Die Melodie der Logopädie

Schulleiter der Berufsfachschule für Logopädie Augsburg, Dirk Gerlach (links) mit dem Vorstandsvorsitzenden der Bezirkskliniken Schwaben, Thomas Düll (rechts)
 
Die musikalische Umrahmung der Jubiläumsfeier übernahm der Schulchor
 
Der Schulchor wurde auch instrumental begleitet

Musikalisches Jubiläum zum 20. Geburtstag der Berufsfachschule für Logopädie Augsburg

Die Melodie von 20 Jahren Logopädieschule Augsburg

Glückliche Gesichter, munteres Ratschen und eine familiäre Atmosphäre herrschten vor dem Beginn der Jubiläumsfeier der Berufsfachschule für Logopädie in Augsburg. Feierlich gekleidete Schüler, Eltern, Lehrer und viele andere versammelten sich am 21. Mai in der Mehrzweckhalle des Bezirkskrankenhauses Augsburg, um den Geburtstag der Ausbildungsstätte zu feiern. Gleich zu Anfang und damit den ersten, offiziellen Teil der Veranstaltung einleitend, gab der Schulchor sein Bestes mit einer Darbietung von „Only you“. Die musikalische Umrahmung der Grußworte sorgte für großen Applaus und ein begeistertes Publikum.
Jürgen Reichert – Bezirkstagspräsident und Verwaltungsratsvorsitzender der Bezirkskliniken Schwaben – bemerkte daraufhin in seiner Rede: „Mit dem Chor kann man angeben.“ Des Weiteren wies er auf die Wichtigkeit der Schule und des Berufs des Logopäden hin. Durch eigene Erfahrungen – Jürgen Reichert ließ sich selbst von einer Logopädin helfen, als er von gelegentlicher Heiserkeit im Winter betroffen war – schloss er: „Das hilft, was sie tun.“

Wie klingt die Vergangenheit der Berufsfachschule?

Auch die Vergangenheit der Logopädieschule Augsburg ist – mehr oder weniger – musikalisch und folgt einer ganz bestimmten Melodie. Der Melodie von einem Anfangs „stotternden Motor“, so Thomas Düll, Vorstandsvorsitzender der Bezirkskliniken Schwaben, in seiner Rede. Denn als im November 1994 die ersten SchülerInnen ihre Ausbildung begonnen, fand der Unterricht noch über einer KFZ-Werkstatt im Gewerbegebiet in Augsburg-Kriegshaber statt. Aufgrund der verzögerten Fertigstellung des sich damals im Bau befindlichen Berufsschulzentrums mussten alternative Räume angemietet werden. Die Geschichte der Berufsfachschule für Logopädie ist also von einer nervenaufreibenden Lärmbelastung und Geräuschen wie Hämmern, Flexen und lauter Radio-Musik geprägt, weswegen es damals „gewiss keine leichte Zeit“ war. Verständlich, dass der Einzug ins neu gebaute Schulzentrum im Jahr 1999 „wie ein Sprung in eine neue Zeit“ war und sich die Schüler in den hellen, freundlichen Räumen deutlich wohler fühlten.

Heutige Situation und Einblicke in die Ausbildung

Das Gründungsziel einer umfassenden und qualifizierten logopädischen Versorgung für die hiesige Bevölkerung ist laut Thomas Düll erreicht worden. Die Logopädieschule entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem „leistungsfähigen, schnurrenden Turboantrieb“ und stellt heute ein umfangreiches Kompetenzzentrum und eine ausgezeichnete Ausbildungsstätte dar. Dass ihre Ausbildung spannend und abwechslungsreich ist, konnten auch die SchülerInnen Alina Dörsch (2. Klasse) und Kathrin Eisermann (3. Klasse) bestätigen, die in einem kurzen Überblick das Berufsbild und die Ausbildung sowie die Jobchancen für Logopäden vorstellten.
Logopäden behandeln Sprech- und Sprachauffälligkeiten bei Menschen aller Altersklassen. Von Sprachentwicklungsstörungen bei Kleinkindern bis hin zur Sprachtherapie von Schlaganfall- Patienten - sie helfen durch gezielte Therapiestunden in Praxen, Krankenhäusern oder Reha-Kliniken. Die schulische Ausbildung dauert drei Jahre, in denen keine Vergütung gezahlt, aber auch keine Schulgebühren verlangt werden. Erst nach einem strengen Eignungsverfahren werden jährlich circa 17 SchülerInnen aufgenommen. Der inhaltliche Schwerpunkt wechselt von anfänglich viel Theorie in vor allem medizinisch-therapeutischen Themengebieten hin zum praktischen Arbeiten und schließt mit dem Staatsexamen ab. In punkto Jobchancen sind die Auszubildenden kaum besorgt, denn Logopäden werden laufend gesucht und gebraucht. Alina Dörsch stellte heraus: Jeder, der den Beruf der Logopädin bzw. des Logopäden ergreifen möchte, „sollte bereit sein, viel zu lernen“. Kathrin Eisermann ergänzte, dass die Ausbildung anstrengend und lernintensiv sei, allerdings der direkte Kontakt zu den Menschen und das kreative Arbeiten sehr viel Spaß mache.

Welche Töne sollen in Zukunft angeschlagen werden?

Dirk Gerlach – seit 2012 Leiter der Berufsfachschule für Logopädie – versorgte das Publikum während seiner Rede mit Zahlen, Daten und Fakten. Genau 237 Logopäden haben bisher an der Schule ihr Examen abgelegt. Nach seiner Rechnung haben diese seit ihrer Ausbildung 3.450.000 Therapiestunden abgehalten und 115.000 Patienten behandelt. Bei einem Vergleich zur Einwohnerzahl Augsburg müsse das doch glatt bedeuten: Die Hälfte der Bürger von Augsburg wurde wohl schon von einem Absolventen der Logopädieschule behandelt. In seiner Rede spielte Gerlach auch Zukunftsmusik: Für die kommenden Jahre hat er sich drei Leitsätze vorgenommen. Zum ersten soll die Schule sich dauernd ändern und anpassen, also im Hier und Jetzt leben und agieren. Zweitens sollen die Schüler nicht nur „Wissen wissen, sondern Lernen lernen“, was bedeutet, dass nicht nur hinein unterrichtet und auswendig gelernt, sondern eigenständig gearbeitet und reflektiert wird. Als letzten Punkt nimmt sich das Lehrerkollegium vor, für die Schüler mitzugestalten, also im Wohle der Schüler zu handeln und für sie da zu sein.

Der Rhythmus der Sprache

Beim anschließenden 1. Augsburger Abendsymposium ging es in drei Vorträgen um fachspezifische Themen, wie z.B. eine Wirksamkeitsstudie zur neuen ACIAT-Therapiemethode, die von Juliane Kretzschmar vorgestellt wurde. Claudia Häußinger schloss sich mit einem interessanten Vortrag zur Praxis in der sprachtherapeutischen Arbeit mit hörgeschädigten Kindern und Erwachsenen an. Den Abschluss machte ein interaktives Quiz, begleitend zum Vortag von Kerstin Nonn, der Schulleiterin der Staatlichen Berufsfachschule für Logopädie in München. Sie stellte die Prosodie als wichtige Fähigkeit im Spracherwerb und als wichtiges Element der Sprachtherapie vor. Denn die Prosodie, der Rhythmus einer Sprache oder auch die Sprachmelodie, wird schon ganz am Anfang des Lebens und in der frühen Sprachentwicklung verinnerlicht. Die vier Grundmuster der deutschen Sprachmelodie wurden vom Publikum erarbeitet und anhand von Ausschnitten des „Karnevals der Tiere“ auf die Musik übertragen. Beim Frage-Antwort-Spiel war die Referentin auf männliche Assistenten, darunter auch Dirk Gerlach, angewiesen und stellte sogleich fest: „Wie eine Fernsehshow in den 70ern, nur umgekehrt.“ Dies war auf die Verteilung der Geschlechterrollen bezogen und erheiterte das Publikum sichtlich. Wie auch zu Anfang sah man auch zum Ende hin, als das Buffet eröffnet wurde und persönlicher und fachlicher Austausch an der Tagesordnung stand, glückliche Gesichter und fröhliche Menschen. Jetzt mit den vielschichtigen Melodien der Logopädie im Ohr.
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Weiterveröffentlichungen:

myheimat-Stadtmagazin neusässer | Erschienen am 07.06.2014
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