Die Betriebsprüfung ist oft wie eine Naturkatastrophe

Dr. Norbert Stölzel bei einer Besprechung: "Steuerberatung ist Teamarbeit", ist sich der Chef von über 45 Angestellten sicher.

Die Betriebsprüfung - Interview mit Steuerberater Dr. Norbert Stölzel aus Augsburg

Herr Stölzel, viele Selbständige und Unternehmer haben Sorgen wegen einer möglichen Betriebsprüfung. Berechtigterweise?

Stölzel: „Viele Selbständige erleben eine Betriebsprüfung wie eine Naturkatastrophe: Sie kommt selten vor, dann aber umso heftiger. Betriebsprüfungen gehen in den allermeisten Fällen auch negativ für die Geprüften aus. Vor allem die zu erwartenden Steuernachzahlungen verunsichern Selbständige und Unternehmer.“

Können Sie etwas zur Beruhigung beitragen?

Stölzel: „Ja. Zur Beruhigung kann gesagt werden, dass die Häufigkeit einer Betriebsprüfung mit der Größe des Unternehmens steigt und normalerweise nur die letzten 3 Jahre geprüft werden. Damit ist die Wahrscheinlichkeit der Prüfung oder großer Steuerrückzahlungen für kleine Unternehmen oder nebenberuflich Selbständige eher gering.“

"Es gibt vor allem 3 Gründe für Nachzahlungen"


Welche Faktoren führen hauptsächlich zu Nachzahlungen?

Stölzel: „Grob gesagt sind das drei Punkte. Erstens: Sie haben alle Spielräume in den Steuererklärungen ausgenutzt, aber der Prüfer legt die Vorschriften enger aus. Zweitens: Es gibt formelle Fehler in der Buchhaltung bei Belegen und Unterlagen. Und drittens: Einnahmen wurden nicht angegeben oder Ausgaben zu hoch angesetzt.“

Wie sollte man Betriebsprüfungen im Vorfeld begegnen?

Stölzel: „Ich rate vor allem zu Sorgfalt in Bezug auf die Buchhaltung. Sämtliche Buchungen müssen korrekt nachgewiesen werden. Im schlimmsten Fall haben Sie beispielsweise Ausgaben, die Sie korrekt verbuchen, können diese aber in der Prüfung nicht belegen. Ich warne zudem ausdrücklich davor, bewusst falsche Angaben über Einnahmen und Ausgaben zu machen. Das hat in der Regel unabsehbare strafrechtliche Konsequenzen.“

"Der Ablauf einer Betriebsprüfung ist festgelegt"


Wie läuft eine Betriebsprüfung ab?

Stölzel: „Zunächst erhalten Sie eine telefonische Ankündigung oder eine Prüfungsanordnung. Die Erfahrung zeigt, dass Einsprüche dagegen zwecklos sind. Zum vereinbarten Termin beginnt der Prüfer dann, sofern alle Unterlagen vorliegen, vorzugsweise bei Ihnen im Betrieb seine Prüfung.“

Wie lange dauert eine Betriebsprüfung?

Stölzel: „Bereits bei kleinen Unternehmensgrößen muss man bis zu zwei Wochen einkalkulieren.“

Wozu raten Sie in der Phase der Prüfung?

Stözel: „Gestalten Sie die Prüfungsatmosphäre positiv, versuchen Fragen und Anforderungen von Unterlagen möglichst zeitnah zu bearbeiten. Ergeben sich Fragen, deren Beantwortung für Sie nicht eindeutig möglich ist, sollte der Steuerberater hinzugezogen werden.“

"Mein Rat: Frühe Verhandlungen durchführen"


Zu welchem Zeitpunkt sollte über einzelne Feststellungen verhandelt werden?

Stölzel: „In der Praxis läuft es so ab: Der Prüfer sichtet die Unterlagen und notiert sich vorläufige Prüfungsfeststellungen. In dieser Phase werden die einzelnen Beträge addiert und damit wird es mit jeder weiteren Unstimmigkeit für den Mandanten teurer. Bereits hier ist es von großer Bedeutung über die einzelnen Punkte, unter Berücksichtigung der Gesamtlage, zu verhandeln.“

Warum lohnt es sich, so früh über die Prüfungsfeststellungen zu sprechen?

Stölzel: „Weil dann in der offiziellen Schlussbesprechung im Idealfall die meisten Fragen bereits geklärt sind und nur noch die strittigen Punkte besprochen werden müssen. Das nimmt den Druck ganz erheblich raus.“

Wie geht es weiter?

Stölzel: „In der Folge wird der Prüfbericht geschrieben und ausgewertet daraufhin ergeht der Bescheid des Finanzamts an den Mandanten. Jetzt kann man erstmals Einspruch einlegen – das soll aber der Ausnahmefall sein, denn zu diesem Zeitpunkt sind Verhandlungen sehr schwierig. Auch deswegen rate ich zur frühen Einigung.“

"Unvergessen: Steuerminderungen im 6-stelligen Bereich"


Welcher Fall ist Ihnen im Gedächtnis geblieben?

Stölzel: „Ich hatte vor Jahren einen Mandanten mitten in der Betriebsprüfung übernommen und ihn kurzfristig in der Schlussbesprechung vertreten. In einer rund 10 Stunden dauernden Sitzung ergaben sich Steuerminderungen im sechsstelligen Bereich. Nicht nur die Finanzbeamten waren an diesem Freitag Abend über die positive Wendung für den Mandanten überrascht, selbst ich fuhr voller Euphorie in die entgegengesetzte Richtung auf dem Weg nach Hause.“
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