der Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage als gut oder zumindest befriedigend ein. Dabei beurteilen 34 Prozent (Vorquartal: 32 %) ihre derzeitige Lage als gut und 56 Prozent (Vorquartal: 58 %) als befriedigend. 10 Prozent (Vorquartal: 11 %) der Unternehmen sind mit ihrer Situation nicht zufrieden.

Die Unternehmen blicken jedoch vorsichtig auf die kommenden Monate:
20 Prozent (Vorquartal: 25%) der Unternehmen rechnen mit einem besseren Geschäftsverlauf. Unverändert 17 Prozent erwarten eine eher ungünstige Entwicklung.

Der IHK-Konjunkturklimaindikator, der sowohl die aktuelle Geschäftslage als auch die Erwartungen der niedersächsischen Unternehmen wider­spiegelt, ist im Vergleich zum Vorquartal leicht um einen Punkt auf
113 Punkte zurückgegangen. Während die Geschäftslage positiv ist, haben sich die Erwartungen spürbar verschlechtert. Insgesamt muss sich die niedersächsische Wirtschaft für die zweite Jahreshälfte auf moderates Wachstum einstellen.

Die Exporterwartungen sind zwar positiv, liegen aber weit unterhalb des Niveaus der Boom-Phase von 2006/07. Dies liegt nicht zuletzt an der Unsicherheit über die wirtschaftliche Entwicklung der Eurozone aufgrund der Griechenlandkrise. Wachstumsimpulse erhalten die Exportunternehmen hauptsächlich aus dem Nicht-Euro-Raum. Neue Chancen ergeben sich durch das in dieser Woche geschlossenen Atomabkommen mit dem Iran. Niedersächsische Unternehmen zeigen großes Interesse an einer Revitalisierung ihrer Geschäftsbeziehungen.

Die Bereitschaft der Unternehmen, Personal einzustellen, liegt weiterhin über dem langjährigen Durchschnitt. Vor allem die Industrie und der Dienstleistungssektor planen Beschäftigung aufzubauen. Allerdings hat sich insgesamt die Dynamik der Vorjahre abgeschwächt.

Trotz niedrigen Zins- und Investitionsniveaus steigen die Investitions­absichten der Unternehmen nur langsam. 28 Prozent (Vorquartal: 26 %) beabsichtigen ihre Investitionen auszuweiten, 17 Prozent (Vorquartal:
18 %) wollen weniger investieren. Hier müssen die Bedingungen am Standort Deutschland verbessert werden. Die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen, insbesondere der zusätzliche bürokratische Aufwand im Sozial- und Arbeitsrecht sowie bei Genehmigungsverfahren, verärgern viele Unternehmer und werden nach wie vor als das größte Risiko für die Geschäftsentwicklung gesehen.

Die Entwicklung der Industrie war im zweiten Quartal 2015 insgesamt zufriedenstellend. Die Investitionsgüterhersteller wie Kfz-Industrie, Maschinenbau und Elektrotechnik bleiben aufgrund der guten Export­entwicklung im außereuropäischen Raum auf Wachstumskurs. Hier macht sich der schwache Euro bemerkbar, der deutschen Produkte preislich deutlich wettbewerbsfähiger macht. Allerdings wird das Geschäft in China, einem der wichtigsten Exportmärkte Niedersachsens, zunehmend schwieriger. Ein schwächeres Quartal hatten dagegen die Vorleistungs­güterhersteller (Chemie, Metalle, etc.). Aufgrund der rückläufigen Auftragseingänge und der verschlechterten Ertragslage haben die Unternehmen ihre Erwartungen zurückgeschraubt. Insgesamt stiegen die Umsätze und Auftragseingänge der Industrie leicht an. Damit steigen allmählich auch die Investitionsplanungen der Unternehmen.

Die wirtschaftliche Entwicklung wird durch die Inlandsnachfrage getragen. Steigende Einkommen der Konsumenten sorgen für anhaltend gute Geschäfte im Einzelhandel. Sowohl Autohäuser als auch Möbelgeschäfte berichten über ein starkes zweites Quartal. Auch der Bekleidungseinzel­handel, der mit den ersten Monaten des Jahres nicht zufrieden war, konnte endlich von steigenden Umsätzen berichten. Aber nicht alle Bereiche können sich über steigende Umsätze freuen. Etlichen Fach­händlern, beispielsweise aus den Bereichen Unterhaltungselektronik und Schuhe/Lederwaren, stehen jedoch schwere Zeiten bevor. Sie konnten von der gestiegenen Kaufkraft bisher nicht profitieren und erwarten dieses auch künftig nicht. In diesen Bereichen wird der Online-Handel den stationären Einzelhandel weiter zurückdrängen.


Ausblick
Aufgrund des hohen Beschäftigungsniveaus und weiter steigender Einkommen bleibt die Binnennachfrage Wachstumsmotor Nummer eins. Die erst langsam anziehenden Investitionen werden nicht vor dem kommenden Jahr für eine Beschleunigung des Wachstums sorgen. (ihk)
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