Interview mit Oberbürgermeister Gerhard Jauernig, Stadt Günzburg

   

„Ich bin mit Leib und Seele Oberbürgermeister in Günzburg, einer Stadt mit lebenswertem Flair, herzlichen Menschen, attraktivem Wohnraum – und besten Chancen für unsere Kinder“
Gerhard Jauernig

Herr Jauernig, Sie sind seit 2002 Oberbürgermeister in Günzburg. Wenn Sie auf Ihre bisherige Amtszeit zurückblicken, welche Ziele haben Sie schon umsetzen können?
OB Jauernig: Günzburg ist heute eine Stadt, in der die Menschen gerne leben, wohnen, arbeiten – und seit Kurzem auch studieren. Das haben wir Günzburger erreicht, weil wir tatkräftig anpacken und Ideen verwirklichen, die unsere Stadt nach vorne bringen.
In den zurückliegenden Jahren konnten durch eine dynamische Wirtschaftspolitik und unbürokrati-sches Handeln neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Dabei denken wir bereits heute über unsere Stadtgrenzen hinaus:So planen wir ein interkommunales Gewerbegebiet auf dem Gelände des Leipheimer Fliegerhorstes und erschließen damit neuen Entfaltungsraum für unsere boomende Wirtschaft.
Die ehemalige Industriebrache esbi-Gelände wurde zu einem Naherholungsgebiet mit Wohnungen entwickelt, der Tourismus-Standort Günzburg gestärkt und im Stadtgebiet flächendeckend bezahl-bares Bauland erschlossen. Darüber hinaus gelang es, Günzburg als starken Bildungsstandort zu etablieren. Mit dem Neubau Grundschule Südost, der Ansiedlung einer privaten Fachhochschule und der vhs im Haus der Bildung sowie zahlreichen Erweiterungsbauten haben wir die Weichen auf Zukunft gestellt. Im kommenden Jahr wird darüber hinaus eine neue Kindertagesstätte errichtet, durch deren Betrieb wir einen weiteren Beitrag zur Verbesserung der Vereinbarkeit Familie und Be-ruf leisten. Dies sind nur einige wenige Beispiele, die belegen, dass Günzburg gut aufgestellt ist.

Welche Ereignisse prägten aus Ihrer Sicht das politische Jahr 2009 in Günzburg?
OB Jauernig: Mit der Europa- und Bundestagswahl war das Jahr 2009 natürlich ein Jahr der Wahlen. Die Immobilienkrise der Vereinigten Staaten von Amerika entwickelte sich zu einer Weltwirtschafts-krise – sie ist auch hier spürbar. Dennoch konnten wir Günzburg weiter entwickeln. Die Eröffnung der Mobilitätsdrehscheibe am Günzburger Bahnhof, der Ausbau der
Ichenhauser Straße, Sea Life bei Legoland, die Ansiedlung der Firma Wiegel mit rund 7 Millionen Euro Investitionsvolumen und zahlreichen Arbeitsplätzen, gewaltigen Baumaßnahmen auf dem Gelände des Bezirkskrankenhauses und große Investitionen in Bildung belegen, dass es trotz internationaler Finanzkrise vor Ort vorwärts ging.
Hinzu kommen eine ganze Reihe von Veranstaltungen und Festen, in denen sich unsere sehr aktiven Vereine bestens präsentierten und wir alle die Gelegenheit hatten, nette Stunden in einem schönen Rahmen zu verbringen. Vielleicht sind das vor allen Dingen die Ereignisse, auf die es ankommt.

An jedem letzten Donnerstag eines Monats von 15.00 bis 17.00 Uhr stehen Sie für die Bürger zu einem persönlichen Gespräch zur Verfügung. Für einen Oberbürgermeister in Bayern ein eher ungewöhnliches Engagement. Warum bieten Sie diese Form des regelmäßigen Kontaktes an und was sind die häufigsten Anliegen?
OB Jauernig: Als Oberbürgermeister hat man 3 Hauptaufgabengebiete. Man ist Leiter einer Verwaltung, Repräsentant der Stadt und man kann die politische Lenkungsfunktion wahrnehmen. Vor allen Dingen aber wurde ich gewählt, um die Interessen der Menschen einer Stadt zu vertreten. Dies ge-lingt nur, wenn man dabei den ständigen Kontakt pflegt und das persönliche Gespräch sucht. Seit rund 5 Jahren biete ich deshalb die sog. Bürgersprechstunde an, in der man ohne Voranmeldung einfach all die Dinge ansprechen kann, die einem am Herzen liegen. In der zurückliegenden Zeit konnten etwa 250 Anliegen behandelt werden, nicht alles ist lösbar. Aber dennoch, manchmal geht es um Kleinigkeiten oder auch um sehr private Herausforderungen – wenn irgendwie möglich, ver-suche ich zu helfen und werde dabei von einer sehr tüchtigen Verwaltung begleitet.
Unabhängig davon, haben wir seit einigen Jahren mit unserem BürgerServiceCenter eine Anlaufstel-le, in der unsere Kunden, die Bürger der Stadt, eine Einrichtung finden, bei der ihre Anliegen bei längeren Öffnungszeiten und schnellerer Bearbeitung bestens aufgehoben sind. Das BSC wird re-gelmäßig von den Besuchern bewertet und erhält beste Noten. So soll es auch sein!

Nach Angaben der Regionalmarketing Günzburg stieg die Zahl der Touristen im Landkreis im August 2009 gegenüber dem Vorjahr um 10 % an. Mit welchen Maßnahmen haben Sie das erreicht?
OB Jauernig: Sie haben recht. Der Tourismus ist mittlerweile ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in Günzburg geworden. Im Schulterschluss mit dem Landkreis Günzburg arbeiten wir daran, den mächtigen Schatz, den uns Legoland im Tourismus beschert, sicher zu heben. Dabei ist es wichtig, den Gästen auf Zeit ein Angebot zu präsentieren, das sie motiviert, nicht nur den Park zu besuchen, sondern auch für einige Tage hier zu verweilen, die Schönheit der Stadt zu genießen und hier zu übernachten.
Vor Jahren haben wir deshalb im Rathaus eine eigene Touristinformation, gemeinsam mit der Stadt Leipheim, ins Leben gerufen. Im Vorfeld der Urlaubsplanungen, aber auch während des Aufenthalts, wird von dort aus freundlich und kompetent beraten. Unabhängig davon, gelang es, das Bettenan-gebot deutlich zu erweitern und in Kooperation mit Regionalmarketing eine professionelle Tourismusstruktur mit Unterkunftsverzeichnis und Freizeitprospekten zu etablieren. Durch Veranstaltungsreihen wie den Günzburger Kultursommer oder ganz unterschiedlichen Stadtführungen schaffen wir darüber hinaus Angebote, die nicht nur für unsere Gäste sondern auch für uns Günzburger zu einem echten Renner geworden sind.

Gibt es Zahlen, die die Entwicklung belegen?
OB Jauernig: Ja, der von Ihnen angesprochene Trend ist in Günzburg noch deutlicher erkennbar. Im Jahr 2008 übernachteten allein im Monat August rund 17.000 Gäste in Günzburg, in diesem Jahr konnte dieser sehr gute Wert noch einmal um fast 50 % auf über 25.000 Übernachtungen gesteigert werden. Vergleichen wir diese Zahlen mit 2002, fällt der Anstieg gigantisch aus.

Ein immer wiederkehrendes aktuelles Thema ist die Vereinbarkeit zwischen Beruf und Familie. In Günzburg wurde hierzu in einer Grundschule vom Ende des stundenplanmäßigen Unterrichts an eine Betreuungszeit bis 16.00 Uhr garantiert. Wie wird dieses Angebot angenommen?
OB Jauernig: Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist ein wichtiges Thema auch in den Städten! Aber nur zu reden hilft nichts, es müssen Taten folgen. In der Grundschule Südost und seit Kurzem auch an unserer weiteren Grundschule Auf der Bleiche bieten wir Mittags- und Nachmittagsbetreu-ung an. Viele zweifelten am Bedarf. Ich kann Ihnen sagen, unser Angebot wird von den jungen Familien hervorragend nachgefragt und auch angenommen. Damit aber nicht genug. Mit dem geplanten Bau einer neuen Kindertagesstätte Auf der Hagenweide werden wir nicht nur architektonisch und energetisch neue Wege gehen, sondern auch unser Angebot an Krippenplätzen deutlich erhöhen.

Sie sprachen eingangs davon, dass das Jahr 2009 eine große Wirtschaftskrise mit sich brachte. Die aktuelle Konjunkturumfrage der IHK für den Landkreis ergab, dass von einer wirtschaftlichen Erholung auch in den kommenden Monaten nicht ausgegangen werden kann. Wie beurteilen Sie die Situation vor Ort?
OB Jauernig: Günzburg bietet ein sehr breit gefächertes Angebot an Arbeitsplätzen. Die größten Arbeitgeber sind der Bezirk Schwaben mit dem BKH, das Kreiskrankenhaus, wir haben sehr enga-gierte und erfolgreiche mittelständische Unternehmen und wir sind Behörden- und Schulstadt .Hinzu kommen noch Arbeitsplätze im Segment Tourismus. Entgegen der Situation in anderen Kommunen ist das Angebot an Arbeitsplätzen also nicht auf eine Branche begrenzt. Das ist in der jetzigen Situation sicherlich ein Vorteil.
Die Wirtschaftsförderung im Günzburger Rathaus hat für mich eine hohe Bedeutung. Mit der Servi-cestelle Wirtschaft.Information.Recht im Rathaus habe ich eine Stabsstelle geschaffen, durch die wirtschaftliche Abläufe leicht und transparent begleitet werden, der Standort Günzburg beworben wird und örtliche Unternehmen eine Bestandspflege erfahren. Die beste Möglichkeit, eine Krise zu überstehen, ist anzugreifen. Dies tun wir, indem wir auch aktuell sehr intensiv den Wirtschafts-standort unserer Stadt bewerben und den engen Kontakt mit den Wirtschaftsverbänden leben. Wer im Aufschwung dabei sein will, muss in der Krise investieren und Bange machen gilt nicht.

Sie wurden bei der letzten Kommunalwahl mit einem hervorragenden Ergebnis von über 96,4 % im Amt bestätigt und sind Mitglied der SPD. Nicht alle SPD-Kandidaten hatten bei den jüngsten Wahlen einen solchen Erfolg. Wie haben Sie es geschafft, die Bürger von sich und Ihren Zielen zu überzeugen?
OB Jauernig: Zunächst gilt, dass wir in Bayern sehr, sehr viele Oberbürgermeister und Bürgermeister haben, die als Sozialdemokraten erfolgreiche Arbeit in den Rathäusern leisten.
Kommunalpolitik ist nach meinem Verständnis keine Parteipolitik. Ich habe mir von Anfang an den Grundsatz gesetzt, Anregungen, ganz gleich von welcher politischen Couleur nicht nach deren Herkunft, sondern nach der Qualität des Gedankens zu bewerten. Mein Motto lautet: „Günzburg bewegt sich – und gemeinsam bewegen wir Günzburg“ Die Menschen einer Stadt merken sehr schnell, ob man das, was man verspricht, auch umsetzt und ob man die Kraft besitzt, Visionen zu entwickeln und diese gemeinsam mit vielen Partnern verwirklicht. Ich denke, das ist mir in der Vergangenheit gelungen und ich wurde dabei von den Stadtratskollegen und vielen Günzburgerinnen und Günz-burgern begleitet. Auch Dank einer starken Bürgerschaft konnten wir wichtige Projekte in die Tat umsetzen. Mit dem „Runden Tisch der Vereine“ und dem Bündnis „Aktiv für Günzburg“ fördern wir ehrenamtliches Engagement.

Inwieweit macht Ihnen Ihr Amt Spaß?
OB Jauernig: Natürlich muss man manchmal auch Entscheidungen treffen und Aufgaben lösen, die nicht ausschließlich Spaß machen. Dies ist sicherlich in jedem Beruf der Fall. Mir macht mein Amt jedoch jeden Tag aufs Neue sehr viel Freude! Ich bin mit Leib und Seele Oberbürgermeister in Günz-burg – einer Stadt mit lebenswertem Flair, herzlichen Menschen, attraktivem Wohnraum und besten Chancen für unsere Kinder.

Ihr Wunsch zum Jahreswechsel?
OB Jauernig: Frieden und Gesundheit

Weiterveröffentlichungen:

myheimat-Stadtmagazin günzburger | Erschienen am 14.12.2009
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Matthias Möller aus München am 15.12.2009 um 20:08 Uhr  
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