Wie Eltern den Schulerfolg ihrer Kinder unterstützen können

Foto: Angelika Lonnemann
 
Foto: Angelika Lonnemann
Augsburg: Stetten-Institut | „Tendenziell habe ich immer ein schlechtes Gewissen und frage mich: Unterstütze ich meine vier Töchter schulisch genug?“, leitete der Vorsitzende des Elternbeirats des Stetten-Instituts, XXX Mantel, den Vortrag von Professor Dr. Werner Sacher zum Thema Schulerfolg und Elternarbeit, ein. Rund 200 Gäste, darunter auch etliche Lehrer des Stetten-Instituts, waren der Einladung zum Vortrag des emeritierten Professors der Uni Erlangen-Nürnberg gefolgt. Sacher berichtete von den Ergebnissen aktueller Forschungen, etwa, dass der Einfluss der Familie auf den Bildungserfolg oder –misserfolg mindestens doppelt so stark sei wie der Einfluss der Kindergärten oder Schulen. Eltern können sich an der Schule engagieren oder zuhause also Kooperationspartner der Schule arbeiten. „Entscheidend für den Bildungserfolg ist die heimbasierte Kooperation“, sagte Professor Sacher. Und diese sei gewährleistet, wenn Eltern Interesse zeigen an Leistungen der Schüler, sie zum Lernen anhalten, sie helfen beim Lernen und sie zu Pflichtbewusstsein und Anstand anhalten.

Universitätsprofessor gab Tipps und wertvolle Hinweise am Stetten-Institut

Auf informative und unterhaltsame Weise berichtete der Wissenschaftler und Pädagoge darüber, wie Eltern den Bildungserfolg ihrer Kinder gewährleisten könnten: „Eigentlich sind es nur drei Dinge, die wirklich fördern. Erstens sollen die Eltern eine Art Gewinnerwartungshaltung einnehmen, also im positiven Sinn erwarten, dass das Kind gute Leistungen bringt. Dieses gepaart mit Zutrauen. Zweitens fördert der autoritative Erziehungsstil – also Freiheit, Liebe und Wärme geben, auf Regeln bestehen und zur Selbständigkeit anregen. Drittens die gelungene, regelmäßige Kommunikation zwischen Eltern und Kinder, nicht etwa nur über schulische Themen“.
Erstaunlicherweise seien es diese drei Kriterien, die über Erfolg und Misserfolg von Schülern entscheideten, nicht etwa, wieviel Hilfe die Kinder beim Lernen oder bei den Hausaufgaben von ihren Eltern erhielten. „Deswegen können auch Kinder von Nicht-Akademikern oder von Menschen, die nicht deutsch sprechen, schulisch erfolgreich sein, wenn die grundlegenden erziehenden Kriterien vorhanden sind. Man kann auch auf arabisch loben, oder sich von seinem Kind einen schulischen Inhalt erklären lassen, selbst wenn man die Lerninhalte selbst nicht beherrscht“, so Professor Sacher.
Das magische Dreieck der Erziehung bestehe aus den Komponenten Herzenswärme und Anerkennung, klaren Regeln und Anleitungen sowie Freiräumen und Anregungen, zitierte Sacher aus dem Buch „Kinder stark machen für das Leben“ von Klaus Hurrelmann und Gerlinde Unverzagt.
„Heute hat eine Bildungspanik viele Eltern befallen, da droht Überhitzung. Ein Kind darf nicht mit Chinesischkursen und ähnlichem davon abgehalten werden, ein Kind zu sein, dass auch spielen muss und seine Zeit selbständig organisieren darf“, warnte Sacher. Dann erläuterte er im Detail die Ergebnisse seiner Studien, wie richtiges Lerncoaching funktioniere. Ganz wesentlich sei auch die Vorbildfunktion der Eltern, nicht nur was Bildungsinhalte wie Lesen angehe, sondern allgemein im Verhalten: Eltern müssten Zuversicht, Frustrationstoleranz, Kooperation und gelungene Sozialkontakte vorleben, dann würden sich Kinder automatisch ein ähnliches Verhalten aneignen.
„Ordnung und Geborgenheit in der Familie, intellektuelle Anregungen ohne Druck und Interesse und Wohlwollen zeigen – das ist das beste Lern-Coaching. Und bitte bedenken Sie, auch wenn in Deutschland noch vor allem Mütter die Lern-Coaches sind: auch die Väter sollten sich in dieser Weise engagieren“.
Im Anschluss an den Vortrag beantwortete Professor Sacher Fragen der Eltern. „Ich bin froh und dankbar, dass wir heute mit Professor Sacher einen so kompetenten Fachmann zu Gast hatten. Die Menge der anwesenden Eltern zeigt, wie wichtig das Thema ist“, resümierte die Schulleiterin Barbara Kummer.

Das Stetten-Institut


Das Stetten-Institut besteht aus einem Gymnasium mit sprachlicher und naturwissenschaftlich-technologischer Ausrichtung und einer Realschule unter einem Dach (Realschulzweige: Wirtschaft, Französisch, Kunst und Soziales). Die Schulen sind staatlich anerkannt und in evangelisch-lutherischer Trägerschaft, verstehen sich aber ausdrücklich als offen für Schülerinnen aller Religionszugehörigkeiten. In Tradition ihrer Gründerin Anna Barbara von Stetten werden ausschließlich weibliche Schülerinnen aufgenommen. Heute besuchen rund 1.200 Mädchen und junge Frauen die beiden Schulen, die auf einem weitläufigen Grundstück in der Augsburger Innenstadt liegen. Zum breiten Angebot der Schule gehört eine Betreuung in Form der Offenen Ganztagsschule. In verschiedenen Projekten können Mädchen an den beiden Schulen forschen, musizieren, debattieren oder Theater spielen.
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