Landauer Wasserkunst zum Deutschen Mühlentag geöffnet

Bad Arolsen: Wasserkunst | Wenn am Pfingstmontag anlässlich des Deutschen Mühlentages in allen Bundesländern zahlreiche Mühlen zum Tag der offenen Tür einladen, ist in diesem Jahr auch die Landauer Wasserkunst mit dabei.

Zweck des immer am Pfingstmontag stattfindenden Deutschen Mühlentages ist, die Aufmerksamkeit und das Interesse der Öffentlichkeit auf diese technischen Denkmäler zu richten, deren Geschichte über 2000 Jahre zurückreicht. Mühlen gelten als die ältesten Maschinen der Menschheit. In über 160 Anwendungsbereichen sind Mühlen die (umweltfreundlichen) Vorläufer unserer gesamten Technisierung, denn sie nutzen als Energiequelle die Naturkräfte Wasser oder Wind.

Neben der bekanntesten Verwendung, dem Mahlen von Getreide, dienten Mühlen unter anderem auch dem Sägen von Holz, Pressen von Öl, Stampfen von Flachs, als Antrieb von Schmiedehämmern und nicht zuletzt dem Schöpfen bzw. Pumpen von Wasser.

Jede Mühle hat ihre eigene und besondere Geschichte. Um sie ranken sich viele heitere und ernste Begebenheiten sowie Gedichte und Erzählungen. Am Pfingstmontag geht es in Landau um die Geschichte der Wasserkunst. Den Besuchern wird neben der Besichtigung der technischen Anlagen selbst auch in einer Ausstellung unter dem Motto: „480 Jahre Wasserkunst Landau …. ein Blick zurück“ mit Hilfe von historischen Dokumenten ein Einblick in die Wasserversorgung vergangener Jahrhunderte geboten.

Die vom Fritzlarer Kleinschmied Bartholomäus Pfeiffer im Jahre 1535 konstruierte und in einer auch für heutige Verhältnisse rekordverdächtigen Zeit von nur einem Dreivierteljahr erbaute Wasserkunst gilt heute als deutschlandweit einzigartig. Meister Pfeiffer, der aus der Lengelmühle bei Frankenau stammte, hatte sich als Erbauer von Wasserförderungsanlagen einen Namen gemacht. Neben dem Neubau in Landau und dem Umbau einer vorhandenen Anlage in Fritzlar war er unter anderem auch in Grünberg tätig, wo er einer Urkunde zufolge - „ein Gromwergk bauen, gleich dem, welches er in Landau verfertigt (….)“ - um 1560 ebenfalls eine Wasserkunst bauen sollte.
In Landau hatte er das Geld verdient, von dem in der Urkunde vom Montag nach Weihnachten 1534 die Rede ist: „Wir sollen ihm für seine Arbeit und Kunst 40 Gulden bezahlen (…..). Diese bekommt er, wenn das Wasser im Kump auf dem Markt stetig läuft, auf daß ein jeder sage: Er hat sein Geld verdient!“.

Ob Meister Pfeiffer geahnt hat, dass die von ihm konstruierte Anlage - im Laufe der Jahrhunderte zwar immer wieder mal modernisiert - bis 1981 als wichtigste technische Einrichtung die Wasserversorgung der Stadt sicherte und seitdem, als technisches Museum betrieben, immer noch nach dem ursprünglichen Prinzip funktioniert?

Nicht nur in technischer Hinsicht war die Bergstadt seinerzeit fortschrittlich, auch die Struktur der kommunalen Einrichtungen war ihrer Zeit sicher um einiges voraus. Vergleichbar mit den heutigen Strukturen, wo städtische Versorgungsbetriebe als Eigenbetriebe geführt werden, war auch die Wasserkunst quasi als Eigenbetrieb der Stadt organisiert und wurde in einer eigenen Born- bzw. Bornkassenrechnung geführt. Neben vielen dieser Bornkassenrechnungen, in denen die laufenden Einnahmen und Ausgaben aufgezeichnet wurden, und den ergänzenden Belegen befinden sich im Archiv der früheren Stadt Landau weitere Urkunden, die auf über 3000 Seiten die Geschichte der Wasserkunst lebendig werden lassen.

Die Landauer Wasserkunst findet Jahr für Jahr bei vielen Besuchern Bewunderung und Faszination zugleich, wenn bei einer Führung die Funktionsweise der Anlage und die geschichtlichen Hintergründe dargestellt werden.

Am Pfingstmontag werden die Führungen durch eine Ausstellung mit einer Auswahl historischer Dokumente aus dem umfangreichen Archiv ergänzt. Den in deutscher Schrift verfassten Reproduktionen wird jeweils eine Übertragung (Transkription) in die heutige Schrift gegenüber gestellt, so dass auch diejenigen, die alte Schriften nicht lesen können, einen Einblick erhalten.
Zum Mühlentag am Pfingstmontag ist die Landauer Wasserkunst an der Volkhardinghäuser Str. von 10 bis 16 Uhr geöffnet.

Die „Wasserkünstler“ freuen sich auf viele interessierte Besucher.
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