Therapie- und Sinnesgarten nicht nur für Senioren

Blick in den Therapie- und Sinnesgarten (Foto: Küthe)
 
Rundwege mit Handlauf geben Besuchern mit beeinträchtigter Orientierung Sicherheit.

Bad Arolsen: Schloss Landau | Tag der offenen Gärten auf Schloss Landau

So beginnt eine Erfolgsgeschichte. Ganz genau vor 11 Jahren. Das Jahr 1999. Laute Stimmen und das Geräusch von schweren Baufahrzeugen dröhnen durch den Park von Schloss Landau. Erde wird aufgeworfen, angelieferte Steine werden sorgfältig geschichtet und der Komplettumbau von 2.500 Quadratmetern Boden beginnt. Skeptische Blicke der Zaungäste, viele von ihnen erfahrene und passionierte Gärtner mit eigenem sehenswertem Garten vor der Haustür.

Der Lärm dringt auch durch die dicken Schlossmauern, und die Bewohner des Altenpflegeheims Schloss Landau stehen an den Fenstern und schauen auf „ihren“ alten Garten. Viele Jahre hat der Garten die Küche des Hauses beliefert: frische Kartoffeln oder Erdbeeren. Heute beginnt eine neue Zeitrechnung. Jetzt ist ein Garten für die Sinne geplant. Eine Umgestaltung für die Menschen, die hier leben.
Konnten vor vielen Jahren die Bewohner des Altenpflegeheims noch rüstig und gut zu Fuß Gemüsebeete versorgen, haben die heutigen Bewohner andere Bedürfnisse. Sie genießen die Möglichkeit, in diesem großen und die Sinne anregenden Garten des Hauses die Sonne, die Natur, die Blumenpracht und das Wasserspiel direkt vor der Haustür zu haben. Aber schaffen können sie im Garten nur noch sehr eingeschränkt. Die Bewohner sind hochbetagt und gebrechlich – manchmal auch nicht mehr so orientiert, demenzkrank. Ein verändertes Bild, das in vielen Altenpflegeheimen heute anzutreffen ist. Und vor diesem Hintergrund begannen die Arbeiten, wurde der Garten neu gestaltet. Das war im Jahr 1999.

Mit fachkundiger Beratung und viel Unterstützung wurde dem Garten „ein neuer Sinn gegeben“. Es entstand ein Therapie- und Sinnesgarten mit Hochbeeten und Kräuterbeeten, einem Springbrunnen und immer wieder Sitzecken. Überall feste und gut mit Rollstuhl oder Gehhilfe bequem zu bewältigende Wege, Handläufe für den sicheren Gang überall. Der ganze Garten ist durch Büsche und Hecken eingefriedet. Ein schöner Ort, ein sicherer Ort.
Die Natur entfaltet beim täglichen Erholungsgang durch den Garten ihre heilsamen Kräfte. Durch die Anlage des Gartens fühlen sich alle wohlbehütet. Jeder findet wieder den sicheren Weg „nach Hause“. Wer möchte, zupft an den Hochbeeten Unkraut oder sieht im Kräuterbeet nach dem Rechten.

Der Therapie- und Sinnesgarten war damals ein Pilotprojekt in der Region. Von weither kamen Menschen, um sich den Garten und das Konzept anzusehen. Geplant wurde er von zwei Studenten der Universität Kassel. Sie hatten sich durch ihren Professor anregen lassen und sich mit ihrer Diplom-Arbeit dem Therapie- und Sinnesgarten gewidmet.

Freunde des Hauses, Dienstleister, Geschäftsleute und nicht zuletzt die Waldeckische Domanialverwaltung als Eigentümer der Liegenschaft engagierten sich für das Gelingen dieses Modellprojekts. Im Rahmen eines geförderten Modellprojekts und mit Mitteln eines Bundesprogramms und Unterstützung der Arbeitsagentur setzten langzeitarbeitslose Jugendliche die Garten- und Baupläne unter Anleitung sorgfältig um. Ein großer Teil der Arbeiten und der vielen neuen Bäume und Sträucher des Gartens wurde durch „Patenschaften“ finanziert.

Heute ist Schloss Landau wieder ein Modellprojekt. Der Therapie- und Sinnesgarten als öffentlicher Raum ist allen Erholungssuchenden zugänglich und ergänzt das Wohnprojekt „Wohnen – Urlaub – Pflege auf Schloss Landau“. Neben der klassischen stationären Pflege bietet das Schloss heute geräumige Einzimmerappartements als Mietwohnungen. Betreutes Wohnen im ländlichen Bereich für Menschen, die versorgt und begleitet wohnen möchten, die das Ambiente und den Charme einer ländlichen Bergstadt schätzen und sich der Natur verbunden fühlen. Ein eigener ambulanter Dienst versorgt und pflegt nach Wunsch und Bedarf.

Daneben bietet das Schloss Platz für ein Pflegehotel, in dem gerade auch behinderte Menschen und auch Gruppen im historischen, gepflegten Ambiente Urlaub genießen können. Auch Seminargruppen, die eine inspirierende Arbeitsatmosphäre suchen, sind hier zu Gast und schätzen den Aufenthalt und das Umfeld von Schloss Landau.

Der Garten ist heute beliebter Aufenthaltsort. Hier trifft man sich z.B. am Wochenende, genießt den Blick in das schöne Wattertal und erfreut sich an den Weinreben, die hier wachsen. Vielleicht waren Sie ja auch am Wochenende hier, als wir uns am „Tag der offenen Gärten“ beteiligt haben?

Und vielleicht sehen wir uns im kommenden Jahr wieder? Am „Tag der offenen Gärten“. Und dann berichten wir über den Fortgang des neuen Modellprojekts auf Schloss Landau. Oder Sie kommen einfach einmal vorbei. Zum Schloss-Cafe an jedem letzten Sonntag im Monat.

Vielleicht planen wir wieder etwas Neues für unsere Gäste und Bewohner. Wie das aussehen wird? Sicher ist nur, dass der Garten als Heilquelle und Ort der Erholung seine wichtige Funktion immer behalten wird. Denn wir wissen, das der „Garten oft der beste Arzt ist“ und wir wissen um die anregende und gleichzeitig beruhigende Kraft der Natur für den Einzelnen und für sein Wohlbefinden.
Weitere, aktuelle Informationen über die Angebote auf Schloss Landau erhalten Sie auch unter: www.landau-gesundbrunnen.org.

Weiterveröffentlichungen:

Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.tag der offenen gärten | Erschienen am 02.07.2010
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