Ein gutes Paket für den Wirtschaftsstandort

IHK begrüßt Entwurf für Bundesverkehrswegeplan mit überraschender Lösung für Bahnausbau Ulm–Augsburg – Viele wichtige Bundesstraßen sind dabei

Der heute (16.03.2016) vorgelegte Entwurf für den Bundesverkehrswegeplan 2016 setzt aus Sicht der IHK Schwaben viele wichtige Impulse für die Region, auch wenn einzelne wichtige Vorhaben unberücksichtigt geblieben sind. „In seiner Gesamtheit ist das ein gutes Paket für den Wirtschaftsstandort Schwaben“, erklärte IHK-Präsident Dr. Andreas Kopton.

Von herausragender Bedeutung seien bei der Bahn – über die als „gesetzt“ verankerte Elektrifizierung München–Memmingen–Lindau hinaus – vor allem positiven Signale für einen Aus- und teilweisen Neubau der Strecke Ulm–Augsburg. Die in dem Entwurf ausgewählte Variante enthält dritte Gleise westlich von Augsburg sowie östlich von Neu-Ulm und außerdem eine Neubaustrecke von Unterfahlheim (Kreis Neu-Ulm) bis Dinkelscherben (Kreis Augsburg).

„Wir begrüßen, dass der Bund hier tatsächlich – wie von uns immer gefordert – eine vergleichende Wirtschaftlichkeitsuntersuchung angestellt hat und nicht auf Verdacht nur politisch zwischen einer Neubaustrecke und den dritten Gleisen entschieden hat“, betonte Kopton. „Die dabei gefundene Kombi-Lösung überrascht, doch sie vereint den von der Region geforderten Ausbau im Westen von Augsburg mit der Fahrzeitverkürzung, wie sie nur eine neu trassierte Strecke bringen kann“, sagte Kopton. „Nun müssen wir in der Region alles dafür tun, dass beides rasch geplant, finanziert und umgesetzt wird – nicht nur die dritten Gleise, sondern auch der Neubauabschnitt zwischen Unterfahlheim und Dinkelscherben.“ Mit der Fertigstellung des Bahnprojekts Stuttgart–Ulm seien ab 2021 erheblich mehr Züge auf dieser Strecke zu erwarten. „Da darf es kein Nadelöhr geben, und deshalb drängt die Zeit schon heute. Mit der ,Kombi-Lösung‘ wird die Strecke auch dem Anspruch an eine transeuropäische Magistrale gerecht. Nun gibt es endlich auch für das letzte Teilstück zwischen Paris und München eine Perspektive.“ Außerdem setze eine Beschleunigung der Züge zwischen Neu-Ulm und Augsburg die hohen Investitionen in „Stuttgart 21“ noch zusätzlich in Wert.

Die IHK Schwaben hatte sich – im Unterschied zu großen Teilen der Politik in der Region – immer für eine ergebnisoffene vergleichende Prüfung einer Neubaustrecke und der „dritten Gleise“ eingesetzt, um zu einer optimalen Lösung zu kommen. Die Deutsche Bahn selbst hatte ursprünglich eine Neubaustrecke zwischen Burgau und Augsburg entlang der Autobahn A 8 zum Bundesverkehrswegeplan angemeldet.

Bundesstraßen sind für eine Produktionsregion enorm wichtig

Unter den Vorhaben im Straßenbau begrüßen die Unternehmer die positiven Signale für einen sechsspurigen Ausbau der Autobahn A 7 auf dem stauanfälligen Abschnitt zwischen dem Dreieck Hittistetten und Illertissen (Kreis Neu-Ulm), den Bau einer Tangente, die im Osten Augsburgs eine vierspurige Verbindung von der Autobahn A 8 (Anschlussstelle Friedberg/Derching) zur B 17 bei Oberottmarshausen herstellt, den Ausbau der B 12 zwischen A 96 (Jengen/Buchloe) und Kaufbeuren, der B 16 (Ortsumfahrungen Ichenhausen, Höchstädt und Tapfheim), der B 300-Ortsumgehung Diedorf und dem Neubau der B 29 zwischen Nördlingen und der A 7 (Aalen/Westhausen). „Es ist wichtig, dass nach Fertigstellung der A 7, der A 8 und der A 96 sowie der B 2 und der B 17 nun sukzessive das Netz der Bundesstraßen arrondiert wird“, sagte Josef Brandner, Vorsitzender des IHK-Ausschusses für Verkehr und Logistik. „Vor allem für die Festlegung einer Trasse der B 300 bei Diedorf brauchen wir dringend Klarheit, wie es bei der parallelen Bahnstrecke weitergeht. Daran hängen die Raumentwicklung und die Perspektiven für die Region westlich von Augsburg.“

Eine noch nicht veröffentlichte Studie der IHKs Schwaben, Ulm, Ostwürttemberg und Bodensee-Oberschwaben habe gezeigt, dass für den Binnen-, Quell- und Zielverkehr der Unternehmen in diesem Raum die Bundesstraßen eine mindestens so hohe Bedeutung haben wie die Autobahnen. „Das produzierende Gewerbe und die Logistikunternehmen sind genau auf diese Verkehrswege angewiesen“, betonte Brandner.

Deshalb werde sich die IHK Schwaben nach Beratungen in ihrem Verkehrsausschuss und in ihren Gremien in der anstehenden Öffentlichkeitsbeteiligung mit Nachdruck für Vorhaben einsetzen, bei denen noch Herausforderungen bleiben, weil sie in dem Entwurf nur nachrangig als „weiterer Bedarf“ berücksichtigt worden seien. Dies gelte beispielsweise für den weiteren Verlauf der B 12 von Kaufbeuren bis Kempten, für die B 300-Ortsumfahrungen Gessertshausen (Kreis Augsburg) und Krumbach und den B-19-Entlastungstunnel Fischen (Oberallgäu).
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